Unruhe auf dem Anleihemarkt
Derzeit blicken alle auf die Anleihemärkte. Rund um den Globus steigen die Zinsen von Staatsanleihen und erreichen Niveaus, die wir lange nicht mehr gesehen haben. So verzinsten die zehnjährigen deutschen Bundesanleihen gestern mit 3,11%. Zuletzt wurden solche Zinsen vor 15 Jahren inmitten der Eurokrise gezahlt.
Gegenüber dem Jahresbeginn stellt dies ein Plus von 25 Basispunkten dar. Dabei fällt der Aufschlag im Vergleich zu anderen Ländern noch gering aus. So stiegen die Verzinsungen zehnjähriger Staatsanleihen in Italien um 30 Basispunkte auf 3,82%, in den USA um 44 Basispunkte auf 4,59%, in Großbritannien um 49 Basispunkte auf 4,96% und in Japan sogar um 68 Basispunkte auf 2,76%.
Wie sieht Warshs Geldpolitik aus?
Anleger sorgen sich zunehmend, dass die Staaten künftig ihre horrenden Schulden nicht mehr bedienen können und fordern Risikoaufschläge. Überdies legt die Inflation zu, was die Zinsen ebenfalls nach oben treibt.
Seit dieser Woche gibt es obendrein einen neuen Akteur: Kevin Warsh. Er hat den langjährigen Fed-Chef Jerome Powell an der Spitze der US-Notenbank abgelöst. Warsh steht unter Druck des US-Präsidenten Donald Trump, die Leitzinsen in den USA von derzeit 3,5% bis 3,75% zu senken. Dies würde zwar die Konjunktur unterstützen, aber auch die Inflation anstacheln.
Unabhängigkeit der Fed bedroht
Entscheidend ist jedoch vielmehr die Frage, ob die Fed in der Zukunft noch unabhängig bleibt oder unter Trump zum Spielball der Politik verkommt. Falls letzteres eintritt, dürfte das Vertrauen in den US-Dollar und US-Staatsanleihen einbrechen. Für die dann erhöhten Risiken dürften Anleger einen Zinsaufschlag verlangen. Trumps Drang nach niedrigeren Zinsen könnte sich somit ins Gegenteil verkehren.