VW versucht die Wende
Einige Beobachter hatten einen epochalen Machtkampf bei VW vorausgesagt. Die Überraschung war daher riesig, als Europas größter Autokonzern mitteilte, der Aufsichtsrat habe einstimmig „das strategisch tiefgreifendste Transformationsprogramm in der Geschichte von Volkswagen“ beschlossen.
Konzernchef Oliver Blume spricht von einem "starken Signal für die Zukunft des Volkswagen-Konzerns". Für die Belegschaft bedeutet das Sparprogramm aber vor allem harte Einschnitte. Noch einmal 50.000 Arbeitsplätze will das Unternehmen abbauen, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Einschließlich vorheriger Beschlüsse belaufen sich die Jobverluste bei VW damit auf 100.000 Stellen.
Auch Xiaomi blickt nach Deutschland
Das sind bislang nicht gekannte Dimensionen. Doch dass sich die IG Metall und der VW-Betriebsrat auf den Sanierungsplan eingelassen haben, zeigt, wie ernst die Lage inzwischen in der Autoindustrie geworden ist. In China gehen die Absatzzahlen der deutschen Hersteller rasant zurück. In den USA zehren die Zölle von Präsident Donald Trump an ihren Gewinnen. In Europa schrumpft der Markt, und die Konkurrenz durch chinesische Hersteller wächst immer schneller.
Ins Bild passt da eine Ankündigung des chinesischen Technologiekonzerns Xiaomi auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin. Das Unternehmen will ab 2027 in Deutschland Elektroautos verkaufen. Hierzu hat man acht deutsche Vertriebspartner gefunden. Anders als Konkurrenten, die Marktanteile über Billigstromer suchen, positioniert sich Xiaomi im Premiumsegment. Im Mittelpunkt steht dabei die neue Generation der SU7-Baureihe. Das Modell „SU7 Ultra“ erinnert äußerlich stark an Porsche.
Hohe Kapazitäten in China
Nach Einschätzung des US-Ökonomen Brad Sester „trifft der China-Schock Deutschlands industriellen Kern“. Das „Land der Mitte“ verfüge, so der Experte in einem Interview, inzwischen über eine Kapazität von 55 Millionen Fahrzeugen pro Jahr und könnte die europäische Nachfrage im Alleingang bedienen. Doch seien auch bestimmte Maschinenbau- und Chemiesektoren in Europa von der chinesischen Strategie gefährdet.
Sester beobachtet die rasante Entwicklung in Deutschland und der EU mit Sorge. Er plädiert daher dafür, chinesische Exporte mit Zöllen zu belegen. Zugleich sei es ein adäquates Mittel chinesische Firmen, die auf den europäischen Markt drängen, in Joint Ventures zu zwingen.