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Privat, staatlich, global – der Aufstieg der Schuldenstrategien

Schuldenweltmeister USA und Japan

Die Schuldenstände großer Industrieländer erreichen neue Höchstmarken – allen voran in den USA und Japan. Beide Länder unterscheiden sich in ihrer Wirtschaftsstruktur, ihren demografischen Herausforderungen und politischen Prioritäten – doch ihre wachsende Abhängigkeit von Kapitalmärkten verbindet sie zunehmend. Für Anleger ein Weckruf.

Die Vereinigten Staaten haben im Jahr 2025 eine Staatsverschuldung von über 120 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreicht – mehr als am Ende des Zweiten Weltkriegs (113 %). Noch im Jahr 2000 lag die Quote bei vergleichsweise moderaten 60 %.

Von den aktuell rund 35 Billionen US-Dollar Schulden entfallen etwa 7 Billionen Dollar auf staatliche Einrichtungen wie die Sozialversicherung. Der größere Teil – etwa 28 Billionen Dollar – liegt bei öffentlichen Gläubigern, darunter auch die Federal Reserve, US-Banken, Fonds sowie zunehmend ausländischen Investoren. Die Daten dazu liefert verlässlich der FRED Blog der Federal Reserve Bank of St. Louis, der in seiner aktuellen Analyse von März 2025 einen detaillierten Blick auf die Verteilung und Entwicklung der US-Schulden wirft.

Ausländische Investoren auf dem Vormarsch

Diese haben ihre Bestände an US-Staatsanleihen von 4 Billionen (2010) auf über 8 Billionen US-Dollar (2024) verdoppelt. Der Anteil internationaler Gläubiger wächst – mit zunehmender Bedeutung für Marktstabilität und Wechselkurse.

Die USA sind damit stark abhängig vom Vertrauen internationaler Kapitalmärkte. Ein Stimmungsumschwung könnte sich schnell in höheren Renditen und einem schwächeren Dollar niederschlagen.

Japan: Spitzenreiter bei der Staatsverschuldung

Noch höher liegt die Staatsverschuldung in Japan: Ende 2024 betrug sie 1.310 Billionen Yen – umgerechnet etwa 8,8 Billionen US-Dollar und rund 216 % des BIP. Bereits 2023 lag der Wert bei 195 % des BIP – Tendenz steigend.

Die Ursachen sind bekannt: eine alternde Bevölkerung, geringes Wirtschaftswachstum und chronische Haushaltsdefizite. Doch der Blick auf die Struktur der Finanzierung offenbart entscheidende Unterschiede zur US-Schuldenpolitik.

Binnenfinanzierung unter Druck

Traditionell wurden japanische Staatsschulden durch inländische Akteure finanziert: Versicherungen, Pensionsfonds und insbesondere die Bank of Japan, die im September 2024 etwa 52,6 % aller JGBs hielt.

Doch inzwischen steigt der Anteil ausländischer Investoren auf 8–9 %. Das wirkt zwar gering, entspricht bei Japans Gesamtverschuldung aber einem beträchtlichen Einfluss und deutet auf einen strukturellen Wandel hin.

Sozialpolitik auf Pump

Gleichzeitig finanzieren die Sozialversicherungen ihre Leistungen zunehmend über neue Anleihen, statt vorhandene Rücklagen zu nutzen. Der Anteil der Sozialreserven am BIP stieg von 36 % (1997) auf 60 % (2023) – investiert in risikoreichere Anlagen wie Aktien oder ausländische Bonds.

Die kurzfristige Entlastung durch diese Politik wird langfristig zum Risiko: Sie verschiebt das Problem in die Zukunft und erhöht gleichzeitig die Abhängigkeit von der Stabilität der globalen Finanzmärkte.

Japans Auslandsvermögen als Puffer – noch

Japan weist zwar eine der weltweit höchsten Nettoauslandsvermögenspositionen auf – mit über 418 Billionen Yen (Ende 2022). Das heißt: Japans Gläubigerposition gegenüber dem Ausland übersteigt seine Schulden deutlich.

Doch die externe Bruttoverschuldung steigt parallel: Ende 2024 lag sie bei 678 Billionen Yen. Wechselkursbewegungen, geopolitische Spannungen oder ein Zinsanstieg könnten diesen Puffer schnell erodieren lassen.

USA: Privatverschuldung größer als Staatsschulden

Noch brisanter als die Staatsverschuldung ist in den USA die private Verschuldung: Mit rund 140 % des BIP übertrifft sie die öffentlichen Schulden deutlich – und birgt ein hohes Krisenpotenzial.

Ein Frühindikator sind die Delinquency Rates, also Zahlungsausfälle bei Krediten. Diese liegen aktuell bei Kreditkarten über dem Niveau während der Pandemie, wenn auch unter dem der Finanzkrise 2008.

Zahlungsausfälle als Frühwarnsystem

In früheren Rezessionen – 1990/91, 2001 und 2008/09 – stiegen die Ausfälle jeweils mehrere Quartale vor dem wirtschaftlichen Abschwung. Doch das Signal ist nicht eindeutig: Auch zwischen 1994–1996 oder 2016 kam es zu Ausfallanstiegen ohne Rezession.

Dennoch gilt: Steigende Delinquency Rates gepaart mit hoher Verschuldung und Zinserhöhungen erhöhen das systemische Risiko – und damit auch die Anfälligkeit des Dollar-Raums für Schocks.

Fazit: Für Anleger ist die hohe Verschuldung ein zweischneidiges Schwert. Sie kann Wachstum stützen – birgt aber Inflations- und Ausfallrisiken. Während Japans Strategie auf Risikobereitschaft setzt, hängt die USA vom Vertrauen der Kapitalmärkte ab. Wer investiert, sollte wachsam bleiben: Schulden sind mehr als nur Zahlen – sie zeigen, wie stabil ein System wirklich ist. Der Anstieg des Goldpreises ist kein Zufall.

FRED Blog, Federal Reserve Bank of St. Louis

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