Globale Schulden steigen weiter deutlich
Die weltweite Verschuldung nimmt erneut kräftig zu. Laut Institute of International Finance (IIF) kletterte der globale Schuldenstand in den ersten drei Quartalen 2025 um rund 26 Billionen US-Dollar auf insgesamt 346 Billionen US-Dollar. Haupttreiber sind die Staaten, die ihre Defizite weiter hoch finanzieren. Die Staatsverschuldung überschritt weltweit die Marke von 100 Billionen US-Dollar. Besonders die USA und China, aber auch große europäische Länder wie Frankreich, Deutschland und das Vereinigte Königreich haben ihre Schulden ausgeweitet.
Dennoch: Die globale Haushaltsverschuldung liegt derzeit bei rund 64 Billionen US-Dollar. Bezogen auf die Wirtschaftsleistung beträgt die Quote 57% des weltweiten BIP – das ist der niedrigste Stand seit 2015. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine Entspannung der privaten Bilanzrelationen. Tatsächlich ist der Rückgang aber vor allem auf das kräftige nominale BIP-Wachstum zurückzuführen, nicht auf einen aktiven Schuldenabbau.
Regierungen und Unternehmen als Schuldentreiber
Die Kreditaufnahme der Haushalte bleibt verhalten. Hohe Lebenshaltungskosten und anhaltende politische Unsicherheit bremsen die Nachfrage nach neuen Krediten. In reifen Märkten wächst die Verschuldung langsamer als die Wirtschaftsleistung, während die Quote in Schwellenländern seit 2020 stabil bei etwa 40% bis 45% liegt. Das deutet auf eine gewisse Vorsicht der Verbraucher hin – trotz niedriger Zinsen und besserer Finanzierungskonditionen.
Parallel dazu stieg die Unternehmensverschuldung auf fast 100 Billionen US-Dollar. Auffällig ist die hohe Emissionstätigkeit in den Bereichen Künstliche Intelligenz und erneuerbare Energien. Diese Branchen nutzen die günstigen Finanzierungsbedingungen, um ihre Expansion zu beschleunigen. Für Anleger bedeutet das: Die Kreditmärkte bleiben liquide, aber die Risiken in hochverschuldeten Sektoren nehmen zu.
Deutschland: moderate Quote, aber hohe Firmenlast
Deutschland steht im internationalen Vergleich nach wie vor solide da. Die Staatsverschuldung lag Ende 2024 bei rund 2,69 Billionen Euro, das entspricht etwa 64% des Bruttoinlandsprodukts. Damit liegt die Quote unter dem EU-Durchschnitt, überschreitet aber weiterhin die Maastricht-Grenze von 60%. Im dritten Quartal 2025 weist das IIF für Deutschland eine Staatsquote von 63,2% aus. Deutlich höher ist die Verschuldung der Unternehmen: Sie erreicht knapp 90% des BIP. Haushalte bleiben mit rund 49% vergleichsweise moderat belastet. Die implizite Staatsverschuldung, die sich aus staatlichen Verpflichtungen wie Rentenleistungen ergibt, ist nicht inbegriffen.
Ausblick und Risiken für 2026
Das Jahr 2026 könnte laut IIF kurzfristig für Entspannung sorgen. Nach dem intensiven Wahlzyklus 2023 bis 2025 steht eine „Atempause“ bevor. Weniger politische Unsicherheit erleichtert in der Regel die Kreditaufnahme, sowohl für Staaten als auch für Unternehmen. Das Umfeld bleibt zudem von einer erwarteten Lockerung der Geldpolitik geprägt, was die Finanzierungskosten weiter senken dürfte.
Doch die Risiken sind erheblich. Erstens steigen die Verteidigungsausgaben vieler Länder deutlich. Das belastet Haushalte und könnte zusätzliche Schulden erfordern. Zweitens droht in den USA eine juristische Hängepartie: Sollte der Supreme Court die Anwendung des International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) für Zölle einschränken, könnten die Einnahmen wegbrechen und die Staatsverschuldung weiter steigen. Drittens steht eine gewaltige Refinanzierungswelle bevor: Rund 16 Billionen US-Dollar in reifen Märkten und 8 Billionen US-Dollar in Schwellenländern müssen 2026 prolongiert oder neu finanziert werden. Das erhöht die Konkurrenz um Kapital und kann die Spreads unter Druck setzen.
Deutschland – Schuldenstruktur (Q3 2025 vs. Q3 2024)
- Haushalte: 48,9 % des BIP (2025) vs. 49,4 % (2024) → leichter Rückgang.
- Nicht-finanzielle Unternehmen: 89,6 % des BIP (2025) vs. 89,3 % (2024) → stabil.
- Staat: 63,2 % des BIP (2025) vs. 63,0 % (2024) → praktisch unverändert.
- Finanzsektor: 62,1 % des BIP (2025) vs. 61,4 % (2024) → leichter Anstieg.
- Gesamtverschuldung: Deutschland liegt im europäischen Mittelfeld, aber mit hohem Unternehmensanteil (fast 90 % des BIP) und moderater Staatsquote (63 %). Haushaltsverschuldung ist deutlich niedriger als in angelsächsischen Ländern (UK: 74 %, Kanada: 100 %).
Besondere Trends für Deutschland:
- Starker Anstieg bei Unternehmensanleihen im Jahr 2025, insbesondere bei Hochzinssegmenten (gemeinsam mit Frankreich und USA).
- Haushaltsverschuldung sinkt leicht, was auf vorsichtiges Konsumverhalten und begrenzte Kreditaufnahme hindeutet.
- Staatliche Verschuldung bleibt stabil, aber große Fiskalpakete für 2026 sind angekündigt (Deutschland gehört zu den Ländern mit geplanten Stimulusprogrammen).
- Risiko: Hohe Unternehmensverschuldung könnte bei Zinsanstieg oder Konjunkturschwäche problematisch werden.
Quelle: Global Debt Monitor, IIF (Dezember 2025)