Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
2370
Die Demografie als disruptiver Faktor

Wie die Mittelklasse erodiert

Die berüchtigtigte Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander. Copyright: Getty
Die demografische Entwicklung wird am Arbeitsmarkt, bei der Einkommensverteilung, für die Konjunktur, Gesellschaft und Finanzpolitik gravierende Folgen haben. Eine Studie zeigt die möglichen Folgen und das Gewicht einzelner Veränderungen auf.

Die Einkommensungleichheit in den Industriestaaten wird sich in den nächsten 20 Jahren erheblich verstärken. Wesentliche Ursache ist die demografische Entwicklung. Die gesellschaftlichen, konjunkturellen, politischen und finanziellen Folgen werden gravierend sein. Zu diesen Erkenntnissen kommt eine Studie der internationalen Unternehmensberatung Bain & Company.

Der Argumentationsstrang:

  1. Eine große Anzahl an gut qualifizierten Menschen scheidet in den kommenden zehn Jahren aus dem Berufsleben aus.
  2. Die Unternehmen reagieren mit massiven Investitionen in Automation. Allein in den USA rechnet Bain mit zusammengenommen 8 Billionen Dollar bis 2030.
  3. Das – so die gute Nachricht – wird vorübergehend einen Konjunkturboom auslösen mit einem Anstieg der Arbeitsproduktivität von durchschnittlich 30% gegenüber dem Jahr 2015. Der mündet dann allerdings in eine lange Stagnationsphase.
  4. Die Jobs im mittleren Einkommenssegment fallen weitgehend weg. Für die USA rechnet Bain mit 20-25% der derzeitigen Arbeitsplätze. In absoluten Zahlen sind das 40 Mio.
  5. Vor allem der Lohndruck auf Jahreseinkommen unterhalb von 30.000 US-$ steigt massiv. Was bleibt, sind 20% Jobs für Spitzenverdiener und 80% der eher prekären Art.
  6. Für Firmen heißt das: Top-Kräfte sind noch schwerer zu gewinnen und zu halten.
  7. Auch im Servicesektor wird die Automatisierung einschlagen. Hier wird sich die Transformation drei- bis viermal so schnell vollziehen wie in bisherigen Umbruchphasen, meint Bain.

Für diese Entwicklung gibt es in Umfang und Tiefe kaum vergleichbare historische Situationen. Ein paar Zahlen dazu: Der jährliche Arbeitskräftezuwachs geht in USA auf 0,4% in den 2020er und 0,3% in den 2030er Jahren zurück. In den 1970er Jahren lag er bei 2,3% p.a. Die Zunahme des Arbeitskräftepotenzials ist in den Jahren von 1950 bis 2015 allein verantwortlich für die Hälfte das BIP-Wachstums in dieser Zeit.

Die Konsequenzen sind gravierend. In den USA sind sie ja bereits zu erleben. Die Gesellschaft spaltet sich in (unversöhnliche) Lager. Der Zusammenhalt schwindet.

Man kann sich die weiteren Folgen an fünf Fingern abzählen. Gesellschaftliche Spannungen nehmen zu. Die Politik reagiert mit massiven Transfers. Die Staatsfinanzen laufen (weiter) aus dem Ruder.

Fazit: Jede Zukunftsbeschreibung kann Wechselwirkungen nur schwer vorwegnehmen. Darauf zu setzen, dass alles „halb so wild" wird, scheint allerdings naiv.

Neueste Artikel
  • Wochenbericht zu Projekt IX in KW 19: Aktive Akzente in ruhigem Marktumfeld

Spiekermann & Co. dominiert mit Rotation, DGK überzeugt mit Struktur

Illustriert mit Canva und ChatGPT
Im Performance‑Projekt 9 (Stiftungsportfolio) reicht eine Handvoll Transaktionen aus, um deutliche Unterschiede zu erzeugen. Während das Benchmarkdepot vollständig passiv bleibt, greifen einzelne Vermögensverwalter gezielt ein. Struktur, Risikoappetit und selektiver Handel prägen die Woche. Konkrete Umschichtungen im sechsstelligen Bereich entscheiden über Out‑ und Underperformance – und machen Projekt 9 zu einem Lehrstück moderner Vermögenssteuerung. Erfahren Sie hier mehr.
  • Wochenbericht zu Projekt VIII in KW 19: Strukturqualität im Stresstest

Kaiser Partner, Spiekermann & Co. und DGK setzen sich vorne ab

Illustriert mit Canva und ChatGPT
Im Performance‑Projekt 8 (vermögensverwaltende Fonds) entscheidet nicht das Timing, sondern die Architektur der Portfolios. Alle Vermögensverwalter verzichten vollständig auf Wertpapiertransaktionen – und dennoch öffnen sich klare Leistungsunterschiede. Während das Benchmarkdepot marktgetreu und stabil verläuft, nutzen einzelne Häuser ihre strategische Aufstellung deutlich besser. Wer mehr Rendite erzielt, zahlt mit höheren Schwankungen. Wer maximale Ruhe sucht, bleibt zurück. Lesen Sie hier.
  • Wochenbericht zu Projekt VII: Bewegung, Mut und Momentum im Private Banking

Gewinner der Woche: Kaiser Partner und A&Q setzen sich vom Feld ab

Illustriert mit Canva und ChatGPT
Im Performance‑Projekt 7 (Private-Banking) nutzt ein Teil der Vermögensverwalter die Marktphase konsequent aus. Während das Benchmarkdepot ohne jeden Eingriff von der positiven Marktentwicklung profitiert, erzielen einzelne Häuser durch gezielte Allokationsentscheidungen deutlich höhere Vermögenszuwächse. Auffällig ist dabei: Sowohl aktives Handeln als auch disziplinierte Untätigkeit führen zu Outperformance. Der Unterschied liegt im Risikoprofil – und in der Qualität der Entscheidungen.
Zum Seitenanfang