Die US-Notenbank ringt um den Kurs
Die US-Notenbank (Fed) ist tief gespalten über den weiteren Kurs der Geldpolitik. Der Konflikt dreht sich um die Frage, ob die anhaltende Inflation oder ein schwacher Arbeitsmarkt die größere Gefahr darstellen. Diese Uneinigkeit hat den zuvor erwarteten Pfad für Zinssenkungen erheblich verkompliziert.
Noch im September schien der Weg klar. Damals senkte die Fed den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte und deutete weitere Schritte an. Doch nach einer zweiten Senkung im Oktober ist die Lage unübersichtlich. Eine dritte Senkung im Dezember ist alles andere als sicher.
Zwei Lager, zwei Risiken
Die Falken wollen eine Pause. Sie fürchten, dass Unternehmen höhere Preise durchsetzen und die Inflation hartnäckig bleibt. Aus ihrer Sicht liegt der Zins nahe dem neutralen Niveau – weitere Senkungen könnten riskant sein.
Die Tauben sehen das anders. Sie halten die Zinsen für restriktiv und warnen vor einer Rezession, wenn die Fed nicht handelt. Ihr Argument: Die Wirtschaft zeigt Schwäche, vor allem am Arbeitsmarkt.
Die Vertreter beider Lager
Zu den Falken zählen unter anderem Jeff Schmid (Kansas City), Beth Hammack (Cleveland) und Lorie Logan (Dallas). Sie lehnen weitere Senkungen ab und warnen vor Inflationsrisiken.
Auf der anderen Seite stehen die Tauben: Stephen Miran, Michelle Bowman, Christopher Waller und Mary Daly drängen auf Zinssenkungen, um die Wirtschaft zu stützen. Im September hatten zehn von 19 Mitgliedern zwei weitere Senkungen eingeplant, neun wollten keine.
Datenlücke verschärft die Spaltung
Der Regierungs-Shutdown hat die Lage zusätzlich verkompliziert. Wichtige Berichte zu Inflation und Beschäftigung fehlten, sodass beide Lager ihre Positionen mit privaten Umfragen und Anekdoten stützten.
Einerseits – andererseits
Alternative Daten zeigen jedoch ein überraschend stabiles Bild: Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe liegen auf einem Niveau, das zu einer Arbeitslosenquote von rund 4,35 Prozent passt – kaum verändert seit August. Auch der Stressindikator der San-Francisco-Fed meldet Entspannung: Nur vier Bundesstaaten verzeichnen steigende Arbeitslosigkeit, weit unter der Rezessionsschwelle von 30.
Private Jobdaten sind dagegen uneinheitlich: ADP meldet plus 42.000 Stellen, LinkUp minus 5.000, Revelio minus 9.000. Bei einem „Breakeven“ von 20.000 bis 30.000 Stellen reicht das Spektrum von leichter Schwäche bis Stabilität. Für die Fed erschwert das eine klare Diagnose.
Strukturelle Bremsen statt Konjunkturproblem
Powell sprach in Jackson Hole von einer „kuriosen Balance“: Sowohl die Nachfrage nach Arbeitskräften als auch das Angebot sinken. Ein Grund ist die restriktive Einwanderungspolitik. Laut Forschung der Minneapolis-Fed erklärt der Rückgang der Nettozuwanderung 40 bis 60 Prozent des Beschäftigungs-Einbruchs – ein strukturelles Problem, das Zinssenkungen kaum lösen können.
Das unterstreicht die Warnung von Jeff Schmid: „Ein kleiner Zinsschritt wird strukturelle Trends wie Technologie und Demografie nicht ändern.“ Im Gegenteil, zu frühe Lockerung könnte unnötig Preisdruck erzeugen.
Drei Fragen entscheiden den Kurs
Sind die tarifbedingten Preissteigerungen nur vorübergehend? Liegt die Job-Schwäche an schwacher Nachfrage oder fehlendem Angebot? Und sind die Zinsen noch restriktiv oder bereits neutral?
Powell versuchte bereits in Jackson Hole die Debatte zu glätten. In seiner Rede im August argumentierte er, dass die Effekte der Zölle nur vorübergehend seien und die Schwäche am Arbeitsmarkt auf eine schwache Nachfrage zurückgehe. Damit stellte er sich klar auf die Seite der Tauben. Die Falken blieben jedoch hart und verschärften ihre Gegenposition vor der Oktober-Sitzung. Vor der Dezember-Sitzung ist die Entscheidung völlig offen.
Falken (Hawks) im Board of Governors der Fed:
- Kansas City Fed Präsident Jeff Schmid (dissensierte gegen die Oktober-Senkung)
- Cleveland Fed Präsidentin Beth Hammack (öffentlich gegen weitere Senkungen)
- Dallas Fed Präsidentin Lorie Logan (ebenfalls öffentlich gegen Senkungen)
- Weitere hawkische Stimmen betonten Inflationsrisiken und neutrale Zinsniveaus.
- Anzahl: Im September hatten 9 von 19 keine weiteren Senkungen eingeplant (Hawks).
Tauben (Doves) im Board of Governors der Fed:
- Fed-Gouverneur Stephen Miran (wollte größere Senkung, Trump-nah)
- Michelle Bowman und Christopher Waller (ebenfalls Trump-Appointees, für niedrigere Zinsen)
- San Francisco Fed Präsidentin Mary Daly (argumentierte für Zinssenkungen wegen schwacher Nachfrage)
- Anzahl: Im September hatten 10 von 19 mindestens zwei weitere Senkungen vorgesehen (Doves).