HAL präsentiert sich üppig und gehaltvoll
Bei der Durchsicht des Angebots von Hauck Aufhäuser Lampe (HAL) fällt auf, dass der Anbieter offensichtlich das Anliegen der Stifter erkennt und wiederholt konkret darauf eingeht. Das Angebot ist übersichtlich gegliedert, allerdings mit 83 Seiten recht lang. Gut: Die Bank startet mit der Ausgangssituation und den Zielen des Kunden und stellt sich erst danach kurz vor. Die Stifterwünsche stellt HAL ausführlich vor und gibt zugleich Antworten, wie man darauf eingehen will. Das ist ein guter Start. Stellt sich nun die Frage, welche Anliegen die Stiftung Fliege an ihren möglichen Vermögensverwalter hat?
Das wünschen sich die Stifter
- Die Stiftung Fliege sucht für 2,5 Millionen Euro Stiftungskapital – das 2024 auf 3 Millionen aufgestockt wird – einen neuen Vermögensverwalter.
- Gefordert werden Erfahrungen im Vermögensmanagement für Stiftungen
- Das Portfolio soll strategisch in bis zu 40 Prozent Aktien und 60 Prozent Anleihen aufgeteilt sein.
- Zentrale Vorgaben sind der reale Erhalt des Stiftungsvermögens auf mindestens fünf Jahre , die Begrenzung möglicher Vermögensverluste sowie mindestens 60.000 Euro ordentliche Erträge p.a. zur Fortführung der Stiftungsarbeit.
- Die Wertentwicklung des Anlagevorschlags von 2018 bis heute soll unter Angabe der wichtigsten Parameter simuliert werden.
- Schließlich sollen Risikomanagement- und Kostenmodell dargestellt werden.
Hinweis auf Stiftungsrechtsreform
Auffällig: Die HAL stellt im Vorfeld des Anlagevorschlags schriftlich Fragen, deren Klärung eine Voraussetzung dafür sei, einen Vorschlag zu erstellen. Die Stiftung liefert die entsprechenden Antworten. Bis auf wenige Ausnahmen ist die Bank damit allein auf weiter Flur. Das ist positiv und zeigt, dass man sich mit der Ausschreibung und der Stiftung befasst hat.
Auf einer Seite stellte HAL die eigene Stifterarbeit vor. Die Bank betreibt seit 2008 eine Kulturstiftung zu Förderungen jungen Künstler. Kurz darauf präsentiert sie gründlich und grafisch gut aufbereitet, welche Services sie für Stiftungen bereithält. Sie geht zudem auf die Stiftungsrechtsreform ein und betont, dass nun auch in Bayern – anders als bisher – nicht mehr der reale Kapitalerhalt nötig sei. Auch dieser Hinweis ist fast ein Alleinstellungsmerkmal.
Keine Zielrendite
HAL analysiert das vorhandene Portfolio kurz und empfiehlt u.a. den Ausstieg aus Investmentfonds, da hier nicht die Möglichkeit bestehe, jeden Titel auf ESG-Tauglichkeit zu untersuchen. „Im Falle einer Übernahme des Mandats würden wir die empfohlenen Umschichtungen vermögensschonend und interessewahrend vornehmen“, betont die Bank.
Sie schlägt ein Portfolio aus 35 Prozent Aktien und 65 Prozent Anleihen vor und verfehlt damit die idealtypische Verteilung von 40 zu 60 nur leicht. Sie stellt eine erwartete Rendite von 3,7 Prozent nach Kosten in Aussicht, leider ohne zu beurteilen, ob das ausreicht, um den Kapitalerhalt und die gewünschten Ausschüttungen in Höhe von 60.000 Euro jährlich zu garantieren. Eine Zielrendite sucht der Leser vergeblich.
Realer Vermögenerhalt schwierig
Das Rentenportfolio stellt die Bank ausgiebig mit Laufzeiten, Ratings und ESG-Performance vor. Im Aktienbereich teilen sich Europa und die USA den Kuchen im Verhältnis zwei Drittel zu ein Drittel. Auch die Branchen- und Länderallokation sowie die ESG-Performance finden breiten Raum.
Den realen Vermögenserhalt kann HAL unter den gegebenen Voraussetzungen nicht garantieren. „Nach Entnahmen von 2,0% p.a. (60.000 €) und einer für einen mittelfristigen Planungszeitraum angenommenen Inflationsrate von 2,5% p. a. kann das Vermögen nicht vollständig real erhalten werden.“ Warum sie die mögliche Aktienquote von 40 Prozent nicht ausnutzt, um diesem Manko zu begegnen, bleibt unklar.
