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Devisen

Währungen aus Nahost/Afrika: Ähnliche Probleme

In unserem Devisen-Wochenschwerpunkt blicken wir auf die Entwicklungen in der Türkei, Israel, Ägypten, Nigeria und Südafrika.

Höhere Zinsen

Die Währungshüter in Ankara haben den Leitzins (Reposatz) trotz des schwachen Wachstums um 50 Basispunkte auf 8% angehoben. Damit haben sie auf die Schwäche der Lira reagiert. Sie wollen damit die Stabilisierung des Preisniveaus absichern. Die Inflation lag zuletzt bei 7,2%. Das ist nach den zur Jahresmitte erreichten 8,8% ein sichtbarer Fortschritt. Das Wachstum lag im zweiten Quartal mit 3,1% unter den 4,7% des 1. Quartals. Der heimische Konsum, der Staat und die Exporte in die EU bringen die Impulse. Der Handel mit den regionalen Nachbarn außerhalb der EU ist dagegen schwach. Auch die Investitionen der Unternehmen liefern keine Anstöße. Neben der politischen Unsicherheit durch die Spannungen in der Region, vor allem aber die Politik von Präsident Erdogan, macht sich auch die Abstufung des Ratings durch erhöhte Finanzierungskosten bemerkbar.

Fazit: Die Schwäche der Lira dürfte mit den Zinserhöhungen nur kurzfristig gebremst sein.

Die Inflation bleibt unter null

Die israelische Inflationsrate bleibt unter null. Zuletzt wurden -0,3% notiert. Entsprechend sahen die Währungshüter keinen Grund, den expansiven Leitzins von 0,1% zu ändern. Das Wachstumstempo bleibt beachtlich. Im 3. Quartal nahm das BIP um 3,2% zu. Dabei lieferten die zuvor schwachen Investitionen der Unternehmen einen zweistelligen Zuwachs. Auch Exporte und Dienstleistungen (vor allem der Tourismus) kamen voran. Ebenso der private Konsum, der vor allem von der guten Lohnentwicklung und der hohe Beschäftigung angetrieben wird. Das deutet darauf hin, dass sich der Wachstumstrend ins nächste Jahr hinein fortsetzt. Neben den stets vorhandenen Sicherheitsproblemen dürfte der heiß laufende Immobilienmarkt die Aufmerksamkeit der Währungshüter auf sich ziehen.

Fazit: Der Schekel dürfte zunächst seine Mittellage zwischen Dollar und Euro behalten. Das wird allerdings auf mittlere Sicht den Export belasten.

Wenig Spielraum

Die Notenbank hält notgedrungen am hohen Leitzins (Repo 15,25%) fest. Nur so kann sie die ins Rutschen geratenen Verhältnisse etwas stabilisieren. Dazu wollen und müssen die Währungshüter aber auch schnell aus der Finanzierung des Staatsdefizits aussteigen. Letztlich scheitert das al-Sisi-Regime hier an sich selbst: Die vom Militärdiktator verordnete politische Stabilität würgt die Wirtschaft soweit ab, dass diese Regierung nur durch laufende Finanzierung aus dem Ausland überleben könnte. Dazu sind aber auch die politischen Freunde unter den konservativen arabischen Staaten nicht bereit.

Fazit: Auf den jüngsten Sturz des Pfunds auf knapp 19 Pfund je Euro werden weitere Abwertungen folgen. Auf Europa wartet eine neue Flüchtlingswelle.

Mühsame Stabilisierung

Die Regierung Buhari geht die Krise mit gewohnten Mitteln an. Die Konjunktur soll durch verstärkte Investitionen in die notorisch schwache Infrastruktur neuen Schwung erhalte. Der Naira wird nicht zuletzt durch Razzien gegen informelle Wechselstuben gestützt. Sie handeln angesichts der Import- und Kapitalkontrollen den Naira unterhalb des offiziellen Kurses. Lokalen Berichten zufolge beträgt der Kurs dort um 400 Naira/Dollar gegenüber den offiziellen 315 Naira/Dollar. Gleichzeitig geht der Kampf gegen die Korruption weiter. Jüngst wurde ein Richter des Obersten Gerichts im Zuge von Ermittlungen suspendiert.

Fazit: Der Naira wird noch weiter nachgeben.  

Wirtschaft bleibt schwach

Die Wirtschaft Südafrikas bleibt weit entfernt davon, ausreichend Arbeitsplätze zu schaffen. Die Arbeitslosigkeit ist leicht auf über 27% gestiegen. Der im wesentlichen unveränderte Ausblick der Notenbank macht wenig Hoffnung auf Besserung. Das Wachstum bleibt demnach unter 2% und damit zu schwach. Lediglich das Defizit der Leistungsbilanz legt weiter zu. Seine Finanzierung wird zu einer Herausforderung. Die ausländischen Investoren ziehen seit einigen Monaten laufend Mittel aus dem Land ab, das durch einen offenbar korrupten Präsidenten zum Selbstbedienungsladen für dessen Familie und Freunde wurde. Gleichzeitig gehen die schwachen Investitionen weiter zurück.

Die Wirtschaft arbeitet weiter unter ihren Möglichkeiten (realisiertes BIPDie Stimmung ist schlecht, der Konjunkturtrend abwärts gerichtet. Der Einkaufsmanager-Index liegt seit drei Monaten unter 50 Punkten. Positive Signale sind nur im Tourismussektor zu erkennen. Zudem ist die Inflation mit zuletzt 6,4% nahe an den oberen Rand der Zielzone (3%-6%) gerückt. Sie wird aber auch auf längere Sicht nicht weiter fallen. Es entsteht also wenig Spielraum für weitere Zinssenkungen.

Fazit: Der Rand hat seine Erholung nach dem Ende der Streikwelle im ersten Halbjahr beendet. Er dürfte allenfalls das aktuelle Niveau halten.  

6-Monats-Übersicht zu ausgewählten Währungen aus Nahost/Afrika

LandWährung/ZinsAktueller KursAusblick 3 MonateAusblick 6 MonatePrognose-sicherheit
TürkeiTRY3,663,723,75neutral
3m-Zinsn.v.--
IsraelILS4,094,054,03neutral
3m-Zins0,10,10,1
ÄgyptenEGP18,8719,119,3unsicher
3m-Zins14,95n.v.n.v.
Nigeria
NGN333,25340345
unsicher
3m-Zins14,5n.v.n.v.
SüdafrikaZAR14,9215,0315,12neutral
3m-Zins7,367,357,35
  • TRY: Die Geldpolitik wird eher gelockert und schwächt die Lira.

  • ILS: Die Notenbank wird versuchen, den Schekel schwächen.

  • EGP: Das ägyptische Pfund bleibt durch die schwache Auslandsposition gefährdet.

  • NGN: Interventionen stabilisieren den Naira.

  • ZAR: Die Hoffnungen auf einen politischen Wandel und Reformen stärken den Rand zunächst.

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