VW wird durch Politik ausgebremst
In der Automobil-Krise wird die Eigentümerstruktur zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor bei den deutschen Herstellern. BMW und Mercedes können handeln, Volkswagen muss verhandeln. Das wird durch die aktuellen Halbjahreszahlen der großen deutschen OEM bestätigt. BMW, VW und Mercedes-Benz kämpfen mit sinkenden Umsatz- und Absatzzahlen und leiten deshalb Restrukturierungsprogramme ein. Die Konzerne bauen tausende Jobs ab, senken Arbeitskosten und legen Modelloffensiven auf, um vor allem die einbrechenden Verkäufe im Schlüsselmarkt China von bis zu 30% aufzufangen.
Der entscheidende Unterschied zwischen den Konzernen ist die Eigentümerstruktur. Darum haben sich die Münchner und die Stuttgarter über den weltweiten Stellenabbau – BMW will 8.000 Arbeitsplätze streichen – mit den Betriebsräten mehr oder minder geeinigt. VW-Group-CEO Oliver Blume muss seine Sanierungspläne noch mindestens bis zum Jahresende aufschieben. Der Aufsichtsrat hat dem Manager vorerst gestoppt.
Bremser Niedersachsen
„Mit dem Land Niedersachsen ist ein Großaktionär beteiligt, dessen Stimmrechte als Vetomacht über dem Kapitalanteil liegen." Das sagt Automobilexpertin Beatrix Keim, Direktorin des Duisburger CAR – Center Automotive Research den FUCHSBRIEFEN. "Gleichzeitig prägt und erschwert eine traditionell starke Arbeitnehmervertretung durch IG Metall und die Betriebsräte der Marken die Entscheidungsprozesse“, so Keim. Mit anderen Worten: Die Politik ist mit dafür entscheidend, welche Spielräume der Vorstandschef der Restrukturierung hat.
Bei BMW sind die Verhältnisse einfach. Die Familie Quandt besitzt insgesamt 48,5% der Unternehmensanteile und ist damit der maßgebliche Faktor im Aufsichtsrat. BAIC als größter chinesischer Partner hält 9,98%, Geely über Gesellschaften 9,69% und Kuwait Investment Authority als Staatsfonds rund 5,57% der Aktien an der Mercedes-Benz-Group. Der Rest befindet sich im Free Float.
Blume muss warten
In Wolfsburg ist zwar die Porsche Automobil Holding SE der Familien Piëch und Porsche mit 53,3% der Anteile größter Aktionär. Doch durch das VW-Gesetz brauchen wichtige Entscheidungen wie die Schließung von Fabriken eine Mehrheit von mehr als 80% im Aufsichtsrat. Damit kann das Land Niedersachsen – Ausnahme ist Porsche - mit seinen rund 20% Anteilen solche Entscheidungen blockieren. Und das ist die Crux für die Sparpläne Blumes.
Denn der will angesichts der Überkapazitäten unter anderem Investitionen um 15% über einen Zeitraum von fünf Jahren auf rd. 130 Mrd. Euro kürzen, vier Werke in Deutschland schließen sowie weltweit 100.000 Stellen abbauen, um Betriebsabläufe zu optimieren. „Volkswagen hat über Jahre eine Doppelstruktur aufgebaut: Zahlreiche Funktionen existieren sowohl auf Konzernebene als auch in den einzelnen Marken. Diese Komplexität zu verringern, wird zu einer zentralen Aufgabe“, sagt Autoexpertin Keim.