Sprengstoff für das Pfund
Sollte es 2017 zum Brexit kommen, steht den Briten ein Abwertungsschock bevor. Denn Großbritannien kämpft neben seinem hohen Haushaltsdefizit von 5% mit einem ebenso gravierenden Defizit in der Leistungsbilanz (siehe Grafik). Trotz des steigenden Beitrags der Dienstleistungen zur Handelsbilanz ist der Saldo der laufenden Posten (Leistungsbilanz) seit Ende der 90er Jahre immer tiefer ins Minus gerutscht. Darauf haben wir schon mehrfach in unseren FUCHS-Devisen hingewiesen. Inzwischen schultern die Briten das zweithöchste Defizit weltweit – nach den US-Amerikanern. Schwache Außenhandelszahlen lassen erwarten, dass es im 3. Quartal des Jahres erneut zugenommen hat. Die UK-Auslandsschulden wachsen seit Jahrzehnten deutlich schneller als das BIP. Diese Tatsache hat aus Großbritannien schon vor längerer Zeit einen Netto-Schuldner gemacht. Großbritannien finanziert sein Defizit durch den Verkauf von Inlandsvermögen wie Fabriken an das Ausland – und durch immer neue Schulden. Deutschland ist insgesamt mit 10% an der britischen Auslandsschuld beteiligt. Allerdings ist diese – anders als etwa in vielen Schwellenländern mit hohem Auslandsgeldzufluss – wesentlich langfristig finanziert.
Schwacher Außenhandel und wachsende Schulden in UK | Quelle: Datastream
Die Schulden der Briten halten hauptsächlich die Europäer. Da liegt das Problem für die Briten. Ohne die steil angewachsenen Beiträge der Finanzindustrie wäre aus dem Niedergang der Außenposition ein Absturz geworden. UK wäre schon vor Griechenland in die aus den 70er Jahren bekannte Zahlungsbilanzkrise geraten. Sollte das EU-Referendum pro Austritt ausfallen und der Finanzplatz London für die EU zu einem Drittland mit höheren Anforderungen für die dort ansässigen Finanzdienstleister werden, käme es zu einem Exodus der Banken mit Sitz in der City. Ein Vertrauensverlust wäre programmiert. Zusammen wird aus dieser Mixtur Sprengstoff für das Pfund. Wenn das britische Defizit weiterhin ansteigt und auf einen schlagartigen Vertrauensverlust trifft, lässt sich der Ausgleich nur über die Währung schaffen. Das Pfund müsste kräftig abwerten. Die Inflation würde schlagartig steigen, die Briten einen deutlichen Wohlstandsverlust erleben.Fazit: Genau das sind die Gründe, warum wir glauben, dass die Briten am Ende doch noch die Kurve kriegen. Die Debatte dort wird diese Risiken noch aufrollen. Und wir setzen auf den Pragmatismus der Bürger auf der Insel. Die Briten spinnen nicht.