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Währungen aus Nahost und Afrika

Weniger Wachstum in der Türkei, mehr in Nigeria

In unserem Devisen-Wochenschwerpunkt blicken wir auf die Entwicklungen in der Türkei, in Israel, Ägypten, Nigeria und Südafrika. 

Deutlich weniger Wachstum

Die Wachstumszahlen zum 2. Quartal enttäuschten. Nach 4,2%-4,7% in den vier vorangegangenen Quartalen wurden jetzt gerade noch 2,1% erreicht – weniger als erwartet. Der Grund: Die private Nachfrage blieb schwach. Der Konsum legte kaum zu (+0,4%), während die Investitionen sogar mit 3,5% klar rückläufig waren. Offenbar halten sich Unternehmen und Haushalte mit den Ausgaben angesichts der innen- und außenpolitischen Belastungen zurück. Der Export wurde hingegen kaum gebremst. Von daher ist eine neuerliche Beschleunigung des Wachstums durchaus wahrscheinlich. Die Geldpolitik bleibt allerdings mit einem Reposatz von 8,25% bei einer Inflationsrate von rund 9,5% klar expansiv ausgerichtet – auch wenn die Währungshüter von einer straffen („tight“) Politik reden. Offenbar macht sich die Diskrepanz zwischen der besseren Einsicht (pro Straffung) und dem durch politischen Druck der Regierung erzwungenen lockeren Kurs bemerkbar.

Fazit: Die Lira hat sich bislang vergleichsweise gut gehalten. Sie dürfte aber in den nächsten Monaten schwächer tendieren.

Wachstum nach unten revidiert

Die israelischen Währungshüter haben ihren Leitzins um weitere 25 Basispunkte auf jetzt noch 0,25% zurückgenommen. Die Inflation ist trotz der vorherigen Zinssenkungen auf Null gefallen. Gegenüber dem Vormonat wurde zuletzt (August) sogar ein Minus notiert. Damit ist die Inflationsrate deutlich unterhalb des Zielbandes 1%-3% angekommen. Auch das Wachstum deutet auf Schwächen. Die Rate für das Quartal wurde von 1,7% auf 1,5% nach unten revidiert. Das lag vor allem am Export, der schwächer ausfiel als zunächst geschätzt. Zudem deuten Daten vom aktuellen Rand auf weitere Schwäche – etwa der auf rund 43 Punkte gefallene Einkaufsmanager-Index sowie diverse Stimmungsindikatoren. Offenbar machen sich die Folgen des Gaza-Krieges jetzt erst voll bemerkbar. Die Zinssenkungen hinterlassen mittlerweile ihre Spuren durch einen leichteren Schekel. Das unterstützt wiederum die Lockerungen.

Fazit: Die erwartete Korrektur des Schekel läuft und sollte noch ein Stück weiter gehen.

Restauration schafft Stabilität  

Die ägyptische Wirtschaft findet unter der Militärregierung des Generals Al-Sisi zurück auf festeren Boden. Bautätigkeit und Industrieproduktion hatten sich bereits seit dem Jahresanfang belebt. Mittlerweile ist auch beim Tourismus eine Erholung erkennbar. Das gilt auch für die Preise. Die Inflation lag zuletzt mit rund 11% wieder klar im zweistelligen Bereich. Das deutet auf entsprechende Spielräume der Anbieter hin. Allerdings beobachten die Währungshüter immer noch Zurückhaltung bei den privaten Investitionen. Offenbar ist das Vertrauen in die neue Stabilität nicht wirklich überwältigend. Immerhin scheinen die ausländischen Geldgeber wieder großzügiger zu werden. Die Zuflüsse der Kapitalbilanz übersteigen das Defizit der Leistungsbilanz. Das hat eine erkennbare Erholung des Pfunds angestoßen.

Fazit: Das Pfund hat weiteres Erholungspotenzial.

Weiter voran

Trotz aller Probleme hat Afrikas größte Volkswirtschaft im 2. Quartal mit einem Wachstum von knapp 6,6% zugelegt. Anders als im 1. Quartal lieferte der Ölsektor dank steigender Mengen und Preise wieder einen positiven Beitrag. Die Inflationsrate zog nur leicht von 8,2% auf 8,5% an. Verbesserungen gibt es offenbar auch bei der problematischen Sicherheitslage im Norden. Dort sollen sich größere Gruppen der Terrororganisation Boko Haram den Behörden gestellt haben. Sollte damit eine Trendwende erreicht sein, wachsen die Chancen Nigerias erheblich. Der Naira ist in den letzten Wochen etwas schwächer geworden. Er dürfte sich aber bald fangen, sofern nicht neue Unruhen aufflammen.

Fazit: Wir erwarten einen nur noch langsam zum Dollar abwertenden Naira.

Gill Marcus geht

Die südafrikanische Notenbank SARB verliert ihre international respektierte Chefin Gill Marcus. Sie geht im November in den Ruhestand. Das brachte den Rand sofort unter Druck, zumal die Präsident Zuma und seine Regierung keine Nachfolgelösung parat haben. Immerhin erweist sich die SARB auch in dieser Hinsicht als Trumpf, da sie in ihren Reihen beachtliche Nachfolgekandidaten bereit hält. Jenseits des Währungsmanagements hat Südafrika allerdings wenig zu bieten. Das Wachstum bleibt wegen versäumter Reformen und Investitionen schwach, die Korruption der ANC-Funktionäre groß und die Arbeitslosigkeit bleibt mit 25% hoch. In Südafrika sammelt sich so Sprengstoff für schwerste politische und soziale Konflikte.

Fazit: Wir sehen keine Trendwende zum Besseren für den Rand und die Wirtschaft am Kap.

6-Monats-Überischt zu ausgewählten Währungen aus Nahost und Afrika

LandWährung/ZinsAktueller KursAusblick 3 MonateAusblick 6 MonatePrognosesicherheit
Türkei

TRL2,8772,903,05neutral

3m-Zins9,499,08,5
IsraelILS4,6754,654,62unsicher

3m-Zins0,210,200,20
Ägypten

EGP9,129,39,0unsicher
3m-Zins9,5398,5
NigeriaNGN209215220unsicher
3m-Zins9,951010
Südafrika

ZAR14,22614,8015,10neutral

3m-Zins6,1335,75,7
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