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Zinspolitik nach dem Ölpreissprung: Warum 2026 anders ist als 2022

Kommt sie oder kommt sie nicht: die Zinserhöhung aufgrund des Ölpreisschocks?

Die Ölpreise steigen infolge der Blockade der Straße von Hormus. Anleger wetten bereits auf kräftige Zinserhöhungen. Doch die historischen Daten sprechen eine andere Sprache. Was frühere Ölpreisschocks für die EZB, die Fed und den Pfundraum bedeuten und warum 2026 nicht 2022 ist, erläutern FUCHS-DEVISEN.

Die Märkte blicken nach vorn. Seit die Straße von Hormus faktisch geschlossen ist, ziehen Öl- und Energiepreise deutlich an. Anleger preisen seither eine straffe Reaktion der Zentralbanken ein. Die Terminkurven lassen für die EZB einen Anstieg des Einlagezinses um 50 bis 75 Basispunkte erwarten, für die Bank of England einen ähnlichen Schritt. In den USA sind zuvor erwartete Senkungen vollständig aus den Erwartungen verschwunden. Diese Bewegungen basieren auf der Annahme, dass Energiepreisschocks zwingend Zinserhöhungen auslösen.

Die historische Erfahrung stützt diese Annahme jedoch nicht. Eine Analyse der Ölpreisschocks seit den 1970er Jahren durch Berenberg zeigt, dass 2022 ein Sonderfall war. Damals traf eine außergewöhnliche Kombination aus überschüssigen Ersparnissen, hoher Nachfragestärke, Lieferkettenstörungen und bereits dreifacher Zielinflation auf einen neuen Energiepreisanstieg. Die Zinserhöhungen starteten unmittelbar vor dem Höhepunkt des Ölpreises und hatten zahlreiche Ursachen, nicht allein den Energieschock.

Ölpreisschocks führen nicht automatisch zu Zinserhöhungen

Ein Blick auf frühere Schocks relativiert die aktuelle Markterwartung. Die Ölpreissprünge in den 1970er Jahren, 1990 sowie 1999 lösten keine einheitliche Reaktion aus. In drei von fünf Fällen senkten die Zentralbanken ihre Leitzinsen innerhalb von zwei Jahren nach dem Ölpreishoch. Grund waren ein wirtschaftlicher Abschwung und fallende Inflationsraten. Nur in wenigen Fällen führte ein Energiepreisschock zu einem Beginn eines Zinserhöhungszyklus. Häufig markierte er vielmehr dessen Ende.

Fehler machten insbesondere Großbritannien und die USA Mitte der 1970er Jahre: Sie lockerten zu früh, obwohl die Inflation noch bei rund fünf Prozent lag. Das öffnete der nächsten Inflationswelle Tür und Tor, als der zweite Ölpreisschock folgte. Erfolgreicher agierte damals die Bundesbank. Sie verhinderte, dass die realen Zinsen negativ wurden. Realer Zins bedeutet: Nominalzins minus Inflationsrate. Bleibt dieser Wert lange negativ, verliert das Geld rasch an Kaufkraft und Verbraucher ziehen Käufe vor, was die Inflation weiter antreibt.

Warum 2026 anders ist als 2022

Für 2026 ergibt sich ein klar anderes Bild als für 2022. Die Inflationsraten liegen heute bereits wieder in einem Bereich, den die Zentralbanken als akzeptabel einstufen. Die derzeitigen Leitzinsen wirken restriktiv genug, um den realen Zins nicht abrutschen zu lassen. In Großbritannien und den USA steigt zudem die Arbeitslosigkeit. Das spricht dort gegen Zinserhöhungen.

Auch die EZB dürfte den aktuellen Ölpreisanstieg eher durchlaufen lassen, sofern sich der Preis bald stabilisiert. Der Grund: Höhere Energiepreise belasten die real verfügbaren Einkommen und dämpfen die Nachfrage. Diese Wirkung übersteigt den begrenzten Impuls zur Mehrausgabenbereitschaft, der durch eine kurzfristige Abnahme des realen Zinses entstehen könnte.

Fazit: Anleger sollten Währungspositionen auf stabile oder fallende Zinsen ausrichten. Höhere Ölpreise lösen 2026 voraussichtlich keinen neuen Zinszyklus aus. Chancen ergeben sich in Währungen mit stabiler Notenbankpolitik und soliden Realzinsen.
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