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Währungen aus Nahost und Afrika

Relativ stabil

In unserem Devisen-Wochenschwerpunkt blicken wir auf die Entwicklungen in der Türkei, Israel Ägypten, Nigeria und Südafrika.

Politische Risiken dominieren

Die türkische Wirtschaft folgt einem moderaten, aber stabilen Wachstumstrend (zuletzt 2,3%). Dessen Antrieb ist die Binnennachfrage. Die Exporte wirken dagegen wegen der schwächeren Nachfrage des Auslands bremsend. Das schlägt sich in einer rückläufigen Industrieproduktion nieder (zuletzt -2%). Andererseits legen die Umsätze des Einzelhandels preisbereinigt um 4,5% zu. Die Inflation ist mit zuletzt 8,2% weiter über dem geldpolitischen Ziel von 5%. Somit ist auf absehbare Zeit nicht mit einer monetären Lockerung zu rechnen. Der nächste Schritt dürfte eher nach oben gehen. Denn die Lira bleibt in dieser Konstellation schwach und treibt über die Importpreise die Inflation an. Der Ausblick wird von den politischen Risiken dominiert: Der Export leidet unter den Konflikten in wichtigen Märkten der Türkei (Nahost, Ukraine). Hinzu kommen die mit dem Wahlausgang gewachsenen innenpolitischen Spannungen. Sie beeinträchtigen zunehmend den Zufluss von Portfolio-Investments. Damit schwächen sie die Lira und halten die Inflation hoch.

Fazit: Die Notenbank wartet ab. Sie könnte aber zum Herbst hin die Zinsen erhöhen, um die schwächelnde Lira zu stützen und die Inflation einzudämmen.

Schlechte Stimmung

Die Unternehmen und Konsumenten Israels schauen skeptisch in die Zukunft. Der Einkaufsmanager-Index liegt mit zuletzt 47,6 Punkten unter der Expansionsschwelle – und das Konsumentenvertrauen im negativen Bereich. Dazu dürfte nicht zuletzt die Abwärtsrevision des Wachstums im 1. Quartal von 2,5% auf 2,1% beigetragen haben. Dahinter verbergen sich ein schwächerer Export und eine schwache Industrieproduktion. Die schwache Nachfrage kommt auch in der niedrigen Inflation mit zuletzt 0,4% zum Vorschein. Sie liegt damit weiter unter dem Ziel von 1% bis 3%. Hinzu kommt ein deutlicher Rückgang im Tourismus. Vor allem die Nachfrage aus Osteuropa und Russland ist eingebrochen. Impulse sind trotz der schlechten Stimmung eher von der Binnennachfrage her wahrscheinlich. Denn die Beschäftigung bleibt immerhin hoch und die Einkommen wachsen leicht. Das dürfte sich beim Konsum und der Bautätigkeit positiv niederschlagen.

Fazit: Solange nicht neue Unruhen in der Region die Märkte beunruhigen, bleibt der Schekel stabil.

Stabile Verhältnisse

Das ägyptische Pfund stabilisiert sich. Die Ausschläge werden kleiner. Dahinter steht eine Beruhigung der Lage: Das Wachstum zieht mittlerweile an. Tourismus und Industrie liefern wachsende Umsätze. Hinzu kommen fiskalische Impulse durch staatliche Investitionen. Die hohe, leicht anziehende Inflationsrate deutet ebenfalls auf eine wachsende Nachfrage hin. Allerdings bleibt die politische Lage fragil. Letztlich ist Ägypten nur zu einem restaurierten Mubarak-Regime unter neuem Namen zurückgekehrt.

Fazit: Solang die Ruhe hält, bleiben die Aussichten vorerst günstig.

Anpassungsdruck

Die gefallenen Ölpreise haben Nigerias Wirtschaft unter Druck gesetzt. Der Dollarstrom ist schwächer geworden. Das eröffnet Chancen, den Nicht-Öl-Sektor der Wirtschaft zu stärken. Dies könnte durch eine Wiederbelebung alter Stärken wie der Reis- oder Palmölproduktion geschehen. Beide waren wichtige Exportprodukte Nigerias. Mittlerweile belasten aber die starken Importe die Handelsbilanz. Unterdessen hält die Notenbank die Dollarparität des Naira bei 199 Naira je Dollar aufrecht.

Fazit: Dank ausreichender Reserven bietet der Ölpreisverfall Nigeria sogar neue Chancen.

Wachsende Risiken

Südafrikas Wirtschaft bleibt auf einem enttäuschend flachen Wachstumstrend von 2% bis 2,7% bis 2017. Angesichts einer Arbeitslosenrate um 25% ist das viel zu schwach. Die strukturellen Schwächen speziell bei der Energieversorgung und die anhaltenden sozialen Konflikte unterminieren die Wachstumsaussichten. Daher eröffnet nicht einmal die derzeit günstige Inflationsentwicklung mit zuletzt 4,6% in der Mitte der Zielzone von 3% bis 6% die Chance auf einen monetären Impuls. Die Geldpolitik steht trotzdem vor beachtlichen Herausforderungen: Das Defizit der Leistungsbilanz muss immer stärker mithilfe der volatilen Zuflüsse durch Portfolio-Investments finanziert werden. Diese Ströme dürften schwächer werden, wenn denn die US-Straffung einsetzt. Der schwache Trend zum US-Dollar bleibt daher auf jeden Fall bestehen. Dabei wächst die Gefahr einer Beschleunigung der Abwertung sogar noch. Das würde die Inflationsentwicklung verschärfen. Eine grundlegende Trendwende hin zu besseren wirtschaftlichen Aussichten wäre nur durch eine grundsätzliche Neuorientierung der Politik im Gefolge einer Ablösung der aktuellen Regierung möglich. Das aber ist auf absehbare Zeit praktisch ausgeschlossen. Daher geht die Misere weiter.

Fazit: Wir erwarten einen schwächeren Rand.

6-Monats-Übersicht zu ausgewählten Währungen aus Nahost und Afrika

LandWährung/ZinsAktueller KursAusblick 3 MonateAusblick 6 MonatePrognose-sicherheit
TürkeiTRL2,963,023,05neutral

3m-Zins11,0811,311,7
IsraelILS4,374,354,32unsicher
3m-Zins0,0980,10,1
ÄgyptenEGP8,688,608,60unsicher
3m-Zins9,39,19,3
NigeriaNGN220,71220225unsicher
3m-Zins131313
Südafrika

ZAR13,7713,9014,20neutral

3m-Zins6,166,06,0
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