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Währungsprognosen im Dezember 2020

Konsens beim Dollar, Dissens beim Yen

Quo vadis Yen? Die von uns befragten Bankhäuser sind sich uneinig. Copyright: Pixabay
Beim Dollar ruckelt sich in den Prognosestuben der volkswirtschaftlichen Abteilungen der Banken langsam eine Konsensmeinung zurecht. Auch bei den Zinsen ist man sich recht einig. Nur beim Yen driften die Ansichten auseinander. Der monatliche Blick von FUCHS-DEVISEN auf "Die Meinung der Anderen".

Die Prognosebänder für Euro-Dollar verengen sich. Auf 3 und 6 Monate nimmt zumindest in den Zahlen der Konsens unter den von uns befragten Banken vor allem für EUR|USD zu. 3 Cent auf 3 Monate – so viel macht noch die Prognosedifferenz aus, nachdem die Commerzbank ihre Voraussage kräftig – von 1,15 auf 1,21 – revidiert hat. Damit markiert sie jetzt die obere Bandbreite für EUR|USD mit Perspektive März 2021. Anpassungen im Hinblick auf einen stärkeren Euro per März nächsten Jahres gab es auch bei Pictet (von 1,17 auf 1,20), bei CIBC und Citi Hongkong. Berenberg und die LBBW hingegen haben ihre Prognosen beibehalten (können). Das „Feld“ der volkswirtschaftlichen Auguren hat sich in ihre Richtung bewegt.

Auch auf Jahressicht wird der Dollar nochmals schwächer gesehen. Auch hier hat die Commerzbank die deutlichste Revision von 1,20 auf 1,24 vorgenommen. Das obere Ende der Bandbreite aber markiert die in der Schweiz beheimatete Pictet mit 1,26 (zuvor 1,25). Den unteren Rand nennt die kanadische CIBC mit 1,20 (zuvor 1,19).

Meinungs-Antagonismus

Als Gründe nennt Pictet, dass unter Biden und mit einem Impfstoff der Dollar nicht mehr so als sicherer Hafen gebraucht wird. Genau andersherum sieht das CIBC: Der Status des Dollar als sicherer Hafen könne wieder gestärkt werden und der Dollar Zuflüsse aus dem Ausland bekommen. Die Wachstumsaussichten der USA sieht Pictet mit einem „geteilten“ Kongress und dadurch eingeschränkter politischer Handlungsfähigkeit des Präsidenten eher als mau an. Die kanadische CIBC hält wiederum die Verabschiedung eines Stimuluspaket zu Jahresanfang für wahrscheinlich. Als Risiko für die Aufwärtsprognose beim Euro stellt Berenberg die EZB-Überprüfung der eigenen geldpolitischen Strategie heraus.

Sollte die EZB dem Beispiel der Fed folgen und im Ergebnis ihre Geldpolitik noch länger äußerst locker gestalten, könnte dies dem erwarteten Aufwärtstrend des Euro entgegenstehen. Dies sehen auch die anderen Banken so. Die EZB wird ihre Geldpolitik auf ihrer nächsten Sitzung am 10.12. lockern. Das ist im Markt bereits eingepreist. Die Commerzbank erwartet, dass die EZB keine Zinssenkung mehr vornehmen wird, sich aber auch gegen eine „schnelle“ Aufwertung des Euro speziell zum Dollar stemmen wird.

Beim Yen gehen die Erwartungen wieder auseinander

Ganz anderes die Situation beim Yen. Hier wächst die Unsicherheit, abzulesen an den stärker auseinanderdriftenden Prognosen. Vor allem Berenberg sieht den Yen mit Blick auf Dezember 2021 schwächer werden. Ein Euro soll dann 130 Yen kosten (bisher 128). Demgegenüber hält die CIBC mit Sitz in Toronto an ihrer Vorhersage von 119 Yen je Euro fest. Die Commerzbank traut dem Yen wiederum mehr zu als noch vor einem Monat. Sie taxt den EUR|JPY-Kurs jetzt auf 124 (vorher 127). Die Citibank Hongkong glaubt weiterhin, dass ein Dollar in 3 und 12 Monaten 107 Yen kosten wird. CIBC hingegen denkt, dass man für den Dollar in einem Jahr nur noch 99 Yen hinlegen muss.

Die Argumente: Ein unterstützenderes globales Wirtschaftsumfeld dürfte den defensiven japanischen Yen belasten, so Pictet. Die Bank aus der Schweiz hält „die deutliche Unterbewertung des Yen für attraktiver als defensive, überbewertete Währungen wie den US-Dollar und den Schweizer Franken“. Und die Commerzbank traut dem Yen weiter Aufwertungspotenzial zu; schlicht, weil die Notenbank keine effektiven Mittel mehr habe, dagegen vorzugehen.

Wenig Bewegung bei den Zinsprognosen

Im Zinsbereich gibt es dagegen nur an wenigen Positionen „Bewegung“. Die Commerzbank erwartet nun im Dezember nächsten Jahres noch niedrigere zehnjährige Zinsen im Euro von -0,50% (vorher -0,30). Die Bereitschaft der Fed, die hohe Verschuldung in den USA überschaubar zu halten, deutet jedoch auf ein begrenztes weiteres Aufwärtspotenzial der US-Zinsen hin, meint Pictet. (Nur) Berenberg wiederum setzt die Renditeerwartung auf 12 Monate für die zehnjährige US-Staatsanleihe auf 1,40% herauf (von 1,00). Ist das die Zinswende?

Fazit: Folgt man den Erwartungen, sollten Unternehmen, die in Dollar fakturieren, frühe Zahlungsziele anpeilen oder ggf. absichern. Aktiengewinne im Dollarraum verlieren perspektivisch aus der Sicht von Anlegern im Euroraum; dafür wird die Investition in US-Aktien günstiger.

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