Frachtboom in Europa: Wachstum trotz Investitionszurückhaltung
Das Frachtaufkommen ist zuletzt auf vielen Relationen in Europa gestiegen. Der deutsche Markt verzeichnete ein Plus von 31%. Dennoch: Kaum jemand will in Fahrzeuge und Personal investieren.
Moderate Preissteigerung
Die Frachtangebote der europäischen Auftraggeber stiegen im 3. Quartal 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25%. Wesentlicher Treiber war die wirtschaftliche Erholung u.a. in Frankreich, Spanien und Italien. Auch in Osteuropa, vor allem in Polen (+31%), wuchs der Markt deutlich. Das Laderaumangebot hat sich auf drei osteuropäische Zentren verlagert. Das führte zu einer Verschiebung der verfügbaren Kapazitäten. Die Preise stiegen laut dem Transportbarometer des Plattformdienstleisters Timocom (Erkrath) nur moderat.
Laderaum: Litauen boomt
Ein sattes Plus von 35% Plus verzeichneten die litauischen Transportdienstleister in Q3. Damit ist das Land größter und konstantester Anbieter von Laderaum im europäischen Spotmarkt, vor Polen und Rumänien. „Für die Fuhrunternehmen dieser Länder bedeutet das, dass sie die eigenen LKW und Fahrer ebenso gut im näheren Umfeld einsetzen können und nicht bis nach Westeuropa schicken müssen, um Geld zu verdienen“, so Timocom-Experte Gunnar Gburek.
Die wöchentlichen Angebotspreise der Auftraggeber lagen im Europa-Schnitt zwischen 1,43 und 1,67 Euro pro km, die Angebotspreise der Auftragnehmer zwischen 1,49 und 1,68 Euro. Der enorme Preisdruck auf den Transportmarkt hat laut Gburek zu einer strategischen Neuausrichtung vieler Speditionen geführt: Spezialisierung bzw. Fokussierung auf höherwertige Segmente im Westen sowie auf wirtschaftspolitisch attraktive Märkte im Osten.
Deutscher Markt
Deutliches Frachtenplus von 31% gegenüber dem Vorjahreszeitraum; auffällig ist: Der Anteil des Binnenverkehrs hat in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen. Der Kapazitätsrückgang setzte sich fort (-15% weniger Laderaumangebote). Spanien überraschte als starker Abnehmer deutscher Frachten. Die Angebotspreise der Frachtanbieter lagen in Q3 zwischen 1,56 und 1,90 Euro pro km, während Transportdienstleister Preise zwischen 1,69 und 2,06 Euro boten. Diese Preisdifferenz zeigt, dass es im Markt nach wie vor Verhandlungsspielraum gibt.
Fazit: Auftraggeber müssen im Spotmarkt in Q4 mit höheren Preisen rechnen. Trotz guter Auftragslage werden laut Timocom kaum neue Kapazitäten auf den Markt kommen. Die Unsicherheit bezogen auf einen stabilen Aufschwung bleibt. Kaum jemand will in Fahrzeuge und Personal investieren.