Ölpreis zwingt EZB zur Zinserhöhung
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,5% erhöht. Bereits im Juni hatte sie einen Zinsschritt in gleicher Höhe vorgenommen. Die Inflationsrate war zuletzt von 2,9% im Juli auf 3,3% im August in die Höhe geschnellt und lag damit deutlich über dem Zielwert von 2%. Die Zinserhöhung war erwartet worden.
„Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck. Die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben. Der heutige Beschluss unterstreicht unsere Entschlossenheit, die Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Inflation auf mittlere Frist bei unserem Zielwert von 2% stabilisiert“, begründete EZB-Präsidentin Christine Lagarde den Zinsschritt.
Ölpreis über 100 Dollar
Dabei hat sich der Handlungsspielraum der EZB in den zurückliegenden Wochen aufgrund des rasanten Ölpreisanstiegs weiter eingeengt. Am Donnerstagnachmittag notierte das Barrel der Nordseesorte Brent bei über 105 US-Dollar, was ein Plus gegenüber dem Vortag von fast 4% bedeutet. Zuletzt hatte Brent im Mai mehr als 100 US-Dollar gekostet. Damit scheint eine rasche Eindämmung der hohen Inflation vorerst unwahrscheinlich.
Ob die EZB es wagen wird, den Leitzins bis zum Jahresende um einen weiteren Schritt à 25 Basispunkte zu erhöhen, bleibt zweifelhaft. Denn in den vergangenen Wochen hatten die Renditen der Staatsanleihen in der Eurozone Niveaus erreicht wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Aktuell verzinst die 10-jährige Bundesanleihe mit 3,4806%. Bei ihren französischen Pendants sind es sogar 4,386%. Vor allem Frankreich fällt es immer schwerer, seine horrende Schuldenlast zu tragen. Vor diesen Hintergrund wird die EZB wohl kein weiteres Öl ins Feuer gießen und den Leitzins vorerst nicht weiter anheben.