Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
2044
Zentralbank greift mit massiver Zinserhöhung ein

Notoperation für die Türkische Lira

"Ich bin ein kleiner König …" Bei Recep Tayyip Erdogan scheint sich der Kinderreim tief eingeprägt zu haben (zueggeben, wir wissen nicht, ob der so in der Türkei aufgesagt wird). Präsident ist Recep Tayyip schon. Doch er versucht sich immer wieder als Sonnenkönig. Der Landeswährung bekommt das gar nicht.

Die türkischen Währungshüter haben in einer Notoperation eine massive, lebensbedrohlich Blutung gestoppt. Die türkische Zentralbank hat den Leitzins gleich um volle 200 Basispunkte auf 10,25% angehoben. Offenbar, um die ins Bodenlose trudelnden Wechselkurse der Lira (EUR|TRY: 8,88) zu stabilisieren. Die direkten ökonomischen Folgen des Zinsschritts blieben überschaubar.

Mit dem Leitzinsschritt wird nur offen dargestellt, was vorher durch indirekte Zinserhöhungen – etwa durch die Steuerung der Refinanzierung zwischen den unterschiedlichen Fazilitäten oder die Drehungen an der Schraube „Mindestreserve“ – ohnehin bereits bewerkstelligt war.

Ohne Vertrauen in die Politik keine Stabilisierung

Eine Therapie der zugrunde liegenden Probleme ist es nicht. Genau darauf käme es aber an: den Einstieg in eine Stabilisierungspolitik, die zurück zum makroökonomischen Gleichgewicht führt. Das setzt einen nachvollziehbaren Plan und das Vertrauen voraus, dass die Währungshüter in Ankara ihren Kurs auch durchziehen können, ohne die üblichen Störungen und Eingriffe aus dem Präsidentenpalast.

Die Anleger werden nur dann neues Vertrauen in die Lira und Papiere der türkischen Regierung fassen können, wenn ein klarer Kurs in der Wirtschaftspolitik gesteuert wird. Dies alles ist aber gerade nicht gegeben.

Bleibt der Zentralbank-Chef oder wird er gefeuert?

Es gibt keine nachvollziehbare Projektion für die nächsten Quartale, die den angenommenen Verlauf der Wirtschaft mit Wachstums- und Inflationsraten abbildet und Auskunft gibt, welchem Pfad die Zinsen in diesem Zusammenhang folgen werden. Stattdessen ist unklar, ob Murat Uysal am Montag noch Chef der Notenbank ist oder wie sein Vorgänger Murat Çetinkaya von Präsident Erdogan nach einer unerwünschten Zinserhöhung gefeuert wird.


Fazit: Solange das Grundübel der Lira im Präsidentenpalast hockt, kann keine einzelne heroische Entscheidung, keine Notoperation, die Lira dauerhaft stabilisieren. Dazu braucht es einen Politikwechsel und der findet nicht statt. Daher sehen wir auch vorerst nicht mehr als reine Zockerchancen bei der Anlage in türkischen Lira-Papieren.

Empfehlung: Langfristig orientierte Anleger halten sich von der Türkischen Lira fern.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Chinas Tor zur Welt ist geschlossen

Der Lockdown wirft Hongkong weit zurück

Der Lockdown wirft Hongkong weit zurück. Copyright: Pexels
Seit 1997 ist Hongkong kein britisches Protektorat mehr, sondern gehört wieder zu China. Peking hält sich aber nicht an die Vereinbarungen, dem "verwestlichten" Hongkong die versprochenen Freiheiten zu lassen. Das hat den Finanzplatz bereits empfindlich getroffen. Nun stellt sich ein neues Problem als noch größeres heraus.
  • Fuchs plus
  • Starkes Entrée und bereitwillige Auskünfte

Donner & Reuschel: Vorbereitung ist alles

Donner & Reuschel: Vorbereitung ist alles. Copyright: Verlag Fuchsbriefe
Bei Donner & Reuschel erlebt der Stiftungskunde viel Licht – und leider auch Schatten. Während der Anlagevorschlag weitestgehend ein Genuss ist, werden an anderer Stelle wertvolle Punkte durch schlechte Vorbereitung liegen gelassen.
  • Fuchs plus
  • Transporte nach China

Bahn und Kombi-Verkehr als Alternative zu Schiffen

Bahn und Kombi-Verkehr als Alternative zu Schiffen. Copyright: Pexels
Nach dem starken Anstieg der Frachtpreise für Containerschiffe aus China sind der Bahn- und der Kombi-Verkehr sinnvolle Alternativen. Denn die Preise für Schiffsfracht werden wohl noch länger hoch bleiben. Auf der Strecke gibt es nur wenige Anbieter.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Gute Nachrichten für Nippons Exporteure

Fed belastet den Yen

Fed belastet den Yen. Copyright: Pixabay
Die Fed-Ankündigung hat den Yen am Mittwoch gehörig unter Druck gebracht. Ist das Währungspaar nun ausgereizt oder "kommt da noch was?" Zu einer anderen Währung hat der Yen hingegen Rückenwind.
  • Non-fungible Token revolutionieren den Kunstmarkt

Spotify wird vom Riesen zum Streaming-Giganten

Spotify wird Streaming-Gigant. Copyright: Pixabay
Streaming hat vor 15 Jahren den Niedergang der Musik Industrie gestoppt, jetzt kann Musik wie auch andere digitale Kunst per NFT digital direkt vom Künstler erworben und auch offline gehört werden. Mit seiner Reichweite ist Spotify der ideale Marktplatz für die exklusive Hörerlebnisse, Teilnahme an Online-Konzerten und den Erwerb von Musik per NFT.
Zum Seitenanfang