Warsh, Waller, Bowman, Rieder: Vier Namen, ein Marktrisiko
In der nächsten Woche dürfte eine der weltweit wichtigsten Personalentscheidungen in diesem Jahr fallen: Donald Trump schlägt den Nachfolger für den Chefposten des US-Zentralbank Fed vor. Wie immer, wenn US-Präsident Trump seine Finger im Spiel hat, wird es undurchsichtig und der Ausgang schwer kalkulierbar.
Zwar gibt es mit Kevin Warsh einen Favoriten. Aber dass dieser am Ende auch den Posten erhält, ist keineswegs ausgemacht.
Ein Posten, der mehr bewegt als Zinsen
Die Uhr tickt bis Mitte Mai. Am 15. Mai 2026 endet Jerome Powells Amtszeit als Chair des Board of Governors. (FUCHSBRIEFE vom 15.12.2025). Der Nachfolger braucht die Zustimmung des Senats. Dort haben die Republikaner laut Papier nur eine Stimme Vorsprung. Ohne Bestätigung könnte Powell formal im Amt bleiben.
Das Machtzentrum ist das Board. Der Fed-Chef hat bei Zinsentscheidungen nur eine Stimme: Er bestimmt aber oft Richtung und Botschaft. Zusätzlich läuft Powells Amtszeit als Gouverneur bis 31. Januar 2028. Damit wird jede Personalie auch zur Machtfrage im Board, nicht nur zur Zinsfrage.
Die Kandidaten: Erfahrung, Nähe zum Weißen Haus, Marktsignal
Der Prozess ist komplex. Finanzminister Scott Bessent führt den Auswahlprozess. Auf seiner Shortlist stehen fünf Personen:
- Warsh steht für einen Regimewechsel. Er saß bereits von 2006 bis 2011 im Board und kritisiert laut Papier dauerhaft niedrige Zinsen sowie großvolumige Anleihekäufe ohne Exit-Strategie als Quelle von Fehlanreizen. Trump hat ihn öffentlich nach vorne geschoben. CNBC berichtet, Trump habe Warsh im Dezember 2025 an die Spitze seiner Liste gesetzt.
- Waller gilt als Kontinuitätsvariante. Kenner beschreiben ihn als Vertreter der bisherigen Fed-Linie und als jemanden, der umfangreiche Ankäufe von Vermögenswerten akzeptiert.
- Bowman setzt ihren Schwerpunkt auf die Bankenaufsicht und ist in der Geldpolitik bislang weniger hervorgetreten.
- Rieder wäre ein Marktpraktiker. Als Asset-Manager dürfte er einer expansiven Politik zur Stabilisierung der Finanzmärkte eher positiv gegenüberstehen, heißt es.
- Hassett ist politisch prominent, ihm fehlt aber ausgewiesene geldpolitische Erfahrung. Trump hat ihn am 16. Januar 2026 praktisch aus dem Rennen genommen.
Hürden bis zur endgültigen Bestimmung
Eine weitere Schwierigkeit kommt hinzu. Weil Powell als Gouverneur bis Ende Januar 2028 im Board bleiben kann, ist (s)ein Sitz nicht automatisch verfügbar. Der Nachfolger kann nur kommen, wenn zuvor ein Platz frei wird. Als möglicher Platzhalter wird Stephen Miran genannt. Er soll den Weg freimachen. Nach dem Rücktritt von Adriana Kugler wurde Miran als Nachfolger eingesetzt, allerdings nur für die Restlaufzeit bis Ende Januar 2026. Auch der Senat kann den Zeitplan sprengen. Für die Bestätigung der Personalie kann es also knapp werden.
Reaktionen der Märkte
Die Märkte reagieren bereits auf Kandidaten-Signale. Als Trumps Aussagen Hassett schwächten, sprangen laut MarketWatch die Wettmarkt-Chancen für Warsh deutlich nach oben und es kam zu Verkäufen bei Aktien und Staatsanleihen.
Fazit: Die Devisenmärkte müssen sich auf unruhige Wochen einstellen. Seit der Jahresmitte 2025 bewegt sich EUR gegen Dollar in einer Handelsspanne von 1,15 bis 1,18. D as könnte sich mit der Nominierung eines Falken ändern. Bei hawkischen Fed-Signalen sprang in der Vergangenheit der Dollar an und Aktien gerieten unter Druck.
Empfehlung: Positionieren Sie sich defensiv. Halten Sie USD-Absicherungen bereit und reduzieren Sie Dollar-sensitive Aktienrisiken vor der Nominierung. Warsh als Falke spricht eher für einen stärkeren Dollar und höhere Renditen. Bei Waller oder Rieder wäre die Marktreaktion vermutlich milder.