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Viel Unsicherheit beim Yen

Nur ein Zwischenhoch beim Dollar

Beim Yen scheiden sich die Geister. Copyright: Pixabay
Das langsame Impfgeschehen hält den europäischen Konjunkturzug im Bahnhof fest. Das schlägt auf die kurz- und mittelfristigen Erwartungen in den Währungsvorausschauen für Euro-Dollar durch. Ab Sommer sollen sich die Trends wieder einrenken.

Dollar auf 3-Monats-Sicht stark, danach schwächer werdend. Das ist die einhellige Bankenmeinung. Der Greenback hat einen Boost erhalten: durch die deutlich schnelleren Impferfolge in den USA insbesondere gegenüber Europa. Und durch das erneute 1,9 Billionen-Dollar-Konjunktur-Paket. Die Commerzbank erwartet auf kürzere Sicht sogar EUR-USD-Notierungen unter 1,20.

In den Prognosezahlen zeigen sich freilich wenig Veränderungen. Die Volkswirte bleiben abwartend.

Dollar langfristig schwächer

Pictet glauben nicht, dass weitere fiskalische Anreize den längerfristigen Abwärtstrend des US-Dollars umkehren werden. „Schließlich bleiben die großen Zwillingsdefizite der USA und die fundamentale Überbewertung des Dollars negative langfristige Faktoren für diese Währung.“

Pictet sind damit auf einer Linie mit der Co-Bank. Auch sie erwartet, dass auf mittlere bis lange Sicht die US Dollar-positiven Wirkungen der Fiskalpolitik verpuffen werden. Es blieben die alten Argumente gegen den Dollar (Bewertung und US-Geldpolitik), und es kämen neue hinzu: US Leistungsbilanz-und Haushaltsdefizit. Für Ende 2021 erwartet die Commerzbank somit EUR-USD-Kurse um 1,23, für Ende 2022 um 1,28.

Wiedererweckung der Dollar-Bären

Auch die Citibank stimmt dem zu: „Es gibt eine Vielzahl Gründe, warum der US-Dollar nicht in der Lage ist, sein Niveau zu halten“, heißt es da. Die kanadische CIBC bläst ins selbe Horn: „Die USD-Abwertung wird wieder aufgenommen, wenn die Erholung der Weltwirtschaft an Dynamik gewinnt.“ Und die Kanadier legen nach: Was die USD-Bären wieder erwecken könnte, ist der Zufluss von Liquidität, der mit dem Hilfspaket erwartet wird. Dies sollte die Reservesalden in der Bilanz der Fed erhöhen und die kurzfristigen Zinssätze senken.

Aus früheren Erfahrungen wisse man, „dass dies den USD gegenüber anderen Währungen erheblich belasten kann“. Weitere langfristige Gegenströmungen für den USD sieht die CIBC im durchschnittlichen Inflationsrahmen der Fed, der Diversifizierung der Auslandsströme weg vom USD und die bevorstehenden Gespräche über digitale Steuern. Erst im 2. Halbjahr 2022 werde es wieder besser für den Dollar, wenn die Märkte vorwegnehmen würden, dass die Fed im Jahr 2023 mit einer Straffung beginnen wird.

Euro: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Für den Euro lässt sich zusammenfassen: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Kommt das langsame Europa bei den Impfungen erst mal richtig in die Puschen, dann werde es schon kräftig aufwärts gehen mit der Konjunktur – und somit für die Einheitswährung.

Unsicherheit bei den Yen-Prognosen

Bei den Aussagen zum Yen spürt man die Unsicherheit der Analysten. Der jüngste Anstieg der langfristigen Nominalzinsen weltweit habe den niedrig verzinslichen japanischen Yen belastet, analysiert Pictet. Dass die Fed die langfristigen Nominalzinsen wahrscheinlich unter Kontrolle halten wird, könnte jedoch das Abwärtspotenzial des Yen begrenzen. Darüber hinaus könnte ein starker Anstieg der Renditen den defensiven Yen stützen, indem er den globalen Risikoappetit beeinträchtigt.

Etwas anders argumentiert die Commerzbank: Die für den 18./19. März angekündigte Überprüfung der Geldpolitik dürfte den Anfang eines graduellen Wechsels zu einer "post-expansiven" Geldpolitik markieren. Das sollte mittel- bis langfristig zu Yen-Stärke führen. Läuft alles nach Plan der japanischen Währungshüter, falle diese Yen-Stärke allerdings nur moderat aus. Tja, wenn das Wörtchen Wenn nicht wär‘ …

LBBW sieht den Yen am schwächsten

CIBC verweist wiederum auf die verfehlten Inflationsziele der BoJ. Möglicherweise werde die Notenbank daher erwägen, „den Markt daran zu erinnern, dass sie die Zinssätze bei Bedarf weiter in den negativen Bereich bringen könnten.“ Man sieht allerdings, dass das den ohnehin angeschlagenen japanischen Banken zusätzliche Probleme bereiten könnte. Die Renditeaufschläge für USD fielen allerdings „relativ bescheiden“ aus, was die Nettoabflüsse von JPY begrenze. Dies deute darauf hin, dass die Aufrechterhaltung des USD|JPY kurzfristig auf einen Bereich von 102 bis 107 beschränkt bleibt – wenn auch mit einer Abwärtsneigung.

Den schwächsten Wehselkursausblick für den Yen gibt freilich die LBBW: Sie erwartet Dollar-Yen auf 3 Monate jetzt bei 106 und auf 12 Monate bei 115. Zum Euro sieht sie Kurse bei 128 in drei und 132 in 12 Monaten.

1,75% Dollarzins in einem Jahr?

Im Zinsbereich führt Berenberg weiter den Prognosezug an. Die Bank erwartet 1,75% bei den US-Treasuries in einem Jahr. Freilich „beobachten auch wir interessiert die steigenden Zinsen“, so Berenberg. Die Bank aus Hamburg bewertet den Anstieg von extrem niedrigen auf auch jetzt noch niedrige Niveaus „als ein Stück weit Normalisierung der Zinsverhältnisse“. Die Verwerfungen der Corona-Krise würden am Anleihemarkt wieder ausgepreist. Die Zentralbanken würden ihren generellen Kurs vorerst nicht ändern. Etwas anders die Commerzbank: Sie erwartet 1,50% auf drei Monate und dann wieder einen Zinsrückgang bis auf 1,35% in einem Jahr.

Fazit: Wait and see, ist die Strategie der Strategen. Gespannt darf man sein, ob ihnen Euro und Dollar „gehorchen“. Dann haben wir in einem Jahr einen EUR-Dollar-Kurs von knapp unter 1,30.

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