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Türkei im Crash-Modus

Lira-Absturz beschleunigt sich

Die Türkei befindet sich mit ihrer Währung im Crash-Modus. Der Lira-Verfall beschleunigt sich deutlich. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Dazu muss Türken-Präsident Erdogan entweder den IWF um Hilfe bitten - oder der Notenbank wieder freie Hand lassen.

Die Türkei taumelt immer tiefer in ihre Finanzkrise hinein – und nun sogar auf einen Staatsbankrott zu. Sichtbar wird das an der Wechselkursentwicklung der türkischen Lira. Die Währung ist heute auf ein neues Rekordtief gegenüber dem Dollar gefallen. Für einen Dollar müssen inzwischen 8 Lira bezahlt werden. Gegenüber dem Euro ist die Lira inzwischen auf einen Kurs von 9,33 gefallen. Zu Jahresbeginn notierte die Lira noch bei 6 EUR|TRY.

Das Problem der Türkei ist die enorm hohe Auslandsverschuldung – insbesondere der türkischen Banken und Unternehmen. Die haben einen Großteil ihrer Schulden im Ausland aufgenommen, weil sie dort weniger Zinsen als in der Türkei zahlen mussten. Auf der anderen Seite sind sie damit ein Wechselkursrisiko eingegangen.

Türkische Rettungsstrategie scheitert

Die anhaltende Lira-Abwertung bringt die türkischen Unternehmen mit Auslandsverbindlichkeiten schon länger unter Druck.  Wir hatten in den FUCHS-Devisen schon am 8. Mai 2020 darauf hingewiesen und gewarnt, dass das Land sehr verletzlich ist und in eine veritable Finanzkrise abrutschen könnte.

Die Rettungsstrategie der türkischen Notenbank scheint gerade zu scheitern. Die Währungshüter hatten im September die Zinsen überraschend und sehr kräftig von 8,25% auf 10,25% erhöht. Das kann den Lira-Verfall aber nicht stoppen. Denn die Märkte zweifeln die Unabhängigkeit der Notenbank weiterhin an. Und die Auslandsschulden der Unternehmen existieren noch immer und müssen mit immer mehr Lira bedient und getilgt werden. Allein bis zum Jahresende müssen gut 10 Mrd. Dollar Auslandsverbindlichkeiten getilgt werden. Viele Unternehmen, so die Einschätzung des Marktes, werden das nicht leisten können. 

Weitere drastische Zinserhöhungen zwingend

Um die Währung zu stützen, interveniert die Notenbank kräftig am Markt. Dort verheizt sie dabei aber die Devisenreserven des Landes. Sie sind allein 2020 von 80 Mrd. Dollar auf weniger als 20 Mrd. Dollar zusammengeschnurrt. De facto bleibt den Währungshütern daher nur ein weiteres Hilfsmittel übrig: weitere Leitzinserhöhungen. Die Zinsen müssen mindestens auf 12% steigen, damit der Ausverkauf der Lira gestoppt werden könne, heißt es in Devisenabteilungen von Banken.

Die Flucht der Türken – sogar der Notenbank  - in Gold wird vorerst weiter anhalten. Möglicherweise ist auch der starke Anstieg des Bitcoin-Kurses in den vergangenen Tagen auf kräftige Kaufimpulse aus dem Bosporus-Land zurückzuführen. Unternehmen müssen einen weiteren Lira-Verfall einkalkulieren. Investitionen werden damit günstiger. Dollar- oder Euro-Erlöse sollten nur soweit wie zwingend nötig in Lira transferiert werden. Erst wenn es den türkischen Geldhütern gelingt, das Vertrauen wiederherzustellen, wird sich die Lira allmählich stabilisieren.

Fazit: Eigentlich müsste der Internationale Währungsfonds mit einem Hilfspaket aufwarten. Das hat Türken-Präsident Recep Erdogan aber kategorisch ausgeschlossen. Bleibt er dabei, müssen die Leitzinsen weiter steil angezogen werden.

Empfehlung: Unternehmen müssen einen weiteren Lira-Verfall einkalkulieren. Investitionen werden aber günstiger. Dollar- oder Euro-Erlöse sollten nur soweit zwingend nötig in Lira transferiert werden.

https://www.fuchsbriefe.de/finanzen-wirtschaft/finanzmaerkte-devisen/tuerkei-vor-der-naechsten-finanzkrise9

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