Ausschüttungen unter Vorbehalt garantiert
Gut: Die Bank macht einen Alternativvorschlag für den realen Vermögenserhalt. Das Portfolio müsste aus 54 Prozent Aktien und 46 Prozent Anleihen bestehen. Auf diese Weise wäre eine Rendite von 4,5 Prozent zu erzielen. Damit könne das Vermögen „voraussichtlich real erhalten werden", heißt es im Vorschlag. HAL garantiert die Erwirtschaftung von 60.000 Euro, macht dabei aber – wie erwähnt – Abstriche am Vermögenserhalt.
Die Darstellung des Portfolios ist gut, geht aber im Wust von flankierenden Informationen beinahe unter. Branchen, Länder, Ratingstrukturen bei den Anleihen und ESG-Kennzahlen führt HAL ausführlich auf. Währungen spielen keine Rolle, ergeben sich aber aus der Länderaufteilung, zumindest bei den Aktien.
Nachhaltigkeit sehr gut dargestellt
HAL erläutert Nachhaltigkeit sowohl als integralen Bestandteil ihrer Arbeit als auch im Zusammenhang mit dem konkreten Portfolio. Sehr löblich! Beim Renten- wie beim Aktienportfolio erwähnt die Bank den ESG-Perfomance Score und das Carbon Risk Rating. Hierbei wird bewertet, wie das Unternehmen Probleme durch Klimarisiken managt. Hohe Bewertungen bedeuten dabei weniger Klimarisiken.
Es handelt sich um einen individuell auf die Stiftung zugeschnittenen Anlagevorschlag. Immer wieder wird auf Themen wie Ausschüttung, Kapitalerhalt und Nachhaltigkeit eingegangen.
Relativ hohe Kosten
Über die Anforderungen an eine Anlagerichtlinie für Stiftungen informiert die Bank, ohne auf die Stiftung Fliege einzugehen oder eine konkrete Anlagerichtlinie vorzuschlagen. Lediglich ein Strukturvorschlag ist erkennbar. Das enttäuscht ein wenig.
HAL übermittelt eine detaillierte Kostenübersicht, aus der der Leser eine Pauschalgebühr von 0,7 Prozent herauslesen kann. Zusammen mit weiteren Kosten ergibt sich eine Jahresgebühr von 1,14 Prozent. Das ist relativ hoch.
Risikomanagement zu kurz beschrieben
Etwas reichhaltiger hätte sich der Leser die Darstellung des Risikomanagements der Bank gewünscht. Zwar erfährt er anhand von drei Bullet Points und wenigen Erklärungen, dass es Szenarioanalysen und Stresstests, anlassbezogene Risikoszenarien und Management-Maßnahmen gibt.
Und auch Hinweise auf ein Monitoring aller Positionen in Echtzeit gehen in die richtige Richtung. Allerdings vermisst der Leser eine beispielhafte Darstellung, wie das Risiko konkret gemanagt wird.
Zusammenfassung und nächste Schritte
Es gab von 1990 bis 2022 laut HAL acht Jahre mit Vermögensrückgängen. Der höchste Verlust betrug 2022 minus 16 Prozent. An anderer Stelle wird die historische Wertentwicklung der Jahre seit 1989 grafisch dargestellt. Die größte Verlustphase startete demnach im Oktober 2007 und endete im Februar 2009 mit einem Wertverlust von 20,1 Prozent. Danach dauerte es 24 Monate, bis der Wertverlust wieder aufgeholt wurde.
Die Sprache, die HAL für den Anlagevorschlag wählt, ist in weiten Teilen gut verständlich. Wenn nötig, veranschaulicht die Bank Fachbegriffe. Unter der Überschrift „Zusammenfassung und nächste Schritte“ erhält der Leser ein gutes Fazit. Als nächstes möchte der Anbieter noch offene Fragen klären, bietet den Austausch mit ihren Experten an und bittet um ein persönliches Gespräch.
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Fazit: HAL beteiligt sich mit einem sehr ordentlichen, sehrumfangreichen Vorschlag am Wettbewerb um die Vermögensverwaltung der Stiftung Fliege. Straffung hätte dem Werk gut getan. Gut: Der Vorschlag geht intensiv auf die Wünsche der Stiftung ein und bietet sogar einen abweichenden Vorschlag mit erhöhtem Aktienanteil an, um den Kapitalerhalt zu gewährleisten. Immer wieder geht die Bank auf Qualitätskriterien und Filter für Nachhaltigkeit ein und wendet dies auch beim konkreten Portfolio an.
Die Teilnahme am Beauty Contest hat sich Hauck Aufhäuser Lampe damit gesichert.
Lesen Sie weitere Berichte in den Rating-News der FUCHS|RICHTER Prüfinstanz zum Stiftungsmanagement.