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Lohnanstieg in den USA: Fed St. Louis sieht Abkühlung in Sicht

Inflation: Fed bekommt Beruhigungs-Signal

Die Federal Reserve achtet mit besonderer Wachsamkeit auf die Entwicklungen an der US-"Lohnfront" – einer zentralen Messgröße für Inflationsprognosen. Neue Daten zeigen: Hohe Inflation und enge Arbeitsmärkte haben die Löhne nach oben getrieben. Doch einiges deutet auf eine Abkühlung hin. Die Fed St. Louis hat die Entwicklung untersucht.

Die Fed bekommt ein wichtiges Signal von der US-"Lohnfront". Die Zentralbank, die das Lohnwachstum intensiv beobachtet, erkennt darin den stärksten Einflussfaktor für ihre Prognosemodelle (FUCHS DEVISEN vom 12.4.2024). Der Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben (PCE), das bevorzugte Inflationsmaß der US-Notenbank, sank im vergangenen Monat auf Jahresbasis auf 2,1%. Der Index lag damit nahe an der von der Zentralbank angestrebten Jahresrate von 2%.

Die „Lohnfront“ bestimmt maßgeblich den Kurs künftiger geldpolitischer Maßnahmen. Neue Daten zeigen ein Ende des starken Aufwärtsdrucks auf die Gehälter. In den Jahren seit der Pandemie waren die Löhne aufgrund hoher Inflation und rekordtiefer Arbeitslosigkeit rasant gestiegen.

Lohnwachstum im Vergleich zur Inflation

Die Gehälter stiegen zwischen 2020 und 2023 im Schnitt um 4,8% pro Jahr, verglichen mit 4,5% jährlicher Inflation im selben Zeitraum. Vor der Pandemie (2016-2019) lag das Lohnwachstum im Vergleich bei 2,8%, während die Inflation im Durchschnitt 2,1% betrug. 2022 stellte sich dabei als besonders markant heraus: Die Löhne wuchsen in diesem Jahr um 8,3%. Doch schon 2023 lag die Wachstumsrate etwas niedriger bei 7%. Das zeigt, dass sich das Lohnwachstum nach dem Höchststand des Vorjahres 2022 wieder allmählich abschwächt.

Saisonalität und strukturelle Unterschiede

Im Jahresverlauf zeigen sich saisonale Spitzen bei den Lohnerhöhungen. Die Monate Januar und Februar verzeichneten den höchsten Anteil an Gehaltserhöhungen, während das restliche Jahr weitgehend gleichmäßige Lohnanpassungen verzeichnete. Diese saisonale Bewegung blieb zwischen 2019 und 2023 konstant, wobei die Lohnentwicklung 2022 ihren Höhepunkt erreichte.

Auch zwischen den Sektoren zeigen sich deutliche Unterschiede: Der Dienstleistungssektor, insbesondere das Gastgewerbe, meldete 2022 und 2023 höhere Lohnsteigerungen als der Gütersektor. Die Erholung der Dienstleistungsnachfrage nach der Pandemie führte zu einer spürbaren Anspannung des Arbeitsmarkts in diesem Bereich, die wiederum den Lohndruck verstärkte.

Arbeitsmarkt bleibt unter Druck

Das Zusammenspiel von Inflation und niedriger Arbeitslosigkeit führt zu einer Umgestaltung der sogenannten „Phillips-Kurve“. Es handelt sich dabei um eine wirtschaftliche Faustregel, die das Verhältnis zwischen Arbeitslosigkeit und Lohnwachstum beschreibt. Diese besagt, dass niedrige Arbeitslosigkeit das Lohnwachstum antreibt – und umgekehrt. Die Daten zeigen, dass die Phillips-Kurve auch in der postpandemischen Arbeitsmarktlandschaft relevant ist: In Zeiten niedriger Arbeitslosigkeit verzeichnete die US-Wirtschaft höhere Lohnsteigerungen.

Eine Untersuchung auf Bundesstaatsebene bestätigt diese Korrelation. Hier zeigt sich ebenfalls, dass Bundesstaaten mit besonders niedriger Arbeitslosigkeit wie Kalifornien und Florida größere Lohnsteigerungen aufweisen, während in Regionen mit höherer Arbeitslosenquote wie Illinois die Gehälter langsamer stiegen.

Herausforderung für die Fed

Die Entwicklungen an der Lohnfront beeinflussen direkt die Kostenstrukturen der Unternehmen und somit auch die Inflationsraten. Ein hohes Lohnwachstum gilt daher als Vorbote potenzieller Inflation und wird von der Fed als „Schlüsselindikator“ für die Notwendigkeit geldpolitischer Maßnahmen gesehen. Die Modifizierung der Lohnwachstumsrate im Jahr 2023 signalisiert der Fed, dass die Inflation möglicherweise nicht außer Kontrolle gerät, sondern einem Normalisierungspfad folgt.

Eine nachhaltige Entspannung am Lohnmarkt könnte es der Zentralbank künftig ermöglichen, geplante Zinserhöhungen langsamer anzugehen. Denn das Lohnwachstum würde dann als einer der Hauptinflationstreiber in Schach gehalten. Dennoch hat die Fed ein politisches Problem. Die Konsumenten empfinden das Preisniveau als deutlich zu hoch. Mehr als jeder Vierte, der im August von YouGov befragt wurde, schätzt die aktuelle Inflationsrate auf über 10% – also mehr als das Vierfache der tatsächlichen Inflationsrate.

Fazit: Die Fed erhält ein wichtiges Signal zur Beruhigung ihrer Inflationssorgen. Während der Lohnanstieg in den letzten Jahren die Preise antrieb, deutet der Rückgang des Lohnwachstums 2023 darauf hin, dass die Arbeitsmärkte sich normalisieren. Dies wird der Zentralbank helfen, das Inflationsziel in Reichweite zu halten.

Empfehlung: Richten sie sich perspektivisch auf mehrere Zinssenkungen der Fed ein. Diese sind noch nicht vollständig in den Kursen von Aktien und Anleihen eskomptiert. Wir rechnen – trotz des hohen Kursniveaus insbesondere in USA – mit einer Jahresenedrally.

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