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Angelsachsen gegen Europäer

Stark gespreiztes Meinungsbild bei Euro-Dollar

Skyline von Frankfurt am Main, Blick auf das Bankenviertel. Copyright: Pixabay
Im Währungs"lager" nimmt die Spannung zu. Die Meinungen der Prognostiker dies- und jenseits des Atlantiks (bzw. Pazifiks) gehen immer deutlicher auseinander. Auf 12 Monate beträgt die Spreizung satte 14 US-Cent zum Euro. Interessant sind die Begründungen.

In den Prognosestuben der von uns beobachteten Banken herrscht überwiegend die Devise: abwarten und Tee trinken. Man hält größtenteils an den Szenarien fest, die mehrheitlich – zumindest im deutschsprachigen Raum – von einer Trendumkehr bei EUR|USD ausgehen, also von einem im Verhältnis zur US-Währung steigenden Euro. Beispielhaft die Aussage von Berenberg: „Wir denken, dass der Wechselkurs EUR/USD seinen Tiefpunkt gesehen hat. Auf mittlere Sicht dürfte der Euro zulegen, auch weil wir für das kommende Jahr eher „risk on“-Stimmung an den Finanzmärkten erwarten. Damit würde der US-Dollar einen Teil seiner aktuellen Attraktivität verlieren.“

Citi und CIBC sehen die Welt anders

Anders sieht es bei den angelsächsisch geprägten Vertretern Citi und CIBC aus. Sie glauben weiterhin an einen starken US-Dollar, und zwar auf Quartals- wie auf Jahressicht. Besonders ausgeprägt die Meinung der Citibank Hongkong. Sie sieht EUR|USD „in the long run“ auf 12 Monate plus bei 1,12. Citi sieht bereits Zweitrundeneffekte im Lohnsektor und weiteren Inflationsdruck in den USA.

Das beflügelt die Erwartung im Zinsbereich, während die EZB – insbesondere nach dem Abgang von Jens Weidmann – am laxen Kurs festhält und weiter die Staatshaushalte der Südstaaten mit billigem Geld subventionieren will. Mindestens bis Ende 2024, so die Erwartung der Märkte. Gleichzeitig, so Citi, würden die Energiepreise die Inflation im Euroraum antreiben und zu deutlichen Kaufkrafteinbußen der Verbraucher führen, die immerhin 10% ihrer Einkommen für den Gesamtenergieverbrauch aufwenden müssten. Das schwäche den Euro.

Eklatante Spreizung des Meinungsbildes

Das ergibt im Ergebnis eine deutliche Spreizung des Meinungsbilds. Das drückt sich einerseits im Mediankurs für EUR|USD auf 3 Monate von 1,18, auf Jahressicht von 1,19 aus bei einer Range der Prognosen von 1,15 (CIBC) bis 1,22 (Commerzbank). Auffällig ist aber die Spreizung auf Sicht von 12 Monaten: 1,12 bei der Citibank stehen 1,26 Kurserwartung der Commerzbank gegenüber.

Beim Yen hat vor allem Pictet Wealth Management seine Kurserwartung auf 3 Monate geändert. Die Bank sieht einen schwächeren Yen voraus, der ein Quartal weiter bei 114 zum Dollar und 135 zum Euro stehen wird. Daran werde sich dann auf Jahressicht nicht viel ändern. Begründung: Der Yen sei in letzter Zeit durch den starken Rückgang der japanischen Handelsbilanz (aufgrund hoher Energiekosten und Unterbrechungen bei den Autoexporten) stark benachteiligt worden. Der weltweite Anstieg der langfristigen Nominalzinsen habe auch den niedrig verzinslichen japanischen Yen belastet, insbesondere angesichts der Zinskurvenkontrolle der Bank of Japan. „Dennoch könnte unsere Einschätzung, dass die Fed die langfristigen Nominalzinsen wahrscheinlich eindämmen wird, das Abwärtspotenzial des Yen begrenzen.“

Zinsen: Commerzbank passt Erwartungen an

Im Zinsbereich hat nur die Commerzbank leichten Anpassungen vorgenommen. Und zwar in beide Richtungen. Sie sieht die zehnjährigen Bundesanleihen in 3 Monaten nun bei -0,30% (vorher -0,20%), die zehnjährigen US-Staatsanleihen bei 1,40 statt 1,50. Auf 12 Monate (per Dezember 2022) sieht die Bank die zehnjährigen US-Zinsen jetzt allerdings bei 1,60 (vorher 1,50). Das heißt: Sie erwartet eine leicht zunehmende Spreizung der (US-)Renditen.

Fazit: Durchgehend herrscht die Wette, dass sich die Inflation im Euroraum wieder beruhigen wird und die EZB an ihrem Kurs des leichten Gelds festhalten kann. Interessant wird zu beobachten sein, ob sich die Meinung des europäischen Lagers oder des angelsächsischen Lagers zu EUR|USD bewahrheitet.

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