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Wie eine ökologische Geldpolitik nachhaltige Geldanlagen stützen kann

Wege zu einer grünen EZB

Die EZB überlegt, wie sie ökologische Kriterien in ihre Politik integrieren kann. Copyright: Pixabay
Die EZB wird im zweiten Halbjahr 2021 die Überprüfung ihrer Geldpolitik präsentieren. Vieles spricht dafür, dass sie das große Trendthema Nachhaltigkeit stärker in ihren Entscheidungen integrieren wird. Doch das ist nicht unproblematisch.

Wer seine Geldanlage nachhaltig ausrichtet, hat die EZB auf seiner Seite. Denn die Europäische Zentralbank wird Nachhaltigkeits-Aspekte stärker in ihre Politik einbeziehen. Das steht für Marktbeobachter außer Frage. Sowohl Zentralbankchefin Christine Lagarde, als auch Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel haben sich bereits für eine stärkere Verantwortung der EZB in puncto Nachhaltigkeit ausgesprochen. 

Zwei Hürden zu einer nachhaltigen Geldpolitik

Unklar ist allerdings, wie sehr die EZB nach „Grün“ schwenkt bzw. überhaupt schwenken kann. Denn es gibt eine formal-juristische und eine real-ökonomische Hürde. Fraglich ist, ob ein klares Bekenntnis in Richtung Nachhaltigkeit mit dem Markt-Neutralitätsgebot der Notenbank vereinbar ist. Gegner einer grünen Geldpolitik wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sagen, dass: „Ein Politikbereich, der weit außerhalb des eigentlichen Mandats der Notenbanken liegt, hat in der Geldpolitik nichts zu suchen,“ so Weidmann in der Financial Times.

Das derzeitige Anleihenkaufprogramm stützt zudem insbesondere Unternehmen mit einem hohen CO2-Fußabdruck. Das sind vor allem die Konzerne in der von der Pandemie und dem politisch forcierten Strukturwandel geplagten Schwerindustrie. Angesichts der politischen Zielstellung der EU-Klimaneutralität ist das widersprüchlich. Streicht die EZB diesen Firmen aber die Liquidität, stehen diese vor einem akuten Finanzierungsproblem. Auf der anderen Seite hätte eine gänzlich grüne Geldpolitik eine marktverzerrende Wirkung – zusätzlich zu der bereits ohnehin schon vorhandenen. 

Grüne Geldpolitik indirekt über die Etablierung von Klimarisiken

Vorstellbar ist aber, dass eine grüne Geldpolitik indirekt über Klimarisiken durchgesetzt wird. Das bedeutet, dass Anleihekäufe nur dann genehmigt werden, wenn die getätigten Investitionen mit einer Verringerung der CO2-Emissionen des Emittenten einhergehen. Dadurch können Unternehmen in die Pflicht genommen werden, Kredite gezielt zur Finanzierung nachhaltiger Investitionen zu gebrauchen. Finanzierungsberechtigt wären dabei weiterhin alle Unternehmen, wodurch die Marktneutralität nicht direkt berührt wird.

Großer Befürworter dieses Weges ist der Präsident der französischen Notenbank Francois Villeroy de Galhau. Denn auch ökologisch-bedingte Ausfälle und Schocks, würden sich auf die Preisstabilität auswirken. Demnach sei für Galhau eine Berücksichtigung der Klimarisiken bei der Kreditvergabe mit dem EZB-Mandat voll vereinbar. Auch Berenberg sieht hier den realistischsten Ansatzpunkt für eine grüne Geldpolitik. Den Leitfaden für Klimarisiken, hat die EZB bereits im vergangenen Mai erstellt. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde will eine ähnliche Taxonomie benutzen, um die Gebühren für nicht-grüne Finanzprodukte zu erhöhen (vgl. FB vom 22.02.2021).

Nachhaltige Portfolios mit Rückenwind der EZB

Für die Inhaber eines nachhaltig ausgerichteten Depots sind das gute Aussichten. Denn die Finanzierungspolitik der EU wird einerseits Unternehmen stärken, die  ohnehin schon nachhaltig ausgerichtet sind. Zudem wird sie zum geldpolitischen Instrument, um die ökologische Transformation der EU voranzutreiben. Das spielt nicht nur nachhaltigen Zulieferern sondern auch Fonds, die aktiv auf Impact Investing setzen in die Karten. Auch das Anlageuniversum nachhaltiger Titel wird sich perspektivisch erweitern.

Fazit: Eine grüne EZB würde sich dem politisch forcierten Nachhaltigkeits-Willen unterwerfen. Das ist in jedem Fall marktverzerrend, so wie ohnehin die gesamte Geldpolitik seit der Finanzkrise. Über den indirekten Weg der Klimarisiken ist das aber durchaus vorstellbar. Nachhaltig ausgerichtete Anleger haben die Notenbank auf jeden Fall nicht zum Feind.

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