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Schuldenmachen ohne Ende?

Kriege schaffen Inflation – auch der Krieg gegen ein Virus?

Können wir bedenkenlos Schulden machen ohne Ende? Das würde nicht nur so manchem Politiker in den Kram passen. Und je länger die Phase überbordender Defizite bei geringen Inflationsraten und extrem lockerer Geldpolitik andauert, desto mehr Menschen nehmen diese Situation als Gewissheit. Ein Fehler.

Zwei Themen beschäftigen derzeit die Notenbanken. Machen sie sich zum Diener eines Herren, des Finanzministers? In der Sprache der Fachleute heißt dies „fiskalische Dominanz“. Und sind wir finanzpolitisch auf dem Weg zurück in die 1970er Jahre mit hohen Preissteigerungsraten und geringem Wachstum?

Die Pandemie hat in den USA und anderen Ländern jedenfalls eine aktivistische Fiskal- und Geldpolitik ausgelöst. Dies halten Michael D. Bordo und Mickey D. Levy in einem gerade erschienenen Arbeitspapier für das US-amerikanische National Bureau of Economic Research fest. Das Papier befasst sich mit der Frage, ob und wann in der Geschichte extrem ausgeweitete Staatsdefizite Inflation hervorrufen.

Ist die Fed noch Herrin ihrer Geldpolitik?

Die Autoren sehen deutliche Anzeichen, dass die Risiken für eine solche Entwicklung immer weiter anwachsen. So hält die Fed derzeit 20% der gesamten öffentlichen Schulden und verpflichtet sich, zusätzliche neue Wertpapiere in Höhe von 80 Mrd. USD pro Monat zu kaufen. Das entspricht ungefähr 60% bis 70% der neuen Defizite im Zeitraum 2021-2023.

Es gebe zudem Hinweise darauf, dass einige Kongressmitglieder die massive Bilanz der Fed und den Nettogewinn, den sie an das Finanzministerium überweist, als mögliche Finanzierungsquellen ansehen. Und obwohl es keine Beweise oder Anzeichen dafür gebe, dass die Fed die Auswirkungen ihrer Politik auf die Staatsfinanzen berücksichtigt hat, „unterstreicht die erhöhte Sensitivität der Schuldendienstkosten gegenüber den Zinssätzen die Bedeutung der Fed-Politik.“ Die neue geldpolitische Strategie der Fed ziele wiederum ganz bewusst auf höhere Inflationsraten ab.

Kriege vermeiden

„Eine entscheidende Determinante für den Zusammenhang zwischen Haushaltsdefiziten und Inflation“ sei Krieg oder Frieden, zeigen die Autoren auf. Ihr Rat: Kriege und die Unterwerfung der Notenbank unter die Fiskalpolitik vermeiden, Haushaltsdefizite im Blick behalten, Inflationserwartungen verankern und eine wachstumsfördernde Wirtschaftspolitik betreiben. Doch die Beweise würden darauf hindeuten, dass die Politik die Lehren aus der Geschichte ignoriere. Wie recht sie damit haben.

Fazit: Es ist an der Zeit genau hinzuhören: So befindet sich Frankreich nach den Aussagen seines Präsidenten bekanntlich im Krieg mit dem Islamismus. Und Europa wie die USA im Krieg mit einem Virus. Wir sollten die Politik beim Wort nehmen. Und selber Lehren daraus ziehen.

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