Schulden: Deutschlands Top-Rating unter Druck
Die Kehrseite der Schulden-Medaille wird auf den Finanzmärkten sichtbar. Die Ratingagentur Fitch äußert Zweifel am deutschen Top-Rating. Anleger werden die Systemrisiken wieder in den Fokus nehmen müssen.
Jetzt wird auf den Finanzmärkten die Kehrseite der Schulden-Medaille immer klarer sichtbar. Die Ratingagentur Fitch hat schon zu Wochenbeginn gegenüber FUCHSBRIEFE erste Zweifel am Top-Rating Deutschlands geäußert. Denn das Schuldenwachstum ist hoch, die wirtschaftliche Dynamik gering und die Demografie spricht nicht für hohes Wachstum. Das ist eine dauerhaft schwierige Konstellation. Parallel dazu rückt auch Frankreich in den Fokus. Dort schwelt schon länger als in Deutschland ein gravierendes Haushaltsproblem unter der Oberfläche, das nun wieder stärker in den Vordergrund rückt.
Strukturelle Renditetreiber
Die Anleihemärkte reagieren zunehmend sensibel auf diese Entwicklung. Hintergrund: Es gibt sich selbst verstärkende Faktoren, die eine hohe negative Dynamik entfalten können. Ein Renditeanstieg allein ist oft noch kein größeres Problem - zumal wir aus einer Phase extrem niedriger Renditen kommen. Je weiter die Renditen steigen und je länger die Phase des Zinsanstiegs ist, desto stärker wirkt sich das allerdings auf die Staatshaushalte aus.
Die globale Schuldendynamik schafft zudem eine neue Konkurrenz ums Anlagekapital. Die Folge: Die Renditen könnten sogar dann weiter steigen, wenn sich globale Risiken wieder reduzieren. Das ist umso wahrscheinlicher, da die Notenbanken keine weiteren Staatsanleihen kaufen, ihre Bestände zumindest theoretisch irgendwann auch wieder abbauen müssen.
Fazit: Geopolitische Risiken treiben die Renditen kurzfristig. Strategisch wichtiger wird für Anleger, dass die global steigende Verschuldung insbesondere der Industriestaaten die Renditen strukturell erhöhen wird. Die Frage der Schuldentragfähigkeit und damit der Systemstabilität muss auf dem Anlegerradar bleiben.