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Warum die globale Kreditvergabe ungleicher wird

Schwellenländer im Kreditstau – der Dollar wird knapper

Die globale Kreditvergabe wächst weiter, doch viele Schwellenländer geraten ins Hintertreffen. Während entwickelte Volkswirtschaften von Kapitalzuflüssen profitieren, leiden Schwellenländer unter den Folgen der restriktiven Geldpolitik der Fed und EZB. Der Druck auf ihre Währungen steigt, denn der Zugang zu US-Dollar- und Euro-Krediten wird knapper. Welche Folgen hat das für die Emerging Markets?

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) meldet für das dritte Quartal 2024 ein weiteres Wachstum der grenzüberschreitenden Bankkredite. Die globalen Bankforderungen stiegen um 629 Milliarden US-Dollar (+3,4 % YoY) auf insgesamt 41 Billionen US-Dollar. Doch nicht alle Länder profitieren gleichermaßen.

Während Banken ihre Kreditvergabe an entwickelte Volkswirtschaften um 613 Milliarden US-Dollar ausweiteten, fiel der Zuwachs für Schwellenländer mit 35 Milliarden US-Dollar (+3,8 % YoY) vergleichsweise bescheiden aus. Besonders betroffen sind Länder mit hoher Abhängigkeit von US-Dollar- und Euro-Krediten, denn der Zugang zu diesen Währungen wird zunehmend erschwert.

US-Dollar-Kredite an Schwellenländer stagnieren

Laut BIS-Statistik wuchsen Dollar-Kredite an Schwellenländer im dritten Quartal 2024 nur um 5 Milliarden US-Dollar (+0,6 % YoY) – eine minimale Zunahme, die deutliche Warnsignale sendet. Vor allem der Rückgang in China um 28 Milliarden US-Dollar trug zu dieser Schwäche bei, doch auch andere Länder spüren die Auswirkungen der restriktiven US-Geldpolitik.

Die Verknappung von Dollar-Krediten hat unmittelbare Folgen für viele Schwellenländer. Währungen wie der brasilianische Real, der südafrikanische Rand oder die türkische Lira könnten weiter unter Druck geraten, da sich Investoren zunehmend aus diesen Märkten zurückziehen. Eine stabile Dollar-Finanzierung ist für viele Schwellenländer essenziell, um Importkosten, Staatsverschuldung und Unternehmensfinanzierung in harter Währung zu stemmen.

Euro-Kredite wachsen langsamer, aber stabiler

Im Gegensatz zu US-Dollar-Krediten zeigt sich der Euro-Markt etwas robuster. Die Kreditvergabe in Euro an Schwellenländer wuchs um 12 Milliarden Euro, insbesondere durch höhere Finanzierungen in Afrika, dem Nahen Osten und Schwellenländern Europas. Dies deutet darauf hin, dass der Euro für einige Märkte eine stabilere Finanzierungsquelle bleibt, während der US-Dollar als dominierende Währung im internationalen Kreditgeschäft an Zugänglichkeit verliert.

Für Länder in Osteuropa ist dies eine zweischneidige Entwicklung: Einerseits profitieren sie von weiterhin wachsenden Euro-Kreditlinien, andererseits bleibt die Abhängigkeit vom US-Dollar hoch – insbesondere für Energieimporte und Staatsfinanzierung.

Langfristige Währungsrisiken steigen

Die BIS-Analyse zeigt deutlich, dass sich die Kreditvergabe in US-Dollar und Euro an Schwellenländer bereits seit den Zinserhöhungen der Fed und EZB im Jahr 2022 abschwächt. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt in Asien, wo US-Dollar-Kredite seit Anfang 2022 um 400 Milliarden US-Dollar gesunken sind (-15 %).

Langfristig bedeutet dies höhere Währungsrisiken für viele Schwellenländer. Wenn Unternehmen und Regierungen weniger Zugang zu Dollar- oder Euro-Finanzierungen haben, steigt das Risiko von Währungsabwertungen und Finanzkrisen. In der Vergangenheit haben Kapitalabflüsse dieser Art bereits zu Schuldenkrisen geführt, insbesondere wenn Staaten hohe Fremdwährungsverbindlichkeiten nicht refinanzieren konnten.

Afrika und Naher Osten stabil – Lateinamerika gespalten

Während sich die Kreditvergabe an Asien abschwächt, profitieren Afrika und der Nahe Osten von stabilen Kapitalzuflüssen in US-Dollar und Euro. Diese Märkte haben über die letzten Jahre konstante Zuflüsse erhalten und könnten langfristig von der globalen Kapitalumverteilung profitieren.

Lateinamerika zeigt hingegen ein differenziertes Bild:

  • US-Dollar-Kredite wachsen langsam, aber stetig, was darauf hindeutet, dass Investoren hier langfristige Stabilität erwarten.
  • Euro-Kredite stagnieren, was auf geringeres Interesse europäischer Investoren hindeutet.

Sollte sich der Dollar-Trend fortsetzen und der Kreditfluss weiter versiegen, könnten besonders länderspezifische Risiken verstärkt werden. Argentinien etwa bleibt stark abhängig von externen Kreditlinien, während Brasilien und Mexiko eine robustere Finanzierungsbasis haben.

Fazit: Während entwickelte Märkte von massiven Kapitalzuflüssen profitieren, stehen Schwellenländer unter Druck – insbesondere China. Die Zinspolitik der Zentralbanken verändert die Kapitalströme, sodass alternative Finanzierungsquellen wie Yen-Kredite an Bedeutung gewinnen. Ein Trend, der die globalen Finanzmärkte langfristig prägen könnte. Für Schwellenländer steigt die Gefahr von Finanzkrisen.
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