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Japans Regierung erhöht die Verschuldung deutlich

Wie gefährlich ist Japans neues Schuldenpaket?

Die Ratingagentur Fitch warnt vor Japans neuem Schuldenpaket. Die Zentralbank von Japan (BoJ) diszipliniert die Regierung mit einem angekündigten vorsichtigen Rückzug von der Schuldenfinanzierung. Sie steht weiter als Sicherheitsnetz zur Verfügung. Zahlen zu Volumen, Finanzierung und Käuferstruktur zeigen, warum Japan 250% Schuldenquote tragen kann. FUCHSBRIEFE erläutern Risiken, Marktmechanik und Handlungspfade.

Japan hat bereits enorme Schulden, setzt aber erneut auf ein gigantisches Schuldenpaket, um die Konjunktur anzukurbeln. Die Summen sind außergewöhnlich. Das neue Konjunkturpaket der Regierung unter Sanae Takaichi umfasst 21,3 Billionen Yen (117,7 Mrd. Euro). Es ist das größte seit der Pandemie und zielt auf Entlastungen (z. B. bei Energie) sowie Investitionen. Zugleich hat das Kabinett einen Extrahaushalt über 18,3 Billionen Yen (101,1 Mrd. Euro) beschlossen, davon 11,7 Billionen Yen (64,6 Mrd. Euro) über neue Staatsanleihen (JGBs).

Fitchs Warnung und ihre Begründung

Fitch setzt bereits ein Ausrufezeichen. Die Ratingagentur warnt, dass eine signifikante fiskalische Lockerung den Schuldenpfad nach oben treiben und das Rating von A stabil gefährden könnte. Das Paket sei rund 3,4% des BIP groß, enthalte aber auch nicht fiskalische Elemente; die Umsetzung und zeitliche Verteilung seien unsicher.

Japans Schuldenquote bleibt extrem hoch, stiegt noch weiter. Das Land hat mit etwa 250% des BIP die höchste Verschuldung unter den von Fitch bewerteten Staaten. Kurzfristig hilft Reflation durch höhere Steuereinnahmen, langfristig belasten Demografie und steigende reale Zinsen die Tragfähigkeit.

Renditen und Kurvensteuerung

Die Renditen senden bereits Signale. Die 30 jährige JGB Rendite lag jüngst um 3,3% und markierte Mehrjahreshochs. Das signalisiert, dass reine Fiskalexpansion ohne Reformen am langen Ende teuer wird.

Das Finanzministerium steuert das Angebot. Der Emissionsplan wird zugunsten kurz- und mittelfristiger JGBs und T Bills verschoben; Lang- und Superlangläufer bleiben unverändert. Ziel ist, die lange Kurve zu beruhigen und die Marktaufnahmefähigkeit zu sichern.

Wer kauft die Schulden?

Entscheidend für Japans Sonderstellung unter den G7-Staaten in Sachen Staatsverschuldung ist und bleibt aber die Käuferstruktur. Ende 2024 hielten Ausländer 11,9% der JGBs und T Bills; bei Langläufern ohne T Bills waren es 6,7%. Die Bank of Japan hielt etwa 46%, Versicherungen und Pensionskassen zusammen rund 18%, Banken etwa 11% bis 15%.

Zum Vergleich: Europa ist deutlich stärker vom Ausland finanziert – und daher anfälliger für eine Schuldenkrise. Deutschland kommt grob auf 58,6% Auslandsanteil an Bundespapieren; Frankreich meldet 54,7% Nicht Residenten im ersten Quartal 2025. Die USA liegen bei rund 30% der öffentlich gehaltenen Treasuries in ausländischer Hand.

Bank of Japan als Sicherheitsnetz

Die japanische Notenbank tapert vorsichtig. Die BoJ reduziert ihre Bruttokäufe um 400 Mrd. Yen (2,2 Mrd. Euro) pro Quartal bis März 2026 auf etwa 3 Billionen Yen (16,6 Mrd. Euro) monatlich; danach um 200 Mrd. Yen (1,1 Mrd. Euro) pro Quartal bis März 2027 auf 2,1 Billionen Yen (11,6 Mrd. Euro).

Netto schrumpft der Bestand dennoch. Fitch kalkuliert negative Netto Käufe: −33,6 Billionen Yen (185,6 Mrd. Euro) in 2025 und −45,6 Billionen Yen (252,0 Mrd. Euro) in 2026. Damit muss der Privatsektor deutlich mehr JGB Emissionen absorbieren.

Auslandszuflüsse und Langläufer

Ausländer kaufen selektiv zu. Im zweiten Quartal 2025 lag der Nettokauf ausländischer Anleger in JGBs mit mehr als zehn Jahren Laufzeit bei über 5 Billionen Yen (27,6 Mrd. Euro). Treiber sind Hedging Renditen und relative Bewertung am langen Ende.

Das ist Chance und Risiko zugleich. Die Zuflüsse stützen Preise, erhöhen aber die Sensitivität gegenüber globalen Schocks. Daher hält das Finanzministerium Superlang Emissionen zurück und verstärkt Kurzläufer sowie T Bills.

Risikoabwägung

Kurzfristig sind starke Schwankungen bei Renditen und Kursen wahrscheinlich. QT, höheres Netto-Angebot und Marktpreisfindung am langen Ende bedeuten Kurs-, also Preis-Schwankungen. Die BoJ lässt mehr Marktkräfte zu, hält aber Interventionen bereit, falls die Renditen „unvernünftig“ steigen.

Mittelfristig zählen auch in Japan Strukturreformen. Ohne Produktivitätsfortschritte wird die demografische Last die Tragfähigkeit drücken. Fitch sieht die öffentlichen Finanzen als zentrales Kreditrisiko, trotz kurzfristiger reflationärer Entlastung. 

Wie werden die Kredite tatsächlich genutzt?

Wie in Deutschland, das mit schlechtem Beispiel vorangeht, wird entscheidend sein, wofür die Schulden genutzt werden. Werden sie verfrühstückt – wie hierzulande zu einem beträchtlichen Anteil von Lars Klingbeil (SPD) und Friedrich Merz (CDU)? Oder werden sie tatsächlich planvoll investiert?

Fazit: Das Risiko einer von Japan ausgehenden Finanzkrise ist aus Sicht von FUCHSBRIEFE geringer als in Europa. Japans Schuldenmodell basiert auf Inlandsfinanzierung und einer Notenbank, die im Zweifel eingreift. Anders als die heterogene Eurozone mit hoher Auslandsabhängigkeit und politischer Fragmentierung bleibt Japan stabiler.
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