Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
2352
Geldpolitik in der Zwickmühle

Es kann nicht sein, was nicht sein darf

Chefin der EZB Christine Lagarde. Copyright: Picture Alliance
Dass die EZB unverhohlen Staatsfinanzierung betreibt, kann nur noch leugnen, wer eine rosarote Brille mit extra starkem Filter aufsetzt. Die gestrige Entscheidung geht von Annahmen aus, die nur schwer nachzuvollziehen sind.

Die geldpolitische Wende ist vollzogen. Die Zeichen stehen auf Straffung – selbst in der Eurozone (ein klein wenig). Aber das ist auch schon so ziemlich alles, was die Notenbanken der drei großen Währungsräume Dollar, Euro und Pfund gemein haben.

Während die US-Notenbank davon ausgeht, dass der Inflationsdruck erhalten bleibt und zu Zweitrundeneffekten führt, glaubt die EZB an einen wieder deutlichen Rückgang der Inflationsrate auf 1,8% im Jahr 2023 nach 3,2% im neuen Jahr 2022. Damit rechtfertigt die EZB – anders als ihre Schwestern in New York und London – dass sie die Leitzinsen auf lange Sicht unten halten und die Finanzminister der Eurozone fortgesetzt entlasten kann. Eine erste Zinserhöhung im Jahr 2022 sei sehr unwahrscheinlich, 2023 sei sie möglich, aber eher unwahrscheinlich.

US-Demokraten heizen Inflation an

Richtig ist, dass das Konjunkturpaket der US-Demokraten die Nachfrage dort anheizt. Gleichzeitig kommt das Angebot nicht nach, Stichwort: Lieferkettenproblematik, und der Arbeitsmarkt ist bereits leergefegt. Das treibt die Inflation jenseits des Atlantiks kräftig an. Das macht einen Unterschied. Schwerer nachzuvollziehen sind die Erwartungen der EZB für Europa:

  1. ein wieder deutlicher Rückgang der Energiepreise, die derzeit 49% der Preissteigerungsrate ausmachen – ohne Energie und Lebensmittel läge die Steigerungsrate in der Eurozone bei „nur“ 2,6%
  2. ein deutliches (und bedenkliches) Abflachen der europäischen Konjunktur von 5,1% in diesem, auf 4,2% im nächsten sowie 2,6% im Jahr 2023 und nur noch 1,6% im Jahr 2024.
  3. Und – anders als in USA und UK – ausbleibende Zweitrundeneffekte oder anders gesagt: Europas Arbeitnehmer bleiben genügsam und finden sich mit Reallohnverlusten ab. Schon in diesem Jahr lagen die Tarifverdienste in Deutschland mit einem Durchschnitts-Plus von 1,3% weit unterhalb der Jahresinflationsrate von 3%. Im nächsten Jahr rechnet das ifo-Institut mit einem weiteren Prozentpunkt Realverlust bei den Einkommen. Und das bei einem jetzt schon spürbaren und zunehmenden Mangel an Fachkräften.

EZB-Argumentation kaum nachvollziehbar

  • Damit bestätigt die EZB einerseits den anämischen Wachstumstrend in Europa, der angesichts der Bevölkerungsentwicklung bedenklich ist.
  • Sie liefert andererseits keine nachvollziehbare Begründung, warum die Weltmarktpreise für Energie und Rohstoffe wieder deutlich sinken sollten.
  • Und sie lässt unbegründet, warum die Arbeitnehmer in Europa dauerhaft die Folgen der Staatsfinanzierung durch die EZB – erhebliche Kaufkraftverluste auf Einkommen und Sparvermögen – bei einem immer knapper werden Angebot am Arbeitsmarkt hinnehmen sollten.

Fazit: Die EZB traut sich nicht an den Vollzug der Zinswende. Sie argumentiert und handelt nach dem Motto, es kann nicht sein, was nicht sein darf. Damit wächst das Risiko, dass sie das Ruder unerwartet und ruckartig herumreißen muss.

Hier FUCHS-DEVISEN abonnieren

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Nachhaltigkeit beim Stiftungsvermögen: Tiefe Einblicke und Diversität in Kooperationen

Von Datenlieferanten bis Beratungsnetzwerke: Wie Vermögensmanager ihre Nachhaltigkeitsstrategien stärken

Kollage Verlag Fuchsbriefe © Bild: envato elements
Um die nachhaltige Kapitalanlage zu stärken, setzen Vermögensmanager auf die Zusammenarbeit mit externen Instituten. Eine Analyse der FUCHS | RICHTER Prüfinstanz von 25 Organisationen enthüllt nicht nur eine reiche Vielfalt an Kooperationen, sondern auch signifikante Unterschiede in der Integration dieser Partnerschaften in ihre Nachhaltigkeitsstrategien.
  • Fuchs plus
  • Logistik und Nachhaltigkeit

Elektro-LKW bei Österreichischer Post

Die Österreichische Post hat erstmals zwei Elektro-Lkw im Einsatz. Transportiert werden internationale Sendungen. Damit lassen sich rund 117 Tonnen direkte CO2-Emissionen pro Jahr einsparen.
  • Fuchs trifft Pferdchen, Der Geldtipp-Podcast, Teil 42

Geldtipp – Pferdchen trifft Fuchs: Wie Anleger Steuern vermeiden können

Geldtipp-Podcast. ©SpringerNature
Der Fiskus möchte an den Kapitaleinkünften mitverdienen. Pferdchen und Fuchs analysieren in der 42. Folge des Geldtipp-Podcasts, welche Steuern auf Kapitalerträge anfallen können und was beim Umgang mit den Finanzamt beachtet werden muss.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Kein Geld für ausländische Anleihegläubiger

Evergrande zeigt China-Risiko

Geld und Immobilien © minicase / stock.adobe.com
Investitionen in Immobilien im Ausland können auch negative Folgen mit sich bringen. Das zeigt das Fallbeispiel Evergrande in China. Die internationale Investmentgemeinschaft hatte unter dem Vorzeichen des Immobilienbooms auf das chinesische Unternehmen gehofft – fälschlich, wie sich nun herausstellt.
  • Kurs nimmt Lauf Richtung Allzeithoch

FUCHS-Depot: Wieder auf Kurs

Unsere FUCHS-Strategie scheint sich zu bewähren. Im Wochenvergleich haben wir Gewinne erzielt.
  • Fuchs plus
  • Batterien nur an geeigneten Orten laden

Akkus auf Holzregal geladen: Gewerbemieter muss für Brandfolgen zahlen

Batterien © markus dehlzeit / stock.adobe.com
Lithium-Ionen-Akkus in Räumen aufzuladen, ist heikel. Insbesondere dann, wenn dabei keine Vorkehrungen gegen lauernde Brandgefahr getroffen sind. Das Kammergericht in Berlin musste jetzt entscheiden, ob der Gewerbemieter für sein riskantes Verhalten haften muss.
Zum Seitenanfang