Hitze erfordert resilienteres Saatgut
Die Bayer AG, größter Saatgutkonzern der Welt, plant angesichts der zunehmenden Erderwärmung mit wenig Niederschlägen hitzeresistente Ackerkulturen auch in Deutschland anzubieten. „Besonders beim Weizen hat dieser Sommer erneut deutlich gemacht, wie stark Trockenheit und Hitzestress den Winterweizen beeinflussen. Um diese Umweltfaktoren noch besser begegnen zu können, planen wir, unseren Hybridweizen Anfang der 2030er Jahre gleichzeitig in Europa und Nordamerika einzuführen“, sagte Christiane Hoene, Sprecher der Crop Science Division, den FUCHSBRIEFEN.
Die von den Leverkusenern entwickelte Weizenpflanze besitzt unter anderem eine stärkere Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress durch Trockenheit und Hitze und ein verbessertes Wurzelwachstum. Zudem zeigen nach Angaben des Unternehmens die Konzerndaten sowie veröffentlichte Forschungsergebnisse, dass Hybriden stärkere Wurzelsysteme entwickeln. Dadurch könnten die Pflanzen Wasser und Nährstoffe besser aufnehmen. „Wir brauchen klimaresilienteres und angepasstes Saatgut, das besser mit Trockenheit, Hitze, und hohem Schädlingsdruck klarkommen kann“, sagte Hoene weiter.
Mais für Afrika
Beim Mais haben die Rheinländer in Forschung und Anwendung bereits Fortschritte im Bereich der konventionellen Züchtung und der herkömmlichen Gentechnik machen können. In Afrika bieten sie im Rahmen eines Public-Private-Partnership lizenzfrei eine Sorte an, die bei moderater Trockenheit wesentlich höhere Erträge ermöglicht. Zudem haben sie mit Preceon eine Sorte entwickelt, der über ein Wurzelsystem verfügt, das tiefer in den Boden gelangt. Das lässt laut Hoene auf einen besseren Umgang mit Trockenheit hoffen, da sich die Pflanze das Wasser aus tieferen Bodenschichten holen kann.
In Deutschland wird der heiße Sommer und der Wassermangel laut der Münchner BayWa nahezu flächendeckend zu Einbußen im Ertrag in der Landwirtschaft führen. Besonders betroffen sind laut Europas größtem Agrarhändler vor allem Bayern und Baden-Württemberg, wo die Erntemengen in etwa bei 10-20% unter dem Vorjahr liegen. „Die aktuelle Entwicklung der Preise in der Landwirtschaft ist neben der geringeren Erntemenge aber weiterhin von einer guten Versorgungslage der Mühlen in Deutschland geprägt“, sagte ein Unternehmenssprecher den FUCHSBRIEFEN. Zurückzuführen ist das auf die stabilen Importe.
Problemfall Getreide
Der Ernteerträge in Deutschland fallen je nach Ackerkultur allerdings unterschiedlich aus. Für die Getreideernte werden im Vergleich zu den Durchschnittsjahren empfindliche Einbrüche prognostiziert. Besonders stark trafen die hohen Temperaturen den Winterweizen, der sich während der Hitzewelle noch in der Kornfüllung befand. Wintergerste war dagegen schon weitgehend ausgereift und blieb von größeren Ertragseinbußen verschont.
So erwartet der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) trotz einer bundesweit leicht gestiegenen Anbaufläche nur noch eine Getreideernte mit einem Volumen von 42,7 Mio. t. Das sind 1,4 Mio. t weniger als in der Juni-Prognose des Verbandes und 5,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Bei Raps hält der DRV dagegen an seiner Prognose fest und schätzt, dass die Ernte mit nun 4,03 Mio. t. leicht über dem Vorjahresergebnis von 3,97 Mio. t. liegt.
Wirtschaftlicher Druck
Enorm leidet auch der Körnermais unter der Trockenheit, da die extreme Hitze die empfindliche Bestäubungsphase im Sommer stört. „Die aktuellen Erntezahlen erhöhen den wirtschaftlichen Druck auf unsere Betriebe erheblich. Schwächere Erträge, geringere Erlöse und hohe Betriebskosten treffen die Landwirtschaft in einer ohnehin angespannten Lage“, sagt Bauernpräsident Joachim Rukwied.