EU: Kritischer Engpass bei Seltenen Erden
Die Europäer drohen den Kampf um die Seltenen Erden zu verlieren. Dabei sind diese Rohstoffe für Zukunftstechnologien wie Handys, Drohnen oder Elektromobilität unerlässlich. „Seltene Erden sind geologisch gar nicht so selten. Sie kommen weltweit vor, allerdings nur selten in Konzentrationen, die einen wirtschaftlichen Abbau ermöglichen." Das sagt Andreas Kroll, Geschäftsführer von Noble Elements, im Interview mit den FUCHSBRIEFEN.
"Der eigentliche Engpass liegt in der aufwendigen Trennung und Aufbereitung", so Kroll. Das Problem in Zahlen: China förderte 2024 rund 60% der Seltenen Erden, kontrollierte aber etwa 91% der weltweiten Verarbeitung. Diese Dominanz beruht auf einer über Jahrzehnte aufgebauten Wertschöpfungskette“, erklärt Kroll. Noble Elements versucht von Berlin aus Lieferketten für Seltene Erden und Industriemetalle unter Umgehung von China aufzubauen.
Chinesische Experten dürfen nicht ins Ausland reisen
Über das Knowhow und die Technologien zur Raffinierung von Seltenen Erden wacht China argwöhnisch. Weder werden einschlägige Anlagen exportiert, noch dürfen Experten ins Ausland reisen. Außerhalb Chinas gibt es daher nur wenige Produzenten im industriellen Maßstab. Dazu zählt namentlich das australische Unternehmen Lynas Rare Earths, dessen Abnehmer hauptsächlich in Asien sitzen.
Unterdessen haben die USA die Sicherung der Versorgung mit Seltenen Erden zur Chefsache erklärt und versuchen die Chinesen einzuholen. Dabei investiert das Land etwa massiv in die Produktionskapazitäten von MP Materials mir ihrer Mountain Pass-Mine in Kalifornien.
USA versuchen aufzuholen
Die USA behandeln den Zugang zu kritischen Rohstoffen inzwischen als Frage der nationalen Sicherheit. "Sie haben die Verantwortung vor allem beim Verteidigungsministerium gebündelt und stellen Milliarden bereit – über Beteiligungen, Kredite, garantierte Mindestpreise und langfristige Abnahmeverträge. Das schafft ein deutlich besseres Investitionsklima: Unternehmen können Risiken absichern, schneller wachsen und gezielt weitere Teile der Wertschöpfungskette übernehmen“, sagt Kroll.
Dagegen gäbe es weder in Deutschland noch Europa aussichtsreiche Versuche, sich den Zugang zu Seltenen Erden zu sichern. Was in Europa noch an einschlägiger Expertise vorhanden ist, lassen sich die Europäer widerstandslos wegkaufen.
USA übernehmen deutsche Industrieperle
Dabei holen sich amerikanische Unternehmen zunehmend bestehende Kapazitäten und Know-How aus Europa. USA Rare Earth übernahmen 2025 den britischen Hersteller Less Common Metals, der Seltene-Erden-Oxide zu Metallen und Legierungen verarbeitet. 2026 vereinbarte Energy Fuels die Übernahme der Vaccuumschmelze in Hanau, eines der weltweit führenden Unternehmen für Permanentmagnete. "Europa baut also nicht nur zu wenige eigene Kapazitäten auf, sondern läuft Gefahr, auch die vorhandenen zu verlieren“, kritisiert Kroll.
Fazit: Europa braucht einen Masterplan, um die erforderlichen Techniken zu schaffen, Minen und Raffineriekapazitäten aufzubauen.
Hinweis: Das ganze Interview finden Sie auf www.fuchsbriefe.de/interview