Finanzkrisen-Gefahr in der Eurozone
Die Inflation in der Eurozone hat wieder angezogen. Nach 2,9% im Juli betrug die Inflationsrate laut europäischen Statistikbehörde Eurostat im August 3,3%. Zwischenzeitlich hat auch der Ölpreis kräftig angezogen. Für ein Barrel der Nordseesorte Brent müssen wieder mehr als 96 US-Dollar gezahlt werden.
Ein Rückgang der Inflation in naher Zukunft wird damit immer unwahrscheinlicher. Vor diesem Hintergrund hat der EZB-Rat bei seiner nächsten Sitzung am kommenden Donnerstag (10. September) eigentlich keine andere Wahl, als den Leitzins um weitere 25 Basispunkte auf dann 2,5% anzuheben.
EZB im Dilemma
Unterdessen wachsen bei den Analysten die Zweifel, ob es im laufenden Jahr zu einem weiteren Zinsschritt kommen wird. Die maßvolle konjunkturelle Erholung, die mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute prognostizieren, ist einfach zu fragil.
„Angesichts der Probleme bei den öffentlichen Finanzen und den stark steigenden Anleiherenditen können wir uns nur schwer vorstellen, dass die EZB bereit wäre, eine Rezession zu riskieren, um auf das zu reagieren, was nach wie vor ein Lehrbuchbeispiel für einen angebotsseitigen Schock ist.“ Das sagt ING Chefvolkswirt Carsten Brzeski.
Konjunktur kann höhere Zinsen kaum verkraften
Überdies geben die stark steigenden Zinsen bei den Staatsanleihen Anlass zur Sorge. So kletterte die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen am Mittwoch intraday auf 3,3951%. In Frankreich rentierten die 10-jährigen Staatsanleihen mit 4,275% und in den USA die 10-jährigen Treasuries mit 4,818%. Das sind Werte, wie wir sie zuletzt während der Finanzkrise gesehen haben.
Der Spread zwischen deutschen und französischen Staatsanleihen beläuft sich mittlerweile auf 88 Basispunkte. Angesichts einer Verschuldung von 117,5% des Bruttoinlandsproduktes zum Ende des ersten Quartals fragen sich immer mehr Beobachter, ob Frankreich seine ausufernden Staatsschulden noch lange tragen kann. Vor den Präsidentschaftswahlen im kommenden April wird ohnehin kaum ein französischer Politiker wagen, den Haushalt zu konsolidieren. In dieser Situation wird sich die EZB mit einer Leitzinserhöhung über die bisher eingepreisten 2,5% hinaus sehr schwertun.