Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
2916
Geopolitik verschiebt den Inflationspfad

Hormus-Risiko: So wirkt der Energiepreisschock auf Europas Inflation

Europa hat die Teuerung zuletzt vor allem wegen sinkender Energiepreise gedämpft. Aber: Drehen die Energiepreise wieder nach oben, dreht auch die Inflation. Ein Ölpreisanstieg von 20 bis 30 Prozent erhöht die EU-Inflation um rund 1,5 bis 2,5 Prozentpunkte und bremst das Wachstum im Folgejahr um 0,5 bis 0,75 Punkte, analysiert das Institute for International Finance (IIF).

Für Europa läuft der Iran-Schock primär über Preise. Grund: Europa bezieht aus dem Nahen Osten direkt nur kleine Energiemengen. Zwar ist die Passage durch Hormus aktuell befahrbar. Aber durch das kriegsgeschehen nur eingeschränkt. Das erzeugt einen Risikozuschlag im Ölpreis.

Gas bleibt der Taktgeber für den Strompreis, weil oft die teuerste Gaskraft den Strompreis setzt. Steigt der Gaspreis am niederländischen Handelsplatz TTF, dem Leitmarkt in Europa, zieht der Strompreis mit. Das fließt rasch in den HICP ein, den EU-Verbraucherpreisindex mit rund zehn Prozent Energieanteil.

Ursachen: Warum Europa anfällig bleibt

Europa hat russisches Pipelinegas stark reduziert und durch LNG ersetzt. LNG ist verflüssigtes Erdgas, das tiefgekühlt per Schiff kommt. Das senkt das Ausfallrisiko eines Lieferanten, erhöht aber die Abhängigkeit von globalen Preisen und Routen.

Steigt der geopolitische Risikoindex, der Spannungen misst, reagieren Öl und europäische Gaspreise häufig gleichlauf. Diese Kopplung treibt die Volatilität und macht Energie zum zentralen Inflationsrisiko.

Szenarien: Pfade für Preise, Inflation und EZB

Bleibt das Risiko begrenzt, stabilisiert sich Öl um 90 bis 100 Dollar (aktuell 95 USD für Brent-Öl). Der Makroeffekt bleibt überschaubar. Die EZB kann ihren Kurs voraussichtlich halten.

Hält der Risikozuschlag an, bleiben Ölpreise 20 bis 30 Prozent über Vorkriegsniveau, also über 100 USD je Fass. Die Inflation steigt dann um 1,5 bis 2,5 Punkte. Das Wachstum in der EU sinkt um 0,5 bis 0,75 Punkte. Die EZB muss dann auf eine straffere Haltung umschwenken.

Stressfälle: Wenn Transport der Kipppunkt wird

Das Szenario: Werden Routen um Hormus nur eingeschränkt befahrbar, steigen Versicherungsprämien, Fahrtzeiten und Ausweichrouten. LNG wird teurer und volatiler. Öl klettert über 100 Dollar. Der Inflationsschock nimmt zu. Die EZB richtet sich dann stärker an den Inflationserwartungen aus.

Kommt es zu echten Lieferausfällen im Golf, fehlt global Öl. Preise steigen deutlich über 110 bis 120 Dollar. Inflation und Wachstum verschlechtern sich stärker. Entscheidend sind dann Lohnabschlüsse und Erwartungen. Steigen die an, muss die EZB härter reagieren.

Europas neue Lage: Weniger Lieferantenrisiko, mehr Preisrisiko

Positiv: Die Diversifizierung seit 2022 senkt das Risiko eines einzelnen Ausfalls. Die stärkere Einbindung in den Weltmarkt erhöht aber die Preissensibilität. Europa hat das Lieferantenrisiko reduziert, das Energierisiko aber nicht beseitigt. 

Fazit: Die EZB muss bei anhaltendem Energieauftrieb die Zinsen länger hoch halten und kann bei steigenden Erwartungen wieder straffen. Positionen sollten dieses Zinsrisiko abbilden.
Neueste Artikel
  • Fuchs trifft Pferdchen, Der Geldtipp-Podcast, Teil 59

Geldtipp #59:Welche Chancen und Risiken Privatkredite bieten

Geldtipp-Podcast. ©SpringerNature
Anleger können nicht nur Kredite aufnehmen, sondern auch in diese Klasse investieren. Pferdchen und Fuchs beschreiben in der 59. Folge des Geldtipp-Podcasts, für wen sich Privatkredite als Investment eignen.
  • Fuchs plus
  • Preise bei Übernahmen von Technologie-Unternehmen steigen

Deutschland mit größeren Tech-Deals

Die Preise für deutsche Technologieunternehmen steigen. 2025 wurden Unternehmen aus dem Bereich für 15,7 Mrd. Euro verkauft. Die meisten davon stammen aus der Softwarebranche.
  • Fuchs plus
  • Spanischer Immobilienmarkt im Aufschwung

Barcelona für Käufer derzeit hochinteressant

Seit dem Einbruch von 2022 hat sich der spanische Markt für Wohnimmobilien deutlich erholt. Dabei sind die Premiumlagen in Barcelona im Vergleich zu den Balearen noch günstig.
Zum Seitenanfang