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Zinswende manifestiert sich

Notenbank spielt auf Zeit

Die Notenbank kann inzwischen nicht mehr lange auf Zeit spielen. Wer Kredit braucht, sollte sich diesen alsbald sichern.
Die Geldhüter der Europäischen Zentralbank (EZB) bereiten die Märkte weiter auf eine Normalisierung der Geldpolitik vor. Die jüngsten Äußerungen kommen von EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny. Der Österreicher meldete sich Ende Juli zu Wort und sprach sich für ein behutsames Herunterfahren der Anleihekäufe ab 2018 aus. Die Frage sei nicht, wann, sondern wie es weitergehe, so Nowtony. Damit reiht sich Nowotny hinter Bundesbankpräsident Jens Weidmann ein, der ebenfalls gefordert hat, dass die EZB den Fuß vom Gas nehmen solle. Die Notenbank kann darum inzwischen nicht mehr lange auf Zeit spielen (FB vom 10.07.). Ihr weiteres Vorgehen wird stark vom Konjunkturausblick für 2018 abhängen. Die ersten Projektionen dazu wird sie im Herbst vorlegen. Dann dürfte sie auch genauer erklären müssen, wie die Währungshüter den Einstieg in den Ausstieg gestalten wollen. Die Zinswende manifestiert sich an den Märkten ohnehin. Zwar ging es mit den Renditen der 10-jährigen deutschen Staatsanleihe wieder marginal nach unten auf 0,49%. Nach einer jahrelangen Abwärtsbewegung ist eine längere breitere Seitwärtsphase durchaus normal. Außerdem hat sich die Rendite sicher über 0,40% etabliert. Dafür entscheidend ist auch, dass die Konjunktur in der Eurozone stabil ist und dass die Inflationsraten anziehen. Für Deutschland lag die Rate der Geldentwertung im Juli bei 1,7%. Wer Kredit braucht, sollte sich diesen alsbald sichern. Zwar wird die EZB nicht über Nacht ihre Anleihekäufe beenden. Wahrscheinlicher ist eine Reduktion der monatlichen Ankäufe um 10 Mrd. Euro (derzeit 60 Mrd. Euro). Aber auch das wird sich unvermeidlich am Markt bemerkbar machen. Ein Blick über den Atlantik zeichnet dies vor. Als dort Mitte 2013 der Kurswechsel der Notenbank hin zum sogenannten Tapering Marktkonsens wurde, schossen die Anleiherenditen binnen vier Monaten von 1,6 auf 3% in die Höhe. Wir rechnen bis zum Herbst mit einer Rendite von 0,75%. Die 1 vor dem Komma für die deutsche zehnjährige Staatsanleihe ist am Horizont für 2018 sichtbar.

Fazit: Das Kreditumfeld ist noch günstig. Es ist aber klar absehbar, dass sich die Kreditkonditionen verteuern werden. Am kurzen Ende wird der Anstieg geringer sein als am langen Ende.

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