Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
1119
Geldpolitik | Finanzmärkte

Zinsen beginnen zu steigen

Die Zinsen für Untenehmenskredite und Hypotheken haben ihren Tiefpunkt offenbar erreicht. Über alle Laufzeiten klettern die Kreditkonditionen nach oben. Das könnte der Anfang einer längeren Bewegung sein.

 

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Chefwechsel vollzogen – und muss sich mit sinkenden Inflationsraten auseinandersetzen. Die Inflationsrate in der Eurozone hat sich im Oktober weiter abgeschwächt. Laut Eurostat lagen die Preise um 0,7% über dem Vorjahresmonat. Ausschlaggebend für den sinkenden Preisauftrieb sind die deutlich fallenden Preise für Energierohstoffe. Energie ist um 3,2% günstiger als noch vor einem Jahr. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungstitel betrug 1,1% (+0,1 Prozentpunkt ggü. September). In Deutschland lag die Inflationsrate bei 1,1%.

Auffällig ist, dass die Kapitalmarktzinsen dennoch steigen. Über alle Laufzeiten sind die Zinsen nach oben geklettert. Das ist auch gut aus der Zinskurve ablesbar (vgl. Chart). Am ganz kurzen Ende gab es kaum Bewegung. Je länger die Zinsbindung jedoch wird, desto stärker ist die Aufwärtsbewegung. Besonders stark war die Bewegung der 10-jährigen Rendite. Diese kletterte von -0,70% auf -0,4% in die Höhe.

Kredite werden erstmals seit Monaten teurer. Der durchschnittliche Zins für Unternehmenskredite mit einer anfänglichen Zinsbindung von 5 Jahren liegt bei 1,33% (Barkow Consulting). Der durchschnittliche Hypothekenzins für eine 10-jährigen Zinsbindung ist binnen vier Wochen von 0,72 auf 0,75% gestiegen.

Banken haben keine Luft mehr

Im Trend manifestiert sich damit die Bodenbildung bei den Zinsen. Wie an dieser Stelle schon geschrieben haben die Banken schlicht keine Luft mehr, die Zinsen noch weiter zu senken. Selbst wenn der Wettbewerb um Kunden groß ist. Der Zwang, eine Mindestmarge zu erwirtschaften, begrenzt bei den Instituten die Möglichkeit, Zinssenkungen weiterzureichen.

Auch auf der Anlageseite für Cashbestände werden sich die Konditionen sukzessive verschlechtern. Denn es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Banken flächendeckend die Gebührenschraube anziehen werden, um die Negativzinsen der Notenbank (akt. -0,5%) auszugleichen. Das hat die Deutsche Bank bei der Bekanntgabe ihres jüngsten Quartalsergebnisses zwischen den Zeilen angedeutet. Es sei zwingend nötig, „andere Erlösquellen wie Gebühren" zu erschließen, um die Kosten der Negativzinsen abzufangen. Die gleichen Töne haben wir auch schon aus den Genossenschaftsbanken vernommen. Richten Sie sich darauf ein, dass die „Kontoführungsgebühren" auch auf weniger Vermögende und kleinere Unternehmen ausgedehnt werden.

Zinskurve am 04.11.2019

Fazit

Insgesamt bleibt die Kreditversorgung sehr gut. Unternehmer sollten aber darauf einstellen, dass die Zinsen nicht noch weiter sinkenden. Sie haben vielmehr den Boden erreicht. Und absehbar wird es auf der Cash-Anlageseite teurer werden.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Bei eigenem Zähler ist der Mieter Vertragspartner des Energieversorgers

Vermieter haftet nicht für Strom des Mieters

Für mehr als 8.000 Wohnungen in Hamburg gab es in 2019 eine Stromsperre, weil niemand die Rechnung bezahlen wollte. Muss in diesen Fällen notfalls auch der Vermieter die ausstehenden Beträge begleichen?
  • Fuchs plus
  • Wo man noch in Immobilien anlegen kann

Dortmund, ein Geheimtipp

Blick auf die Dortmunder Innenstadt. Copyright: Pixabay
Dortmund hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Die Lebensqualität in der Stadt ist durch neue Attraktionen und Stadtviertel gestiegen. Im Strukturwandel ist die Stadt gut vorangekommen. In mehreren Sektoren entstehen neue Arbeitsplätze. Seit zwei Jahren steigen auch die Immobilienpreise an...
  • Fuchs plus
  • UN Bevölkerungsprognose

Osteuropa blutet aus

Die UN hat eine neue Weltbevölkerungsprognose abgegeben. Diese sieht vor allem für Osteuropa negativ aus. Dessen Einwohnerzahl wird bis 2050 je nach Region um bis zu 25% schrumpfen.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Konjunktur auf Sparflamme

EZB-Politik hungert Wirtschaft aus

Die Niedrigzinspolitik der EZB wird zunehmend zur Belastung für die Euro-Volkswirtschaften. Denn sie führt zu einer Schwächung des Produktivitätswachstums und des Wettbewerbs. In der Folge wird das Wirtschaftswachstum immer geringer.
  • Fuchs plus
  • Wertvolle Bücher mit Stempel

Exlilbris bietet Sammlern viel zu entdecken

In Zeiten dynamisch wachsender Online-Medien entdecken einige Kunstliebhaber und Sammler gedruckte Bücher wieder. Davon profitiert auch ein anderes Sammelgebiet, bei dem es nur um ganz kleien Stempel in den gedruckten Publikationen geht. Exlibris sind ein attraktives Sammelgebiet, auf dem ein wenig Spezialwissen gefragt ist.
  • Fuchs plus
  • Wie versucht wird, über Personalpolitik den öffentlichen Diskurs zu beeinflussen

Köpfe tauschen

Deutschland nervt. Die hierzulande in der Öffentlichkeit und auch Teilen der Ökonomie vorherrschende Auffassung, dass eine zu hohe Kreditaufnahme mittel- und langfristig schädlich ist für die Volkwirtschaft, teilen die meisten Institutionen (derzeit) nicht. Über Personalpolitik wird versucht, den hiesigen Mainstream umzulenken.
Zum Seitenanfang