Inflationsziel in Gefahr: Polens Notenbank unter Druck
Die Notenbank in Polen hielt den Leitzins am 09. April bei 3,75% konstant und entsprach den Erwartungen. Die Aussicht auf weitere Zinssenkungen sind mit dem Krieg im Mittleren Osten gesunken. Die hohe Unsicherheit bei der Inflations-Prognose dürfte das Erreichen des Inflationsziels von 2,5% erstmal in weite Ferne gerückt haben.
Inflation zieht an
Die Teuerung ist im März auf 3% gestiegen und übertraf die erwarteten 2,5% sowie den Vormonat mit 2,4%. Der höchste Stand seit acht Monaten ging einher mit anziehenden Energiekosten. Die Befürchtung, dass die Preise anderer Lebensbereiche mit nach oben gezogen werden ist begründet. Das zeigen die Zahlen für Elektrizität und Transport mit Plus 3,9% und 8,5%. Unternehmen mit Preissetzungsmacht und unverzichtbaren Produkten und Dienstleistungen sind in einem solchen Umfeld im Vorteil. Die Kurse signalisieren dies bereits.
Rohstoffe und Versorger haben Konjunktur
Die Nachfrage nach begehrten Rohstoffen wie Kupfer und Silber treiben den Export und die Konjunktur schiebt die Nachfrage nach Elektrizität an. Beide Sektoren bieten für Zloty-Investoren interessante Aktien.
Führender Versorger des Landes
Die Aktie von PGE Polska Grupa Energetyczna (WKN A0YC19) profitiert vom anziehenden Bedarf an Energie. Mehr als 63% der Umsätze werden mit dem Vertrieb von Elektrizität erwirtschaftet, knapp 17% mit dem Betrieb von Netzen und 9% mit der Produktion von Wärme. PGE verdient sein Geld überwiegend im Heimatland. Mehr als 60% der Aktien befinden sich im Eigentum der Regierung. Die Eigenkapitalquote liegt bei knapp 44%. Der Umsatz wuchs in den zurückliegenden sieben Jahren um durchschnittlich 15% per anno. Bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,5 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,6 bezahlt der Investor den 6,5-fachen erwarteten Gewinn für dieses Jahr. Das Unternehmen zahlt aufgrund des hohen Investitionsbedarfs für die Modernisierung seiner Infrastruktur und der Energiewende keine Dividende und reinvestiert seine Cashflows.
Kupfer und Silber glänzt
Trotz der Korrektur in den zurückliegenden Monaten blicken Silber- und Kupfer-Investoren auf hohe Kurszuwächse beider Metalle. Führend in deren Produktion in Polen ist KGHM Polska Miedz (WKN 908063). Das zu knapp 32% im Staatsbesitz befindliche Unternehmen erwirtschaftet 70% seines Umsatzes mit Kupferprodukten und 14% mit der Silberproduktion. Gold steuert knapp 4% bei. Das eigene Heimatland trägt 26% des Umsatzes. Größter Exportmarkt ist neben Deutschland mit 13%, China mit 11% und Italien mit 7%. Die Bilanz ist mit einer Eigenkapitalquote von 56% solide aufgestellt. Der Umsatz wuchs in den zurückliegenden sieben Jahren um jährlich durchschnittlich gut 8%. Das für dieses Jahr geschätzte Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei 1,3 und das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei 1,6. Anleger bezahlen den 8,5-fachen Gewinn von KGHM. Die in Aussicht stehende Dividende mündet in eine Rendite von 0,7% nach einer Null-Runde im Vorjahr.