Yen-Aufwertung birgt Risiken
Der schwache Yen gilt vielen als Zeichen japanischer Schwäche. Seit Anfang 2025 hat der Yen gegenüber dem Euro um über 13% abgewertet. Doch in den vergangenen Tagen hat der Yen sogar leicht angezogen, auf etwa 184 EUR/YEN. Eine nachhaltige Aufwertung des Yen birgt indes Risiken, auch außerhalb Japans. Denn die japanische Währung ist Teil eines stabilen Systems. Konkret:
Japan ist faktisch in seinem eigenen Modell gefangen. Eine nachhaltige Aufwertung des Yen würde höhere Zinsen und eine straffere Geldpolitik erfordern. Derzeit liegt der Leitzins der Bank of Japan bei bescheidenen 0,75%. Zum Vergleich: In der Eurozone sind es 2% und in den USA 3,75%. Das Zinsgefälle zu Europa und den USA sorgt für einen strukturellen Abwertungsdruck.
Stabiles Gleichgewicht
Eine Rückkehr zu höheren Zinsen könnte sich das Land kaum leisten. Die Staatsverschuldung liegt bei über 250% des Bruttoinlandprodukts, die Binnenwirtschaft bleibt anfällig. Eine deutliche Zinswende würde die Finanzierungskosten erhöhen und die wirtschaftliche Stabilität gefährden.
Es herrscht ein stabiles Gleichgewicht: Der schwache Yen stützt Exporte, Gewinne und Inflation. Eine stärkere Währung würde genau diese Effekte dämpfen. Der Yen ist damit nicht nur Ergebnis der Politik, sondern eine ihrer tragenden Säulen.
Aufwertung könnte zu Verwerfungen führen
Die geopolitische Lage verschärft das Dilemma zusätzlich. Die hohen Rohstoffpreise infolge des Iran-Kriegs treffen das rohstoffarme Land hart und der schwache Yen verschlimmerte dies weiter. So wird Inflation importiert.
Entscheidend dabei: So lange die Zinsen niedrig bleiben, wirkt der Yen als globaler Liquiditätslieferant. Kapital fließt in internationale Märkte und stabilisiert Risikoanlagen.
Auch Deutschland betroffen
Gerade diese Stabilität ist das eigentliche Risiko. Denn sie funktioniert nur, so lange die Rahmenbedingungen gleichbleiben. Sobald der Yen jedoch signifikant aufwertet, kehrt sich der Effekt um: Kapital wird abgezogen, Positionen werden aufgelöst, Märkte geraten unter Druck. Eine Yen-Wende wäre kein lokales Ereignis, sondern ein globaler Stresstest.
Für Deutschland bedeutet das, japanische Anbieter gewinnen an Preisvorteilen, deutsche Produkte werden teurer. Margen geraten unter Druck, Währungsrisiken nehmen zu.