Tschechien: Notenbank setzt Zinssignal
Die Krone aus Tschechien dürfte Rückenwind bekommen. Denn von ihrer jüngsten Sitzung sendete die Czech National Bank (CNB) ein klares Votum, auch gegen die Politik. Die Geldhüter erhöhten den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75%. Damit ließ die Notenbank die Niedrigzinsphase seit Mai 2025 hinter sich.
Die erste Zinsanhebung seit 2022 war im Umfeld anziehender Inflationsrisiken und einer steigenden Geldversorgung nötig. Die Löhne zogen im ersten Quartal mit 8% an, so stark wie seit drei Jahren nicht. Das Haushaltsdefizit legt zu und die geopolitischen Risiken um den Iran-Konflikt treibt die Energiepreise.
Kohleausstieg treibt Energiepreise an
Energie ist in Tschechien ohnehin ein politische Zankapfel. Zur Sicherung einer netzverträglichen Energieversorgung setzt das Land auf Atomkraft. Parallel dazu deckt es nahezu 100% des Erdöl- und Gasbedarfs durch Importe. Bis 2033 soll der Kohleausstieg erfolgen. Das sorgt in Nordböhmen für Existenzängste. Der momentane Energiemix mit Kohleverstromung macht das Land aber noch zum Netto-Stromexporteuer. Absehbar dürfte auch Tschechien dann aber zum Stromimporteur werden - wenn nicht weitere Kapazitäten im Atom- und erneuerbaren Energiebereich aufgebaut werden.
Deutschland ist mit Abstand der wichtigste Handelspartner. Es hat einen Anteil von 31% bei den Ausfuhren und 20% bei den Einfuhren. Ein Blick auf die Branchen: Auf Kfz, Elektronik und Maschinenbau entfallen mehr als 48% der gesamten Ausfuhren Tschechiens. Sollte die Energieversorgung oder perspektivisch dauerhaft spürbar teurer werden, dürfte das den Außenbeitrag eindampfen.
Demographie sorgt für angespannten Arbeitsmarkt
Parallel dazu belastet die Demografie. Tschechien erlebt durch einen Bevölkerungsrückgang eine große Schrumpfung der Erwerbsbevölkerung. Schätzungen sehen 70.000 weniger einheimische Arbeitskräfte in den nächsten Jahren. Das ist ein wichtiger struktureller Lohn-Faktor. Allerdings zieht die Entwicklung auch ausländische Fach- und Arbeitskräfte ins Land. Denn die relativ niedrige Arbeitslosigkeit bereitet den Boden für eine starke Lohnentwicklung. Der Zuzug ausländischer Arbeitskräfte hat zur Folge, dass Ausländer mittlerweile fast 20% der Beschäftigten stellen (Beschäftigtenzahl insgesamt circa 5,2 Mio.).
Bond mit Kurspotenzial
Ein aussichtsreiches Investment in diesem Umfeld ist die Staatsanleihe mit der WKN A28U1D. Die läuft noch bis zum 13. März 2031 und hat einen Kupon von 1,2%. Bei einem Kurs von 87,95% rentiert die Aa3-Anleihe per Verfall mit 4,08%. Zieht die Krone mit steigenden Zinsen an, dürfte es einen zusätzlichen Währungsgewinn geben.