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Zins- und Währungsprognosen für Juni 2020

Rückenwind für den Euro

Der Euro gewinnt zum Dollar an Stärke, erwarten die von uns befragten Finanzhäuser. Copyright: Picture Alliance
Das Wiederaufbaupaket der EU ist auch an den Devisenmärkten in aller Munde. Allerdings ist es noch nicht in die Vorhersagen eingepreist. Die Richtung, die es den Wechselkursen gibt, wird aber einhellig beurteilt.

Bei der Euro-Dollar-Perspektive rückt das Feld der Prognostiker – zumindest auf Sicht von 3 Monaten – enger zusammen. Die Vorhersagen liegen jetzt nur noch 4 Eurocent auseinander. Im Vormonat waren es noch 8. HSBC und Pictet Wealth Management sehen EUR|USD jetzt noch bei 1,08 per Ende August. Die Commerzbank hat bereits mehr Eurostärke eingepreist und sieht diesen dann bei 1,12 zum Dollar.

Auch beim 3-Monatszins im Dollar hat sich die Prognosespanne erkennbar verringert. Zuletzt taxte Berenberg den 3-Monatszins auf Quartalssicht noch auf 0,10. In diesem Monat sehen ihn die Volkswirte der Hamburger Bank bei 0,30. Am anderen Ende der Skala hat die Commerzbank die Prognose von 0,85 auf 0,75 zurückgenommen.

Wiederaufbaupaket noch nicht eingepreist

Auf 12 Monate hat sich dagegen fast nichts getan in den Prognosetableaus. Die Anpassungen sind marginal und haben keine generelle Neubewertung der Lage als Basis. Allerdings fehlt bei allen die Berücksichtigung des gerade geschnürten „Wiederaufbaupakets“ der EU, das den Euro über Nacht kräftig angeschoben hat.

Berenberg erwartete gegenüber FUCHS-DEVISEN bereits, dass „die Diskussionen um den „Wiederaufbaufonds“ den Euro-Wechselkurs bewegen könnten. Eine Einigung auf ein Konstrukt, das dem Vorschlag von Deutschland und Frankreich nahe kommt, würde dem Euro Rückenwind geben – zumindest auf kurze Sicht, heißt es aus dem Hause. Auch Pictet Wealth Management sieht den Wiederaufbaufonds als „Stützfaktor für die Einheitswährung“. Denn er besänftige die Sorgen der Märkte über die Schuldentragfähigkeit einiger vom Coronavirus hart getroffener EU-Länder, selbst wenn er am Ende „etwas verwässert“ werden sollte.

Brexit ohne Abkommen würde Euro wieder schwächen

Andererseits gibt die Schweizer Bank zu bedenken, dass die Märkte wohl erneut das Risiko eines Brexit ohne Abkommen (diesmal zum Jahresende) einpreisen müssten. Das könnte den Euro belasten. Auch zum Yen gibt es eine klare Meinung: Er sei nach wie vor attraktiv weil „erheblich unterbewertet“. Aber: „Falls sich unser Szenario einer langsamen weltweiten Konjunkturerholung bewahrheitet, dürfte der Einsatz des Yen als Finanzierungswährung zurückgehen.“

Die Commerzbank verweist darauf, dass der Dollar selbst durch die „Whatever-it-takes“-Politik der Fed geschwächt werde. Die Fed hat Käufe von US-Staatsanleihen und hypothekengedeckten Anleihe in jeder nötigen Höhe angekündigt.

Staatszins statt Marktzins

Die kanadische CIBC ebenso wie das Wealth Management der Citibank Hongkong erwarten hingegen, dass der Greenback im Laufe dieses Jahres langsam wieder an Kraft gewinnt.

Da die Konjunkturdaten der großen Wirtschaftsmächte überall katastrophal sind, spielen diese für die Wechselkursprognosen derzeit keine vorrangige Rolle. Auch das Risiko, dass sich die Bundesbank aus dem EZB-Anleihenkaufprogramm zurückziehen muss, ist für die Prognosen vordergründig unerheblich und wird nur „im Hinterkopf“ mitgeführt. Die Spreizung der Swap-Sätze geht durch die massiven Interventionen der Notenbanken jedenfalls weiter zurück. In den längeren Laufzeiten würden die institutionellen Investoren durch die Notenbanken zunehmend verdrängt, vermerkt die Commerzbank. Dadurch wird der langfristige Zins immer mehr zu einem „Staatszins“ (statt Marktzins).

  

Fazit: Wir erwarten aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen beim Euro im Laufe des Monats deutlichere Anpassungen in den Prognosetabellen zugunsten der Gemeinschaftswährung.

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