Potenzial und Risiken der Rupie im Fokus
Auch wenn derzeit Geld aus asiatischen Finanzmärkten abfließt, halten wir die Indische Rupie mittelfristig für aussichtsreich. Denn das Land ist jung und wir gehen davon aus, dass sich die Wirtschaft mittelfristig gut entwickeln wird.
Aktuell ist das Bild allerdings gemischt. Der Konflikt am Persischen Golf treibt die Energiepreise und die Importe nach oben. Im April stiegen diese um 10% auf eine Jahresrate von 71,9 Mrd. USD. Die Exporte legten ebenfalls kräftig zu. Im April kletterten sie um 13,8% auf 41,6 Mrd. USD. Das Defizit belastet aktuell tendenziell die Rupie.
Reserven geben Puffer
Die Währungsreserven in Höhe von 700 Mrd. USD geben der Regierung aber finanziellen Spielraum. Die gesamtstaatliche Verschuldung (inkl. Sozialversicherung und den Verpflichtungen der öffentlichen Kassen) wird für dieses Jahr mit 83,4% erwartet. Das ist noch solide. Insofern erscheinen uns die aktuellen Kursverluste der Devise überzogen und geben mittel- bis langfristig orientierten Investoren einen Abschlag, der sich später als Gewinn vereinnahmen lasse dürfte.
Denn das Wirtschaftswachstum ist intakt, wenn auch für dieses Jahr etwas schwächer. Das BIP verbesserte sich im Fiskaljahr 2025/2026 real um 7,6%. Im laufenden Jahr wird noch immer ein ein BIP-Plus von 6,6% erwartet. Akute Belastungsfaktoren sind der Nahostkrieg und die resultierenden höheren Preise für Öl, Gas und Kohle. Löst sich der Konflikt, dürften diese Belastungen aber auch schnell wieder abgebaut werden.
Preise steigen, Notenbank vorsichtig
Die Folgen des Iran-Krieges zeigen sich auf der Preis-Seite. Die Inflation legte im April um 3,48% zu. Sie markiert damit den höchsten Anstieg seit einem Jahr. Ein Problem: Der Korb für die Berechnung der Verbraucherpreise wurde auf Basis einer Umfrage vor zwei Jahren neu strukturiert. Danach erhalten Güter außerhalb der Lebensmittel ein höheres Gewicht und Vergleiche mit der Vergangenheit gestalten sich schwieriger.
In der vergangenen Woche hielt die Notenbank das dritte Mal in Folge den Leitzins bei 5,25% und erfüllte die Markterwartungen. Der anziehende Inflationsdruck lässt die Währungshüterin einen Anstieg der Teuerung auf 5,1% erwarten und damit deutlich mehr als die erwarteten 4,6%. Gut möglich also, dass die Währungshüter in den nächsten Monaten einen Zinsschritt gehen werden.