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Zinserhöhung bremst Wohnungsbau

Die Bauwirtschaft befürchtet, dass die Anhebung des Leitzins den Wohnungsbau dämpft. Doch die Ursachen, dass immer weniger Wohnungen fertiggestellt werden, liegt woanders: bei zu hohen Standards, zu viel Bürokratie und einer unattraktiven Förderung.

Die Erhöhung des EZB-Leitzinses auf 2,5% wird den schwächelnden Wohnungsbau in Deutschland weiter ausbremsen. „Die Zinsanhebung mag als Reaktion auf eine steigende Inflation richtig sein – dem Wohnungsbau wird es leider nicht helfen“, sagte Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, den FUCHSBRIEFEN. Zuvor hatte der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) davor gewarnt, dass die Zinserhöhungen die Rezession am Bau anheizt.

Für das laufende Jahr rechnet das Münchner Ifo-Institut mit einem weiteren Rückgang beim Wohnungsbau auf etwa 185.000 fertiggestellte Wohnungen. Bereits 2025 war die Zahl der fertiggestellten Wohnungen auf rund 210.000 Einheiten gesunken. Der jährliche Bedarf wird bundesweit auf 400.000 Wohnungen geschätzt. Betroffen sind vor allem wirtschaftlich leistungsfähige Ballungszentren sowie die Bundeshauptstadt Berlin.

Zu hohe Baukosten 

Bereits kleine Zinsschritte belasten das Budget der Häuslebauer stark. Bei einem Anstieg der Zinsen um 0,5 Prozentpunkten steigen die Mehrkosten bei einer Kreditsumme von 400.000 Euro um etwa 170 Euro im Monat bzw. 2.000 Euro im Jahr. Projektentwickler betonen, dass durch ein Zinsplus der mögliche Fremdkapitalanteil sinkt. Investoren müssen mehr Eigenkapital einbringen, was viele Neubauprojekte unrentabel macht und zu Stornierungen führt.

Müller betonte gegenüber den FUCHSBRIEFEN, dass die Anhebung des Leitzinses um 0,25 Basispunkte "den Kohl auch nicht fett machen". Denn die Gründe für die schlechte Bilanz sei darauf zurückzuführen, dass die Baukosten aufgrund staatlicher Regulierung und Anforderungen an die Gebäude künstlich hochgehalten würden. Deshalb brauche es eine heftige Entlastung bei den Finanzierungskosten durch sinnvoll zugeschnittene und gut ausgestattete Zinsverbilligungsprogramme.

Geringere Standards vorgesehen

„Entsprechende Förderprogramme sind jedoch bis heute nicht im ausreichenden Maße und auch nicht verlässlich vorhanden“, sagte Müller weiter. In absehbarer Zeit müsse der Wohnungsbaumarkt natürlich wieder ohne den Staat auskommen, dafür müssten aber Anforderungen runtergeschraubt und Bürokratie abgebaut werden.

Die Bundesregierung plant derzeit eine Reihe von Maßnahmen, um den Wohnungsbau anzukurbeln. Mit den sogenannten Bau-Turbo und der Baurechtsreform sollen Flächenausweisungen schneller sowie Planungs- und Genehmigungsverfahren vereinfacht werden. Geplant ist auch die Gründung einer staatlichen Wohnungsbaugesellschaft sowie die Senkung der Baukosten durch geringere Standards. Bund und Länder haben dafür eine gemeinsame Plattform „Kostenreduziertes Bauen“ vereinbart.

Fazit: Der höhere Leitzins bremst den Wohnungsbau zusätzlich. Der größte Hemmschuh lieget aber bei zu hohen Standards und zu viel Bürokratie.
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