Ölpreis zieht Rohstoffwährungen hoch
Die Entwarnung beim Ölpreis war verfrüht. Mit den Waffenstillstandsverhandlungen zwischen den USA und dem Iran begann der Ölpreis Ende Mai zu fallen und purzelte rasch unter die Marke von 100 US-Dollar für ein Barrel der Nordseesorte Brent. Im Juni ging es weiter bis auf 71,57 Dollar am 1. Juli bergab. Damit schien das Schlimmste überwunden. Mit den Ölpreisen fielen auch das Inflationsrisiko und das Zinserhöhungsrisiko. Eine Konjunkturerholung schien nur eine Frage der Zeit.
US-Präsident Donald Trump hat mit seiner Wiederaufnahme des Luftkrieges gegen den Iran dieses schöne Szenario zerbombt. Zwischen dem 6. Juli und gestern Nachmittag schoss der Ölpreis von 71,99 auf 85,50 Dollar in die Höhe. Damit ist er zwar immer noch entfernt von seinem Frühjahrshoch bei 118,35 Dollar. Aber das Plus beläuft sich bereits auf 19%.
Keine Leitzinserhöhung im Juli
Die Finanzmarkt-Ampel ist gewissermaßen von Grün auf Gelb umgesprungen. Noch ist der Druck vom Ölpreis her nicht so stark, dass die EZB in ihrer Sitzung am Donnerstag kommender Woche einen erneuten Zinsschritt um 25 Basispunkte nach oben auf dann 2,25% wagen wird. Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat sich erst am Mittwoch gegen einen solchen Schritt ausgesprochen. Der Leitzins befinde sich auf einem „angemessenen“ Niveau. „Es bleibt aus geldpolitischer Sicht angeraten, mit Vorsicht zu reagieren, falls jedoch notwendig, entschieden zu agieren“, sagte Nagel.
Auch wenn in der kommenden Woche noch die ruhige Hand regiert: Eine Fortsetzung der Leitzinserhöhungen im Laufe des Jahres wird im aktuellen Umfeld sogar wieder wahrscheinlicher. Ein oder möglicherweise sogar zwei Zinsschritte à 25 Basispunkte bis zum Jahresende sind wieder denkbar.
CAD und NOK legen gegenüber Euro zu
Die Devisenmärkte reagieren schnell auf den steigenden Ölpreis. Die klassischen Rohstoffwährungen Kanadischer Dollar und Norwegische Krone legten zwischen dem 6. Juli und Donnerstagnachmittag zu. Der Euro fiel um jeweils 1,3% auf 1,6048 CAD und auf 11,0558 NOK. Da der Euro zuvor gegenüber beiden Währungen aufgewertet hat, handelt es sich um eine Trendwende. Dagegen veränderte sich der EUR/USD-Kurs kaum. Allerdings dürfte der Euro gegenüber dem USD noch von der Leizinserhöhung im Juni auf 2,25% profitieren.