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Fuchsrichter Logo Stiftungsvermögen 2024: Die Berliner Volksbank eG in der Ausschreibung

Die Berliner Volksbank disqualifiziert sich selbst

Thumb Stiftungsvermögen 2024 © Collage: Redaktion FUCHSBRIEFE; Bild: envato elements
Wer sich wie der Leser auf der Website von Banken einen ersten Eindruck über deren Stiftungskompetenz verschaffen möchte, wird bei der Berliner Volksbank kaum fündig. Zwar berichtet sie über ihr eigenes soziales Engagement; aber ob und wie sie andere Stiftungen unterstützt, lässt sie offen. Kein glücklicher Start für die Stiftung Fliege, die für ihre drei Millionen Euro einen neuen Vermögensverwalter sucht. Hoffentlich ist der Anlagevorschlag aussagekräftiger.

Diese Hoffnung wird allerdings nicht erfüllt. Der Vorschlag der Berliner Volksbank (BVB) gleicht eher einer Werbebroschüre als einem Anlagekonzept. Auf 26 von 35 Seiten präsentiert sich das Haus in aller Breite und startet erst auf Seite 27 mit der sehr knappen Darstellung der Wünsche der Stiftung. Danach folgt noch ein Werbeblock, bevor die Bank auf einer einzigen Seite so etwas wie ein mögliches Portfolio darstellt. Allerdings geht sie - warum auch immer - von nur zwei Millionen Euro aus, nicht von drei. Es gibt keine konkrete Aufteilung in Aktien und Renten, keine Währungs- und regionale Aufteilung, keine Titel - einfach nichts. Verständnis für den Kunden sieht anders aus. Aber was will der Kunde eigentlich?

Das wünschen sich die Stifter

  • Die Stiftung Fliege sucht für 2,5 Millionen Euro Stiftungskapital – das 2024 auf 3 Millionen aufgestockt wird – einen neuen Vermögensverwalter.
  • Gefordert werden Erfahrungen im Vermögensmanagement für Stiftungen
  • Das Portfolio soll strategisch in bis zu 40 Prozent Aktien und 60 Prozent Anleihen aufgeteilt sein.
  • Zentrale Vorgaben sind der reale Erhalt des Stiftungsvermögens auf mindestens fünf Jahre , die Begrenzung möglicher Vermögensverluste sowie mindestens 60.000 Euro ordentliche Erträge p.a. zur Fortführung der Stiftungsarbeit.
  • Die Wertentwicklung des Anlagevorschlags von 2018 bis heute soll unter Angabe der wichtigsten Parameter simuliert werden.
  • Schließlich sollen Risikomanagement- und Kostenmodell dargestellt werden.

Zusammengestückeltes Angebot

Die Übersichtlichkeit des Vorschlages lässt sehr zu wünschen übrig. Zwar verwendet die BVB ein Inhaltsverzeichnis, aber ohne Verweis auf die jeweiligen Seiten. Die einzelnen Kapitel sind mit vollkommen unterschiedlich gestalteten Überschriften versehen und dadurch zum Teil besonders schwer zu finden. Zudem wirkt das Angebot seltsam zusammengestückelt, nicht einmal fortlaufende Seitenzahlen gibt es.

Auf drei dieser nicht nummerierten Seiten stellt die Volksbank ihre Dienstleistungen für institutionelle Kunden dar. Über ihre Erfahrungen im Stiftungsmanagement schweigt sie.

Hohe Kosten für wenig Leistung

Das trifft auch auf die meisten anderen Stifterwünsche zu. Zu einem echten Anlagevorschlag kommt es nicht. Die Bank greift lediglich die gewünschte Verteilung in 40 Prozent Aktien und 60 Prozent Anleihen auf – ohne auch nur im Geringsten weiter darauf einzugehen. Sie verspricht bei 2 Millionen Euro Kapital ca. 80.000 Euro Ausschüttungen. Wie sie darauf kommt und wie sie das schaffen will: Fehlanzeige.

Die falsche Ausgangsgröße von 2 Millionen Euro wird auch bei der Kostendarstellung zugrunde gelegt, die der Leser mit Mühe ganz unten auf einer Seite findet und die 1 Prozent plus MwSt. betragen soll. Es fehlen die Einrechnung der MwSt. und jede Erklärung zu den Kosten. Die sind mit 1,19 Prozent denn auch recht hoch.

Keine Sicherheit für Vermögenserhalt

Fehlanzeige muss auch bei den Themen Zielrendite, Bruttorendite, realer Vermögenserhalt, historische Betrachtung und Anlagerichtlinie gemeldet werden. Auf einer dürren Seite versucht die BVB mithilfe einer Grafik so etwas wie eine Nachhaltigkeits-Strategie zu entwerfen. Das ist super dürftig und passt zu der insgesamt nicht vorhandenen Qualität des Traktats.

Weder die superkurze Darstellung des Investmentprozesses noch die des Risikomanagementmodells erzeugen beim Leser die Sicherheit, dass die Bank in der Lage ist, Vermögensverluste zu begrenzen.

Viele nichtssagende Fotos

Insofern es bei dem „Vorschlag“ etwas zu verstehen gibt, was die Stiftung interessieren könnte, dann versteht sie es. Die BVB arbeitet zudem mit vielen nichtssagenden allgemeinen Bildern aus dem Katalog und Fotos aus irgendeinem Konferenzraum. Inhaltliche Grafiken gibt es so gut wie nicht.

Adresse

Berliner Volksbank eG

Wittestraße 30 R

13509 Berlin

Tel. 030/3063-0

Email: service@berliner-volksbank.de

www.berliner-volksbank.de

 

Die BVB liefert das schlechteste Angebot im diesjährigen Wettbewerb ab. Es ist vollkommen indiskutabel, ohne jede Hinwendung zur Stiftung und scheinbar wahllos aus irgendwelchen Dokumenten zusammengeschustert – ein Werbedokument mit anhängendem unzureichenden Anlagevorschlag. Es werden so gut wie keine Fragen beantwortet. Das ist definitiv kein Partner für die Stiftung.

Keine Chance für eine Teilnahme am Endausscheid.

Lesen Sie weitere Berichte in den Rating-News der FUCHS|RICHTER Prüfinstanz zum Stiftungsmanagement.

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