Die Apobank beteiligt sich mit einem lauwarmen Vorschlag
Wer sich auf der Website der Apobank umschaut, sucht vergeblich nach Hinweisen auf die Stiftungskompetenz des Hauses. Und auch in dem Vorschlag, den die Bank im Rahmen der Ausschreibung der Stiftung Fliege einreicht, wird kein Wort darüber verloren. Zwar stellt sich die Apo-Bank mit einem umfangreichen Firmenprofil vor – 14 der 20 Seiten umfassenden Einreichung befassen sich nicht mit dem Stifter, sondern mit den eigenen Angeboten –, aber Stiftungen spielen dabei keine besondere Rolle. Damit ist ein wichtiger Wunsch der Stifter schon mal nicht erfüllt. Worum geht es den Stiftern ansonsten?
Das wünschen sich die Stifter
- Die Stiftung Fliege sucht für 2,5 Millionen Euro Stiftungskapital – das 2024 auf 3 Millionen aufgestockt wird – einen neuen Vermögensverwalter.
- Gefordert werden Erfahrungen im Vermögensmanagement für Stiftungen
- Das Portfolio soll strategisch in bis zu 40 Prozent Aktien und 60 Prozent Anleihen aufgeteilt sein.
- Zentrale Vorgaben sind der reale Erhalt des Stiftungsvermögens auf mindestens fünf Jahre , die Begrenzung möglicher Vermögensverluste sowie mindestens 60.000 Euro ordentliche Erträge p.a. zur Fortführung der Stiftungsarbeit.
- Die Wertentwicklung des Anlagevorschlags von 2018 bis heute soll unter Angabe der wichtigsten Parameter simuliert werden.
- Schließlich sollen Risikomanagement- und Kostenmodell dargestellt werden.
Weiß die Bank, was sich die Stifter wünschen?
Auf Seite 14 kommt die Apobank dann praktisch übergangslos zu einem Anlagevorschlag. Die Stifterwünsche hat sie nicht rekapituliert und erfüllt sie auch größtenteils nicht. Ob sie überhaupt realisiert, was sich der Kunde wünscht, kann daher nicht nachvollzogen werden.
Vorgeschlagen werden 35,5 Prozent Aktien, 63,2 Prozent Anleihen und 1,3 Prozent Liquidität. Das zumindest entspricht den Anforderungen der Stiftung. Die regionale Verteilung der Aktien beschränkt sich auf Nordamerika (55,9 Prozent) und Europa (44,1 Prozent). Sehr breit gestreut scheint das an dieser Stelle nicht zu sein.
Solides Portfolio
Bei der Branchenverteilung dominieren Technologie mit 20,3 Prozent, Finanzen und Gesundheitswesen mit je 15,8 Prozent. Bei den Anleihen haben europäische Unternehmen mit 40,9 Prozent die Nase vorn, gefolgt von nordamerikanischen Unternehmen sowie Europa Financials mit je 22,7 Prozent.
Insgesamt macht das Portfolio einen soliden, über Branchen diversifizierten Eindruck mit Schwerpunkt auf Dividendentitel zur Erzielung von Ausschüttungen.
Keine Sicherheit für die Stiftung
Ob der Wunsch nach realem Kapitalerhalt erfüllt werden kann, erfährt der Leser des Vorschlags nicht. Zwar wird er als Ziel benannt, aber es gibt keine Diskussion um die Inflation(sannahme). Die Zielrendite wird mit 4,5 bis 5,0 Prozent beziffert – ob sie eingehalten wird, kann bestenfalls gemutmaßt werden. Das ist eindeutig zu wenig für die Stiftung, die sich Sicherheit wünscht.
Das zentrale Ziel der Stiftung neben dem Kapitalerhalt – Ausschüttungen in Höhe von mindestens 60.000 Euro pro Jahr für die Erfüllung der Stiftungsziele – greift der Vorschlag ebenfalls nicht erkennbar auf. Auch hier kann es höchstens Mutmaßungen geben, die nicht ausreichen, da andere Anbieter hier wesentlich weiter gegangen sind. Die behauptete Dividendenrendite von 3 Prozent und die Rendite der Anleihen von 4 Prozent gehen in die richtige Richtung, aber die Schlussfolgerungen fehlen.
Nachhaltigkeit spielt keine Rolle
Die Kosten für die Vermögensberatung beziffert die Apobank mit 0,595 Prozent; dazu kommen Transaktionskosten von ebenfalls 0,595 Prozent. Mit den daraus folgenden 1,19 Prozent ist das Angebot nicht mehr preiswert. Nur sehr rudimentär geht die Bank im Rahmen der ausführlichen Erläuterung ihres Investmentprozesses auf Nachhaltigkeitsaspekte ein. Hier heißt es lediglich: „In die quantitative und qualitativen Kriterie berücksichtigenden Auswahlprozesse für Einzeltitel und Investmentfonds fließen auch ESG (Environmental, Social, Governance-) Kriterien mit ein. Hierbei besteht Prozesstreue über quantitative Kennzahlen (ESG-Scores) als auch qualitative Kriterien, wie bestimmteAusschlusskriterien (z. B. Ausschluss kontroverser Waffen, keine Spekulation in Agrargütern). Zudem werden auch Best-in-Class Ansätze beim Auswahlprozess angewendet.“ Das ist dürftig.
Nicht sehr verständlich
Bei vielen anderen Wünschen der Stiftung, etwa dem nach einer Darstellung der historischen Wertenwicklung des bestehenden Mandats, glänzt die Abobank mit – nix. Und auch die Laienverständlichkeit lässt zu wünschen übrig. Offenbar erwartet die Bank einen professionellen Leser. Viele Tabellen und nur wenige Grafiken erleichtern das Erfassen des Vorschlags auch nicht gerade.
Adresse
Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG
Kantstraße 129
10625 Berlin
Tel. 0211/59 98-0
Email: kundenanfragen@apobank.de
www.apo-bank.de
Der Anlagevorschlag der Apobank befindet sich nicht auf Augenhöge mit dem Kunden. Der fühlt sich auf weiten Strecken allein gelassen, obwohl er doch eindeutige Anforderungen gestellt hat. Kapitalerhalt, Ausschüttung, Anlagerichtlinie, Nachhaltigkeit – das sind nur einige Aspekte, die nicht berücksichtigt werden. Da hilft auch das mutmaßlich gute, individuelle Einzeltitelportfolio nicht.
Es fehlt bei dem Vorschlag der Apobank eine Menge, um in die Nähe des Endausscheids zu kommen. Die Richtung stimmt, aber es wird einfach zu viel liegen gelassen.
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