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Währungen aus der Region Naher Osten und Afrika

Schlechte Politik gegen gute Konjunktur

In unserem Devisen-Wochenschwerpunkt blicken wir auf die Entwicklungen in der Türkei, Israel, Ägypten, Nigeria und Südafrika.

Hindernis Erdogan

Die wirtschaftliche Verfassung der Türkei liegt im Rahmen des Erwarteten. Das Wachstum ist mit zuletzt 3,8% (Jahresrate per 2. Quartal) über dem Trend (3%). Es befindet sich damit im Rahmen der neuesten Projektion der Zentralbank. Diese spricht von einer positiven Output-Lücke (erzieltes BIP > Potenzial) und will eine straffe Geldpolitik dagegensetzen, um die Inflation (zuletzt 7,6%) im Zaum zu halten. Auch gilt es, die außenwirtschaftliche Flanke und die Lira abzusichern. Das Defizit der Handelsbilanz ist zurückgegangen. Die Importe fallen schneller (-14,2% in den ersten 3 Quartalen im Vorjahresvergleich) als die Exporte (-9,4%). Die Türkei wickelt mit der EU über 50% des Außenhandels ab. Dabei bilden die Zwischenprodukte den Schwerpunkt.  

Den positiven wirtschaftlichen Trends steht die Politik im Weg. Denn das Machtkalkül von Präsident Erdogan ist aufgegangen: Er hat Konflikte geschürt – sowohl mit den Kurden als auch mit der säkularen Opposition –, um sich als Garant der Stabilität präsentieren zu können. Indes reicht seine Mehrheit zwar zur Regierungsbildung aus, aber nicht für seine Pläne einer Verfassungsänderung. Fraglich, ob er dieses Ergebnis akzeptiert. Wahrscheinlicher ist, dass zunächst die Opposition und die unabhängigen Medien weiter eingeschüchtert werden. Erdogan opfert die wirtschaftlichen Chancen seiner Machtsicherung. Die Erholung der Lira nach der Wahl dürfte sich bald verflüchtigen.

Fazit: Die Aussichten der nächsten Monate bleiben positiv. Auf längere Sicht wird aber Erdogans Politik Währung und Finanzmärkte belasten.

Hoffnung auf schnelle Beruhigung

Die Unruhen in Jerusalem könnten die optimistischen Projektionen des IWF infrage stellen. Diese sehen ein steigendes Wachstum von derzeit 2,5% auf bis zu 3,3% bis 2020 vor. Durch die Unruhen werden den Unternehmen Arbeitskräfte entzogen, weil die Armee auf Reservisten angewiesen ist. Arabische Kräfte werden durch Sperren blockiert. Die damit sinkenden Einkommen schlagen sich beim privaten Konsum nieder. Zudem schrumpft der Tourismus. Die Währungshüter wiesen daher jüngst darauf hin, dass die Fortsetzung der aktuellen Trends ein schnelles Ende der Auseinandersetzungen voraussetzt. Die wachsende Beschäftigung induziert weitere Nachfrage. Die Inflation liegt mit zuletzt roten Zahlen (-0,4% im Monatsvergleich) unter der Zielvorgabe (1%-3%). Die Leitzinsen bleiben daher auf absehbare Zeit niedrig. Aktuell betragen sie 0,1%. Schwächen sind beim Export zu erkennen. Er war nach einer kurzen Erholung im ersten Halbjahr erneut rückläufig.

Fazit: Der Schekel dürfte in den nächsten Monaten seine starke Bewertung um 4,20 zum Euro halten.

Drohende Finanzkrise?

Die ägyptische Wirtschaft lief zuletzt vor allem Dank der kräftigen Binnennachfrage gut. Nun ist dieses Bild bedroht. Der Regierung des Generals as- Sisi kommen die Finanziers abhanden. Sie haben bislang die Defizite zum Ausland gedeckt. Und sie sind wichtiger denn je, seit der Tourismus zurückgeht. Die Monarchen der arabischen Halbinsel hatten ihre Zustimmung zu as-Sisis Militärputsch durch eine Finanzspritze von 12 Mrd. Dollar ausgedrückt. Mittlerweile leiden sie selbst unter dem niedrigen Ölpreis. Ägypten kann seine Defizite nicht aus eigener Kraft decken. Unterdessen sind die Währungsreserven an der vom IWF definierten Untergrenze. Sie reichen noch für drei Monate Import. Ohne frisches Geld lässt sich der ausschließlich von der Binnennachfrage getriebene Wachstumskurs nicht durchhalten. Die optimistischen Prognosen etwa des IWF mit über 4% Wachstum für 2015/16 stehen auf dünnem Eis.

Fazit: Das ägyptische Pfund wird unter Druck geraten.

Gelockert

Die Währungshüter der CBN haben kürzlich die Leitzinsen bei 13% stehen gelassen. Den Reservesatz nahmen sie aber von 31% auf 29% der Einlagen zurück. Damit haben sie erhebliche Liquidität freigesetzt. Sie reagieren so auf die Verlangsamung des Wachstums (von 6,35% im letzten Quartal 2014 auf 2,35% im 2. Quartal). Dazu kommen negative Signale wie der Fall des Einkaufsmanager-Index unter die Expansionsschwelle von 50 Punkten. Das deutet auf einen Abfall des Wachstumstempos hin. Dahinter steht der Einbruch der Ölpreise. Dieser Impuls strahlt in den Nicht-Öl-Sektor aus. Das stellt die optimistischen Prognosen – der IWF erwartet 4% und 4,3% für 2015/16 – infrage. Unterdessen bleibt die Inflation mit 9%-10% hoch. Das macht es schwierig, die Dollar-Parität des Naira zu fixieren.

Fazit: Der Naira könnte schwach werden. Die Erwartung auf Zinssenkungen kommt hinzu.

Weiter abwärts

Nach dem Minus des 2. Quartals dürfte Südafrika auch das 3. mit roten Zahlen abschließen. Der Einkaufsmanager-Index steht unter der Expansionsschwelle bei 50 Punkten. Zuletzt fiel er per September von 47,9 auf 47,5 Punkte. Schwach sind vor allem die Auftragskomponenten, aber auch die Beschäftigung. Die Krise hat den gewerblich-industriellen Sektor erfasst. Dort schrumpfen Produktion und Belegschaften ebenso wie im Bergbau.

Fazit: Der Rand wird weiter nachgeben.  

6-Monats-Übersicht zu ausgewählten Währungen aus Nahost und Afrika

LandWährung/ZinsAktueller KursAusblick 3 MonateAusblick 6 MonatePrognose-sicherheit
TürkeiTRL3,1273,143,19neutral
3m-Zins10,991111,5
IsraelILS4,2264,2154,20neutral
3m-Zins0,080,10,1
ÄgyptenEGP8,738,759,05unsicher
3m-Zins9,3--
Nigeria
NGN215,30222228unsicher
3m-Zins131313
SüdafrikaZAR15,1515,3015,50neutral
3m-Zins6,326,56,5
  • TRL: Das türkische Pfund dürfte trotz guter Daten aus politischen Gründen unter Druck kommen.

  • ILS: Der Schekel wird eher zulegen, sofern sich nicht die Sicherheitslage deutlich verschlechtert.

  • EGP: Das ägyptische Pfund wird durch die schwache außenwirtschaftliche Flanke unter Druck kommen.

  • NGN: Der Naira ist sowohl durch die schwachen Ölpreise als auch die hohe Inflation unter Druck.

  • ZAR: Der Rand leidet unter der schwachen Wirtschaft und dem Unvermögen der Regierung.

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