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Bundesbank sieht Überlegungen für neue Strategie skeptisch

Sorgen um die künftige Geldpolitik

Die Bundesbank sieht die Überlegungen zur künftigen geldpolitischen Strategie der EZB skeptisch. Zwar hat die BuBa ihre einstige Vorreiterrolle in Europa veloren, seitdem sie in die EZB eingebunden ist. Dennoch hat ihre Stimme noch immer Gewicht. Die Unternehmen sollten genau hinhören.

Die Unternehmen sollten sich mit der neuen geldpolitischen Strategie der EZB auseinandersetzen. Denn sie kann zu erheblichen Verwerfungen und negativen konjunkturellen Effekten führen.

Die Strategie ist noch in der Diskussion. Im Kern geht es darum, das bisher angestrebte geldpolitische Ziel, die Teuerung unter aber nahe bei 2% zu halten, durch einen Durchschnittswert über einen längeren Zeitraum zu ersetzen.

Skeptische Bundesbank

Die Bundesbank sieht die Überlegungen im EZB-Rat mit einiger Skepsis. Und die ist gut begründet. Das Team um BuBa-Präsident Jens Weidmann sieht die Glaubwürdigkeit der EZB dabei in Gefahr

Schon das jetzige Ziel hat seine Tücken. Denn der EZB-Rat hat Preisstabilität zwischen 0 und 2% definiert. Sie wäre also derzeit erreicht und eigentlich Nichtstun geboten.

Inflationsdurchschnitt als Ziel für einen längeren Zeitraum

Die Begründung für die jetzigen Maßnahmen steht also in einem gewissen Zwielicht. Sie lassen sich wohl aus dem geldpolitischen Ziel, nicht aber aus der Definition von Preisstabilität ableiten. Thomas Ollinger, Präsident der Hauptverwaltung in Hessen der Deutschen Bundesbank, meinte denn auch bei einem Online-Vortrag als Gast des European Finance Forums EFF: „Die Unterscheidung zwischen dem, was man als Preisstabilität definiert und dem was man geldpolitisch anstrebt, ist etwas mühsam“.

Mit einem neuen „symmetrischen“ Ziel einer durchschnittlichen Inflationsrate, könnte sich die Problematik nochmals vergrößern. Zwar klingt die Überlegung zunächst ganz vernünftig. Gibt die EZB dieses neue Ziel vor, erhöhen sich die Inflationserwartungen. Die Marktzinsen steigen, ohne dass die Notenbank selbst etwas tun muss. In der jetzigen Situation könnte das helfen.

Hält die EZB eine solche neue Strategie durch?

Doch in Frankfurt wird auch über den umgekehrten Fall nachgedacht. Was passiert, wenn die Inflationsraten eine Zeitlang über dem Durchschnittswert liegen? Dann wäre die Notenbank in der Folge gezwungen, diese solange darunter zu drücken, bis der Durchschnittswert wieder erreicht ist. Ohne Rücksicht auf konjunkturelle Wirkungen. Ollinger: Das könnte zu wirtschaftlichen Verwerfungen führen und die Notenbank könnte versucht sein, sich von dieser Strategie abzuwenden. Das könnte sie ihre Glaubwürdigkeit kosten.

Daneben sieht Ollinger den zugrunde gelegten harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) als Maßstab kritisch. Denn dieser ignoriert – anders als etwa der nationale deutsche Preisindex – die Kosten für selbstgenutztes Wohneigentum. Diese aber treffen den Verbraucher durchaus unmittelbar.Wären diese im Inflationsindex enthalten, hätte sich in einzelnen Quartalen die Inflationsrate um 0,2%-Punkte nach oben verschoben.

Preisindizes aktuell mit Vorsicht zu genießen

Momentan sind die Preisindizes ohnehin mit Vorsicht zu genießen. Laut Statistischem Bundesamt führt die Corona-Krise zu einem Anstieg an Preisausfällen und darüber hinaus zu einer eingeschränkten Vororterhebung in den Geschäften.

Fazit: Ein weiterer Glaubwürdigkeitsverlust der EZB würde diese noch weiter der ohnehin schon sichtbaren fiskalischen Dominanz über die Geldpolitik unterwerfen. Es geht also letztlich um die Unabhängigkeit der Zentralbank – ein über lange Zeit erkämpftes Gut, dessen Wert nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Empfehlung: Die Unternehmen und ihre Vertretungen sollten sich verstärkt in die Diskussion um die geldpolitische Strategie einbringen.

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