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Euro schwächelt nicht nur gegenüber dem US-Dollar

Stagflation voraus

Die EZB hat die Wahl: Entweder lässt sie die Inflation laufen oder würgt mit einer Zinsanhebung die Konjunktur weiter ab. Ein weiteres Problem dabei: Die voraussichtlich steigenden Zinsen helfen dem Euro wenig.

Die Zeichen in der Eurozone stehen auf Stagflation. Der hohe Ölpreis treibt die Inflation und drückt auf die Konjunktur. Dies bringt die EZB zunehmend in die Bredouille: Falls der Ölpreis längere Zeit hoch bleibt, müsste sie den Leitzins um 25 oder sogar 50 Basispunkte anheben.

Bislang hat die EZB stillgehalten, ebenso wie die übrigen wichtigen Zentralbanken. Allerdings könnte sich das rasch ändern, falls der Ölpreis weiter steigt. EZB-Chefin Christine Lagarde hat erst am Mittwoch noch einmal gewarnt, dass die hohen Ölpreise die EZB zum Handeln zwingen könne.

Goldman Sachs rechnet für Deutschland mit 3% Inflation

Die EZB rechnet für das laufende Jahr mit einer Inflation von 2,6%. Das liegt spürbar über der Zielmarke von 2%. Doch auch diese Zahl könnte noch zu optimistisch angesetzt sein, wenn die Analysten von Goldman Sachs recht behalten. Namentlich für Deutschland gehen die Experten im März von einer Inflationsrate von 3% aus, nach 2% im Februar. Für die gesamte Eurozone sind es 2,67%.

Euro fällt auch gegenüber Pfund und Yen

Die Aussicht auf steigende Zinsen sollte den Euro eigentlich stützen. Dies ist jedoch nicht der Fall. Seit dem US-Angriff auf den Iran hat der Euro gegenüber dem US-Dollar um 2,1% nachgegeben. Interessanterweise schwächelt der Euro auch gegenüber anderen Währungen. Die Gemeinschaftswährung verlor auch gegenüber Pfund und Yen (jeweils etwa 0,9%). Die Abschläge zu Schweizer Franken und Kanadischem Dollar fielen indes marginal aus.

Diese Entwicklung ist erstaunlich. Denn das rohstoffreiche Kanada sollte eigentlich von der aktuellen Krise profitieren; ebenso die Schweiz als klassischer „save haven“. Ebenfalls überraschend ist die relative Stärke des Yen. Schließlich hängt die japanische Volkswirtschaft im besonderen Maße von Ölimporten aus dem Persischen Golf ab.

Fazit: Die Euroschwäche dürfte uns noch einige Zeit erhalten bleiben. Dies hilft zwar der Exportwirtschaft, verteuert allerdings Importe und damit auch die Energierechnung, die zu einem Inflationstreiber wird. Absicherungsgeschäfte dürften daher sinnvoll sein. Außerdem sollten sich Unternehmer auf steigende Zinsen gefasst machen.
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