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Devisen

Währungen aus Nahost und Afrika

Die ausgewählten Währungen aus Nahost und Afrika bleiben weiter schwach. Das Wachstum reicht nicht aus.

Schwierige Zukunft, schwächere Lira

Es spricht für sich, dass ein Diplomat wie Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn die türkische Politik als „Staatsterrorismus“ bezeichnet. Wird der Geldsegen aus der EU-Kasse gestoppt, würde das Ankara große Probleme schaffen. Zumal gerade die defizitäre Auslandsposition und der hohe Finanzierungsbedarf zu den schwachen Seiten der türkischen Wirtschaft gehören. Die Dollarschwäche samt gewachsener Risikoneigung der internationalen Anleger gleichen diese Belastung derzeit noch aus. Allerdings belasten Spekulationen über die von der Regierung gewünschten Zinssenkungen die Lira. Angesichts der wieder zweistelligen Inflation (zuletzt 10,7%) halten wir diese jedoch nicht für angebracht.

Fazit: Wir erwarten eine schwächere Lira.

Willkommene Schwäche  

Der Schekel hat in den letzten Wochen zum Dollar und stärker noch zum Euro nachgegeben. Diese Entwicklung wird von den israelischen Währungshütern mit Sympathie verfolgt. Der Leitzins steht bei 0,1% und die Inflation ist mit -0,7% per Juli wieder unter null gefallen. Damit rücken Zinserhöhungen in weite Ferne. Da kommt die Lockerung über den Devisenmarkt gerade recht. Der Wachstumstrend hat sich unterdessen abgeschwächt. Das 2. Quartal brachte mit 2,7% zum Vorjahr aber immer noch ein beachtliches Ergebnis. Es geht in erster Linie auf Impulse aus dem Export zurück. Positiv wirkt sich aus, dass sich der Fokus der geopolitischen Risiken nach Asien verlagert hat.

Fazit: Der Schekel dürfte schwach bleiben.

Die Inflation geht durch die Decke

Ägyptens Inflation ist bei 33% angekommen. Das wird das Pfund weiter belasten – zumal sich die Währungshüter angesichts der noch schwachen Konjunktur nicht zu einer Straffung entschließen konnten: Der Leitzins verharrt bei 19,25%. Das Wachstum hat allerdings weiter angezogen und liegt jetzt bei 4,9% im 2. Quartal (zuvor 4,3%). Den Angaben der Notenbank zufolge verstärkten sich die Exportnachfrage sowie die Investitionstätigkeit. Der Konsum trat in den Hintergrund. Auf der Entstehungsseite machen sich der Tourismus sowie die verarbeitende Industrie wieder positiv bemerkbar.

Fazit: Das Pfund bleibt durch die weiter anziehende Inflation weiter unter Druck.

Die Rezession ist überwunden

Nigeria hat mit einem Zuwachs von 0,55% zum Vorjahresquartal die Rezession überwunden. Der Zuwachs zum Vorquartal belief sich auf rund 3,2%. Den entscheidenden Beitrag lieferte der Nicht-Öl-Sektor, vor allem die Landwirtschaft. Das Land profitiert durch die indirekten Effekte: Da die Staatsfinanzierung nach wie vor stark von den Einnahmen aus dem Ölgeschäft abhängt, hatte der Einbruch des Ölpreises dazu gezwungen, die Staatsausgaben zurückzufahren. Das kehrt sich jetzt langsam wieder um: die Fiskalpolitik trägt wieder zum Wachstum bei. Zudem lockern sich durch die steigende Verfügbarkeit von Devisen Restriktionen für den Import wichtiger Zulieferungen. Daher kann die zuvor notgedrungen gedrosselte gewerbliche Produktion wieder positive Beiträge liefern. Dieser Aufwärtstrend ist auch im Einkaufsmanager-Index der Notenbank für die gewerblichen Produzenten erkennbar. Per April/Mai (letzte verfügbare Daten) stieg er wieder über die Marke von 50 Punkten in den Expansionsbereich. Das deutet auf weiteres Wachstum. Allerdings hat die Inflation mit 16% jetzt den Leitzins (14%) überholt. Das wird neuen Druck auf den Naira-Kurs bringen.

Fazit: Wir erwarten einen weiter schwachen Naira.

Wachstum, das nicht ausreicht

Auch Südafrika hat im 2. Quartal die Rezession hinter sich gelassen. Das annualisierte, also aufs Gesamtjahr hochgerechnete Wachstum betrug 2,5%. Der private Konsum liefert im Alleingang den nötigen Schub. Die Investitionstätigkeit war aber klar rückläufig (-2,6%). Für sich genommen kostete das rund 70 Basispunkte an Wachstum. Die Schwäche konzentriert sich auf die Anlageinvestitionen. Hier spiegelt sich das geringe Vertrauen der Unternehmen in die Staatsführung. Außenbeitrag und Fiskalpolitik lieferten auch nur je 20 Basispunkte zur Wachstumsrate. Die Währungshüter der SARB hatten ihre Projektion 2017/18 bereits im Juli von 1,0% und 1,5% auf 0,5% und 1,2% herabgesetzt. Der gerade publizierte Armutsbericht zeigt: Der statistisch als „arm“ definierte Anteil der Bevölkerung steigt seit 2011 kontinuierlich an. Das Pro-Kopf-Einkommen fällt laufend. Die dadurch entstehenden sozialen Konflikte werden durch die wachsende Ungleichheit noch verschärft.

Fazit: Der Rand wird durch die Erwartung neuer Zinssenkungen und die wachsenden gesellschaftspolitischen Risiken belastet.

6-Monats-Übersicht zu ausgewählten Währungen aus Nahost und Afrika

LandWährung/ZinsAktueller KursAusblick 3 MonateAusblick 6 MonatePrognose-sicherheit
Türkei TRY 4,11 4,13 4,15 neutral
3m-Zins 11,8 11,8 11,5
Israel ILS 4,23 4,24 4,25 neutral
3m-Zins 0,1 0,1 0,1
Ägypten EGP 21,20 23 24,50 unsicher
overnight 17,7 n.v. n.v.
Nigeria
NGN 398 401 405 unsicher
3m-Zins 10 n.v. n.v.
Südafrika
ZAR 15,44 15,60 16,05 neutral
3m-Zins 7,04 7,07 7,12
  • TRY: Die Lira wird unverändert von schwachen Zinsperspektiven und der Politik belastet.

  • ILS: Beim Schekel bleibt es ruhig.

  • EGP: Der ägyptische Pfund wird weiter fallen.

  • NGN: Der Naira bleibt durch die hohe Inflation unter Druck.

  • ZAR: Der Rand wird durch die Korruption und wachsende soziale Konflikte belastet. 

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