EZB: 25 Basispunkte eingepreist
Neue Inflationswellen schwappen auf die Eurozone zu. Nachdem die erste Welle die Tankstellen erreicht hat, folgen weitere Wellen bei Produkten wie Kunststoffen, Lebensmitteln usw., in denen sich die erhöhten Preise für Öl, Gas und Düngemitteln zeitversetzt niederschlagen.
Dabei ist die Kommunikationspolitik der EZB interessant. Nach der letzten Sitzung Ende März bemühte sich der EZB-Rat die Zinssorgen von Wirtschaft und Verbrauchern zu zerschlagen – mit Erfolg.
Vorher waren 75 Basispunkte eingepreist
Gemäß der Einschätzung von Gunther Schnabl, VWL-Professor an der Universität Leipzig, hatten die Finanzmärkte in der Vergangenheit drei Zinsschritte von jeweils 25 Basispunkten im laufenden Jahr eingepreist. Nach den beruhigenden Worten der EZB hat sich dies mittlerweile auf einen Zinsschritt von 25 Basispunkten reduziert.
Auch Professor Reint E. Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, rechnet damit, dass die EZB den Leitzins nicht so schnell über 2,25% erhöhen will.
Prognosen derzeit kaum möglich
Normalerweise könne die EZB die Inflationsraten recht gut prognostizieren. Doch derzeit wisse niemand so genau, wie es am Persischen Golf weitergehe und ob die Straße von Hormus bald geöffnet wird. Entsprechend schwierig fallen die Prognosen aus. "Ich bin ganz froh, dass ich heute nicht mehr für die EZB arbeite", sagt Gropp gegenüber FUCHS. Gropp war selbst früher bei der EZB tätig.
All das funktioniert nur, wenn die Inflation nicht deutlich über die von Goldman Sachs und anderen prognostizierte Inflationsrate von rund 3% steigt. Dies hängt vom Fortgang des Iran-Kriegs ab. Sollte es zu einem endgültigen Waffenstillstand oder sogar Frieden mit einer Öffnung der Straße von Hormus kommen, ist die Eintrittswahrscheinlichkeit für dieses Szenario hoch.
Der Ton macht die Musik
Falls die Straße von Hormus jedoch längere Zeit geschlossen bleibt, dürfte das Szenario hinfällig sein, die Inflation auf weit über 3% steigen und folglich die EZB die Leitzinsen deutlich über die Marke von 2,25% anheben. Auf jeden Fall sollte man bei der EZB-Ratssitzung am heutigen Donnerstag ganz genau hinhören. Denn hier macht die Tonlage die Musik – auch wenn der Leitzins vorerst bei 2% bleibt.