Japan: Neues Zins-Regime
Erst die Europäische Zentralbank, dann die Bank of Japan: Morgen (Dienstag) dürfte die BoJ den Leitzins von 0,75% auf 1% anheben. Auch wenn das Zinsniveau im internationalen Vergleich moderat ist, markiert die Zinserhöhung eine strukturelle Zäsur: Japan entfernt sich schrittweise von einer jahrzehntelangen Ausnahmepolitik extrem niedriger oder negativer Zinsen.
Japan auf dem Weg zu einem neuen Zins-Regime
Die Zinsanpassung ist nicht Teil eines normalen Straffunszyklus. Japan vollzieht einen längerfristigen geldpolitischen Anpassungsprozess hin zu einem neuen Zins-Regime. Entscheidend ist darum nicht die Einzelmaßnahme, sondern der dahinterliegende Pfad. Der Normalisierungspfad bleibt zwar „low and slow“.
Der Wechsel des Zins-Regimes ist strukturell. Auslöser ist die inzwischen verfestigte Inflation in Japan. Die Inflationsrate liegt bei 1,4% (BIP-Wachstum +0,5%). Der schwache Yen hebt die Inflation zusätzlich an, denn sie wird über die Rohstoffseite importiert. Das führt seit Monaten zu kräftigen Lohnabschlüssen. Reagiert die BoJ nicht, wachsen die Risiken, dass sich in Nippon eine kräftige Lohn-Preis-Spirale zu drehen beginnt. Wir erwarten, dass die BoJ weitere kleine Schritte vollzieht. Diese wird sie so lange wie möglich strecken.
Unternehmen sollten Yen-Veränderungen im Blick behalten
Unternehmen sollten das sich abzeichnende neue Zins-Regime sukzessive einpreisen. Noch sind die Zinsdifferenzen zwischen den USA/Europa und Japan groß. Die Phase extrem niedriger Zinsen, die über Jahrzehnte Kapitalabflüsse begünstigt hat, läuft aber aus. Finanzierungen in Yen und Carry-Trades werden riskanter.
Die Reallokation japanischer Auslandsinvestitionen dürfte im Trend an Bedeutung gewinnen. Das könnte neue Kanalisierungen bei den Kapitalströmen zur Folge haben, weil japanische institutionelle Investoren zu den größten globalen Kapitalgebern zählen. Bereits kleine Änderungen im heimischen Zinsumfeld können mittelfristig spürbare Auswirkungen auf internationale Kapitalströme haben. Dieser Prozess wirkt potenziell stabilisierend für den Yen.