Aktionärsschützer unterstützen Blumes Sparkurs
VW-Vorstandschef Oliver Blume bekommt für seine Restrukturierungspläne Rückendeckung von Aktionärsvertretern. „Die Lage bei VW ist so dramatisch wie selten zuvor. Der Konzern muss einen harten Sanierungskurs einschlagen. Kosten müssen runter und Überkapazitäten abgebaut werden“, sagt der Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, im Gespräch mit den FUCHSBRIEFEN. Blume stimmt derzeit auf Betriebsversammlungen bei der Belegschaft um Zustimmung.
Sollte Blume seinen Sanierungskurs nicht umsetzen, so der DSW-Präsident weiter, drohe der Konzern seine Spitzenposition in der Autobranche zu verlieren, so wie es in den USA bereits General Motors und Ford ergangen sei. Hocker: „VW kann nur überleben, wenn die Standorte international wettbewerbsfähig sind. Sind sie es nicht, führt kein Weg an Werksschließungen vorbei.“
Unterdurchschnittliche Marge
Blume will in Deutschland Werke schließen und Stellen abbauen. Auf der Kippe stehen die Standorte in Zwickau, Neckarsulm, Hannover und Emden. Das Ziel: Die operative Marge der in Deutschland produzierten VW-Modelle soll von 3,8% auf das branchenübliche Niveau von etwa 9% steigen. Auch sollen globale Überkapazitäten von 3 Mio. Fahrzeugen abgebaut und mehr FuE im kostengünstigeren China umgesetzt werden.
Zudem stehen in Deutschland die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche sowie Lohnkürzungen im Raum. Der Grund: Allein im Konzernvergleich liegen die Arbeitskosten in der Produktion mit durchschnittlich 65 Euro die Stude im Vergleich zu Konzernmarken wie Skoda in Tschechien mit 24 Euro erheblich höher.
Mitbestimmung in der Kritik
„Das Problem der VW-Group ist die Übermittbestimmung. Gewerkschaft, Betriebsrat und das Land Niedersachsen sind im Verwaltungsrat viel zu mächtig“, sagt Hocker. „Sie blockieren bislang einen nachhaltigen Reformkurs, der jetzt aber noch möglich wäre, um das Unternehmen zu alter Stärke zurückzuführen. Das VW-Gesetz, das zwei Aufsichtsräte garantiert, hat sich überlebt.“
Ziel, so der DSW-Präsident, müsse es jetzt sein, durch Kostensenkungen die Umsatzrendite in den kommenden zwei Jahren mindestens zu verdoppeln, um so viel Geld zu erwirtschaften, dass VW bei Innovationen mit der Konkurrenz aus Fernost nicht ins Hintertreffen gerate. Hocker: „Es geht um die Perspektive des Konzerns. Deshalb muss das VW-Management dort Geld investieren, wo die Zukunftsmärkte sind.“
Mehr Geld in FuE
Spare Blume aber an der falschen Stelle, bei Forschung und Entwicklung, verbaue er die Zukunft des Unternehmens und schade langfristig auch den Aktionären. „Anleger dürfen den Glauben in ihr Investment nicht verlieren.“ Auch sollten Kleinaktionäre, das Land Niedersachsen sowie die Großaktionäre der Familien Piëch und Porsche, auf Dividenden verzichten, wenn der Sanierungskurs den Konzern fit für die Zukunft macht.“